Stadtpark Schwerte: Bilanz der neuen Sozialarbeiter

Brennpunkt

Seit rund 100 Tagen sind im Schwerter Stadtpark zwei eigens abgestellte Sozialarbeiter unterwegs. Nun zogen Mario Clausen und Nathalie Stein eine erste Bilanz und berichteten von ihren Erfahrungen mit den Menschen vor Ort. Unterdessen fordert Ulrich Groth, Chef der Diakonie, eine eigene Anlaufstelle für die Szene.

SCHWERTE

, 18.09.2017, 14:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Anwohner und Nachbarn empfinden die Szene im Schwerter Stadtpark als Belagerung.

Anwohner und Nachbarn empfinden die Szene im Schwerter Stadtpark als Belagerung.

Eine Anlauf- und Kontaktstelle für die Szene, die sich jetzt im Stadtpark trifft, fordert Ulrich Groth. Der Chef der Diakonie und Vorstand des Vereins für soziale Integrationshilfen zog Ende vergangener Woche eine erste Bilanz über das Projekt Stadtpark.

Seit rund 100 Tagen sind Mario Clausen und Nathalie Stein als Streetworker im Stadtpark im Einsatz. Im Generationen-Ausschuss des Rates, der auch für soziale Belange zuständig ist, erzählten Groth und Clausen, wie das Projekt vorangehe.

Bierflasche als Standard-Ausrüstung

Die Bilanz war positiv, auch wenn es noch etliche Baustellen gibt. Die Größte ist wohl das Hygiene-Problem. Denn noch immer werden die Büsche im Stadtpark für das tägliche Geschäft genutzt. „Hier ist vorerst keine Abhilfe in Sicht“, so Groth. Die Übernachtungsstelle für Obdachlose im Rathaus, die früher auch tagsüber als Treffpunkt genutzt wurde, scheide wohl als Lösung aus, schätzt Groth.

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Zunächst gab es aber eine Einschätzung der derzeitigen Situation. 20 bis 30 Menschen aus verschiedenen Szenen träfen sich tagsüber im Stadtpark. Es gäbe eine kleinere Gruppe von älteren Menschen aus Schwerte, die überwiegend Alkoholprobleme hätten. Dann eine größere Gruppe von Menschen mit Drogenproblemen, von denen ein Großteil auch im Methadonprogramm sei, und eine Gruppe von Menschen osteuropäischer Herkunft.

Allen Gruppen gemeinsam sei die Tatsache, dass sie Alkohol- und Drogenprobleme hätten. Die Bierflasche sei hier quasi die Standard-Ausrüstung.

Szene achtet auf Kinder

Die Szene hat aber durchaus ein Gefühl dafür, wie sie bei anderen ankommt. Als Beispiel nannte Clausen den Kinderschlachtruf. Wenn Kinder der benachbarten Friedrich-Kayser-Schule durch den Stadtpark gehen, gebe es einen Warnruf und alle verstecken ihre Bierflaschen hinter dem Rücken.

Einen Ausweichtreffpunkt, der von der Szene wohl akzeptiert würde, könnte das Salzlager der Stadt an der Ladestraße weit hinter dem Einkaufszentrum am Bahnhof sein, so Groth. „Wir wollen aber keine Gettoisierung dieser Menschen“, erklärte die SPD-Fraktionsvorsitzende Angelika Schröder. Einig war sich der Ausschuss darüber, dass nach dem ersten Schritt mit den Sozialarbeitern weitere folgen müssten, auch um den Stadtpark zu einem Ort für alle Nutzer zu machen.

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