Sportplatz, Finanzen und Windkraftanlagen: So sprachen die Kandidaten auf dem Podium

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Vertreter der sieben Parteien, die bei der Kommunalwahl in den Schwerter Stadtrat einziehen möchten, diskutierten auf Einladung der Ruhr Nachrichten in der Rohrmeisterei. Ein Überblick.

Schwerte

, 20.08.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor der Halle standen Mitglieder vom Bündnis „Schwerte gegen Rechts“, um ein Transparent mit der Aufschrift „Keine Stimme für die AfD“ hochzuhalten.

Doch auf der Bühne der Rohrmeisterei ging es dann absolut nicht hitzig zu, als am Mittwochabend auf Einladung der Ruhr Nachrichten Vertreter der sieben für den Rat kandidierenden Parteien bei einer Podiumsdiskussion ihre Positionen vorstellten und verteidigten.

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"Schwerte gegen rechts" positioniert sich gegen die AfD

„Wir haben alle Parteien eingeladen und wollten mit ihnen über ihre lokalen Inhalte diskutieren – nicht über Bundes- oder Europapolitik“, betonte RN-Redaktionsleiter und Moderator Heiko Mühlbauer. Schließlich sei auch die AfD eine demokratisch legitimierte Partei. „Wir wissen, dass es innerhalb der Partei rechtsradikale Tendenzen gibt, auch in Schwerte und berichten ja auch darüber.“ Zum einen gehe aber auch die Partei dagegen vor, zum anderen ist die AfD ja nicht verboten. Sich deshalb sich generell einer Auseinandersetzung zu verweigern und deren lokale Inhalte nicht mehr zu beleuchten, sei zumindest aus journalistischer Sicht falsch. Das muss Demokratie aushalten können.

Bei der Diskussion mit den Kandidaten blieben die Bundesthemen der AfD wie Migration und Flüchtlinge dann außen vor. Auch in der offenen Runde, in der die Kandidaten ihren Kontrahenten antworten konnten, gab es wenig direkte Konfrontation.

Zoff um Riesen-Windräder

Einigen Zündstoff boten vor den rund 100 Zuhörern allenfalls die von einem Investor in Ergste geplanten, 200 Meter hohen Riesen-Windkraftanlagen und die von der Stadt in Wandhofen gewünschte großzügige neue Sport-Arena.

Dass Grünen-Fraktionssprecher Bruno Heinz-Fischer die Windkraftwerke verteidigte, verwunderte nicht. Er fand es auch gut, dass nicht die Stadt, sondern der Kreis Unna „mit Distanz und Sachverstand“ die Entscheidungsgewalt über das Projekt habe. Man habe auch in Schwerte eine Verpflichtung, etwas für das globale Klima zu tun, meinte er.

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Dagegen zeigte sich WfS-Spitzenkandidat Andreas Czichowski „schier entsetzt“ über diese Verfahrensweise, die Rat, Verwaltung und Bürger der Stadt keinerlei Mitsprache gewährt. „Was passiert, ist ein Diktat“, sagte er und forderte: „Die Menschen müssen mitgenommen werden.“ Eine „Gefahr für das Stadtbild“, unter der die Attraktivität Schwertes leiden würde, befürchtete AfD-Vertreter Sebastian Rühling. Um abschließend hinzuzufügen: „Den Nutzen stellen wir generell sowieso in Frage.“

Sportanlage soll erst auf Wirtschaftlichkeit geprüft werden

Große Fragezeichen wurden auch hinter die Großsportanlage gesetzt, die die Stadt im Wandhofener Bruch bauen möchte. Angesichts der städtischen Finanzlage zählte sie WfS-Vertreter Andreas Czichowski samt ihrer „rundum-glücklich-Ausstattung“ zu den „Dingen, die wir uns nicht leisten können“.

FDP-Spitzenkandidatin Renate Goeke forderte, „jemanden mit im Boot zu haben, der was davon versteht“ und den Wirtschaftlichkeitsnachweis mitbringe. Bekanntlich war es Vorstellung der Stadt, das Projekt durch den Grundstücksverkauf der einzusparenden Sportplätze Schützenhof und Wandhofen zu finanzieren.

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Wenn es sich nicht wirtschaftlich darstellen lasse, müsse man es lassen, forderte Renate Goeke. Und die Finger davon zu lassen, wenn sich kein Investor finde. „Ein zweites Spaßbad brauchen wir nicht“, erinnerte sie an ein anderes, krachend gescheitertes städtisches Vorzeige-Vorhaben, von dem nur ein millionenschwerer Schuldenberg geblieben ist.

„Ein Investor muss verdienen“, erklärte CDU-Parteichef Egon Schrezenmaier, selbst Unternehmer: „Wer das machen soll, ist mir schleierhaft.“ Ob die Vereine letztendlich Miete für die Nutzung der Plätze bezahlen müssten, zu denen auch Volleyballfelder gehören sollen?

Offen für ein Bierchen

So weit die Meinungen auch auseinander gingen, so sachlich blieben die sieben Politiker an den – ganz neutral in Beige behussten – Stehtischen. Eine richtige Verweigerungshaltung war nicht mal bei der Abschlussfrage festzustellen, mit wem aus der Runde man denn ein Bierchen trinken möge.

Am offensten zeigte sich Linken-Vertreter Dieter Reichwald. „Ich würde mit jedem ein Bier trinken, um seine Meinungen kennen zu lernen“, sagte er. SPD-Fraktionsvorsitzende Angelika Schröder schränkte dagegen ihr Angebot leicht ein. Mit „allen derzeit im Rat vertretenen Parteien“ würde sie sich gern auf ein Bier treffen. Es gehe um gegenseitigen Respekt und Wertschätzung.

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