Corona-Bußgeld: Stadt verlangte von 15-jährigem Schüler 228,50 Euro

hzCoronakrise in Schwerte

Verstöße gegen die Corona-Regeln können teuer werden. Es war wohl nur ein dummer Zufall, aber Laurenz Ewald sollte über 200 Euro zahlen. Das ließ seine Mutter aber nicht ruhen.

Schwerte

, 20.05.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein gelber Brief im Postkasten verheißt Unheil. Auch wenn man erst 15 Jahre alt ist und keinerlei Erfahrung mit Zustellungen vom Rathaus hat. So wie Waldorfschüler Laurenz Ewald. Nach dem Öffnen des Kuverts war er dermaßen verschreckt, dass er erst Tage später seiner Mutter Lioba Ewald beichtete: Die Stadt wollte von ihm ein Corona-Bußgeld von 200 Euro, plus 28,50 Euro für Gebühren und Auslagen.

Schüler zeigte dem städtischen Kontrolleur arglos den Ausweis

Was sollte der Jugendliche verbrochen haben? Es war Anfang April – so berichtet Laurenz Ewald – als er sich mit einem Nachbarsjungen im Penny-Markt ein Eis am Stiel gekauft hatte. Gegenüber vom Johannes-Mergenthaler-Haus saßen die beiden auf dem Bordstein der Jahnstraße und schleckten: „Dann kam noch ein Junge aus der Nachbarschaft vorbei, der für seinen Bruder Pizza holen wollte.“

Er blieb kurz stehen, man sagte „Hallo“ und wechselte ein paar Worte – in Vor-Corona-Zeiten kein Problem. Doch wegen der Pandemie galt jetzt die Regel: Mehr als zwei sind eine Gruppe, also verboten.

Die Eltern Martin und Lioba Ewald haben Einspruch gegen das Corona-Bußgeld für ihren 15-jährigen Sohn eingelegt und auch einen Brief an Bürgermeister Dimitrios Axourgos geschrieben.

Die Eltern Martin und Lioba Ewald haben Einspruch gegen das Corona-Bußgeld für ihren 15-jährigen Sohn eingelegt und auch einen Brief an Bürgermeister Dimitrios Axourgos geschrieben. © Reinhard Schmitz

Ausgerechnet in diesem Moment kam ein Streifenwagen des Ordnungsamtes um die Ecke. Einer der beiden Männer sei ausgestiegen und habe Ausweise oder Namen gewollt, erzählt der 15-Jährige weiter – ganz ohne Vorwarnung. Arglos zeigte er seine Papiere, um zu erfahren: „Die meinten gleich, das wäre eine Versammlung und würde 200 Euro kosten.“

Schüler füllte städtischen Anhörungsbogen aus

Kein Scherz, keine Drohung, wie man zuerst dachte. Die städtischen Kontrolleure machten Ernst. Kurz darauf kam Post vom Rathaus. Laurenz Ewald füllte den beiligenden Anhörungsbogen aus und schilderte den Vorfall mit eigenen Worten.

Ohne Erfolg. „Auch unter Hinweis auf Ihre Angabe zur Sache kann keine andere Entscheidung getroffen werden“, erhielt er in einem weiteren Schreiben zur Antwort. Es blieb bei der Forderung über 228,50 Euro von dem Schüler.

Nach Protest der Mutter wurde das Verfahren letztlich doch eingestellt

Das ließ Mutter Lioba Ewald aber nicht auf sich sitzen. „Ich finde nicht, dass man das an Kindern auslassen sollte. Das war doch keine geplante Ansammlung“, erklärte sie: „Es ist nur dumm gelaufen, dass der Dritte vorbeikam.“ Deshalb schrieb sie am Montag nur einmal einen Einspruch und einen Brief an Bürgermeister Dimitrios Axourgos.

Mit Erfolg. „Das Verfahren ist eingestellt“, berichtete am Dienstag (19. Mai) Stadt-Pressesprecher Ingo Rous. Üblicherweise gebe es immer die Möglichkeit zu einer Stellungnahme, nach der alles noch einmal gecheckt und geprüft worden sei. Mit dem Ergebnis: „Eine Ermahnung wäre ausreichend gewesen.“

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Es gibt aber auch andere Fälle. Bislang betreibe die Stadt rund 60 Bußgeld-Verfahren wegen der Coronaregeln, berichtet Ingo Rous. Der Ordnungsdienst sei für seine Kontrollen immer noch verstärkt durch andere Rathaus-Mitarbeiter.

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