So kommt die Bon-Pflicht in Schwerter Geschäften an

hzEinkaufen in Schwerte

Seit dem 1. Januar gilt deutschlandweit in jedem Geschäft mit elektronischer Kasse die Bon-Pflicht. Darauf erleben die Geschäftsbetreiber in der Schwerter Innenstadt gemischte Reaktionen.

Schwerte

, 06.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Beginn des Jahres 2020 bekommt jeder Kunde an der Kasse einen Bon, ob er möchte oder nicht. Das gilt für den Wocheneinkauf im Supermarkt genauso wie für den schnellen Kaffee auf die Hand oder die Zeitung am Bahnhof. Diese Regelung ist auch in der Schwerter Innenstadt angekommen und stößt dort nicht unbedingt auf Begeisterung unter den Einkäufern.

Schwerter Kunden gegen die Bonpflicht

„Ganz selten nimmt jemand mal einen Bon mit, wenn er den zum Beispiel für die Steuer braucht“, erzählt Ursula Hahs von Lotto Oraniants in der Innenstadt. „ Aber die meisten Leuten finden es unsinnig und wissen nicht, was das soll.“ Auch für das Geschäft selbst ergäben sich ihr zufolge keine Vorteile durch die neue Regelung. „Uns bringt es nichts außer mehr Müll. Und es ist Sondermüll, denn die Bons werden auf Thermopapier gedruckt.“ Ähnliche Erfahrungen hat Brigitte Romanowski gemacht, die in der Bäckerei Kamps in der Hüsingstraße arbeitet. „Jetzt nehmen zwar mehr Kunden als früher den Bon, aber die meisten lehnen ihn immer noch ab.“

Die Geschäftsleitung des Café Köhle hat von einigen Kunden auch aus Umweltschutzgründen Bedenken gehört. „Manche sagen uns: Jetzt, in Zeiten von Fridays for Future, will die Politik, dass wir noch mehr Papier verschwenden.“

„Der Bon bringt Vorteile im Fall einer Reklamation“

Vasvija Lulic, die die Filiale der Bäckerei Grobe an der Rathausstraße leitet, kann der Bon-Pflicht auch etwas Gutes abgewinnen. „Auf den Bons ist immer angegeben, wer den Kunden bedient hat. Das kann Reklamationen einfacher machen.“ Davon abgesehen, sind die Reaktionen auf die neue Regelung aber auch in der Bäckerei Grobe hauptsächlich negativ. „ Was will man mit einem Bon, wenn man drei Brötchen kauft? Wir geben sie natürlich raus, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist, aber zu 90 Prozent sind die Kunden dagegen und möchten ihn auch nicht haben,“ erzählt die Filialleiterin.

Bonpflicht gegen Steuerhinterziehung

Ursprünglich ist die Bon-Pflicht schon 2016 als Teil der Kassensicherungsverordnung beschlossen worden. Mit dieser Maßnahme will das Finanzministerium Steuerbetrug erschweren. Laut Schätzungen des Bundesrechnungshofs werden an deutschen Kassen jährlich rund zehn Milliarden Euro Steuergelder hinterzogen. Das geschehe teilweise, weil Beträge nicht oder nicht vollständig registriert würden und Geschäfte ihren Umsatz niedriger ausweisen könnten, als er ist. Durch die Bon-Pflicht soll das verhindert werden. Kritiker sagen, dass die neue Regelung unnötigen Müll produziert und das häufig verwendete Thermopapier zusätzlich die Umwelt belaste.

Bon als Umweltbelastung?

Frank Weissenberg, Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe Unna, sieht die Bon-Pflicht ebenfalls eher kritisch. „Natürlich ist es aus Verbraucherschutzgründen wichtig, dass der Kunde einen Bon bekommen kann, wenn er ihn braucht“, so Weissenberg. „Aber ich finde es persönlich befremdlich, dass bei Umweltschutzmaßnahmen in der Industrie häufig das Prinzip der Freiwilligkeit gilt, während hier etwas vorgeschrieben wird, was der Umwelt schadet.“

Aussagen des Bundesministeriums für Finanzen zufolge ist es auch zulässig, Bons digital und damit umweltneutral auszustellen. Dafür bräuchten Geschäfte aber entweder eine eigene App oder eine Email-Adresse oder Handynummer ihrer Kunden. Viele kleinere Geschäfte haben diese Möglichkeiten nicht, und Kunden könnten sie auch aus Datenschutzgründen ablehnen.

Vorläufig keine Sanktionen

Geschäfte, die nicht jeden Bon drucken, verstoßen zwar gegen die neue Verordnung, laut Angaben des Bundesfinanzministeriums wird es aber im Moment kein Bußgeld dafür geben.

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