Starkes Cello-Spiel mit Beate Starken - Jazz und Verfremdung in der Rohrmeisterei

hzSchwerter Sommerkonzerte

Cellomusik bedeutet Barockmusik? Nicht nur. Das verdeutlichte Beate Starken beim letzten der Schwerter Sommerkonzerte. Sie brachte viel Jazz mit, viel Improvisation, viele Rhythmen.

Schwerte

, 26.08.2019, 13:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie wollte nur spielen. Am Vormittag wirkte sie schon mit beim Abschlusskonzert des alljährlichen Berghofer Cellosommers, leitete dort einen Jazz-Workshop. „I just want to play“ hieß das Solo-Programm von Beate Starken. Mit dieser außergewöhnlichen, gleichermaßen frechen wie einfühlsamen Darbietung ging die Reihe der Schwerte Sommerkonzerte in diesem Jahr zu Ende.

Ein Cello kennt man solistisch mit Barockmusik, etwa den Suiten des Altmeisters Bach. Vertraut ist der Kölnerin das klassische Genre, auch das Musizieren im großen Orchester. Doch ihre Liebe gehört dem Jazz, der Improvisation, dem Spiel mit den Rhythmen.

Dort ist die dezente Verstärkung des Instruments in Bandbesetzungen nicht ungewöhnlich. Für Ihr Solo-Programm, darin viele Eigenkompositionen und Arrangements brachte sie zusätzlich Elektronik ins Spiel.

Doppelgriffe, Glissandi, Flageolette - so entstanden sphärenhafte Klangwelten

Zunächst zeigte Frau Starken jedoch Möglichkeiten des Klangspektrums ohne diese Hilfsmittel. Lange, vibrierende Striche, bald Doppelgriffe, Polyphonie im Sinne Bachs, Glissandi und Flageolette führten in sphärenhafte, mystische Klangwelten. Dann gesellte sich die Rhythmik des Jazz hinzu, gezupfte Basstöne, eine gitarrenhaft aufjaulende Oberstimme. Man konnte sagen: „Die Frau hat den Blues!“

Oftmals begnügte sich Starken nicht mit einer Instrumentenstimme. Eine Loop-Station machte es möglich, mehrere Stimmen nacheinander live einzuspielen und anschließend zu überlagern, eine Klangbasis für die frei gestaltete Melodiestimme zu schaffen.

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Auch ein elektronisches Schlagzeug kam zum Einsatz

Mit Spielfreude setzte sie hier elektronisches Schlagzeug ein, imitierte dort auf ihrem Instrument südamerikanische Perkussion wie den Klang der Cuica, einer brasilianischen Reibetrommel. Bachs Improvisation weiter entwickelnd, gab es gar königliche Musik: Aus einer Vorgabe Friedrichs des Großen wurde ein Umkehr-Kanon. Stücke von Miles Davis oder Herbie Hancock, Einflüsse aus Country & Western bereicherten das Programm. Besonderen Eindruck erzielte die vielseitige Musikerin mit ihrer Komposition „Underground“, einem stampfenden, schnaufenden, jaulend pfeifenden Dampfexpress, zeigte imposant, was mittels der Technik aus einem klassischen Streichinstrument herauszuholen ist.

Der witzige „Blues Bossa“ war das I-Tüpfchen des offiziellen Programms. Für diese starke Leistung war der Besuch ungewöhnlich zurückhaltend.

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Nächstes Konzert

Am 8. September sind Klavier-Stücke zu hören

Eine „Sternstunde am Bösendorfer“ ist die nächste Veranstaltung der Konzertgesellschaft. Anstelle des Brasilianers de Almeida wird Prof. Thomas Duis aus Frankfurt Werke von Haydn, Beethoven und Mussorksky präsentieren. Beginn am Sonntag, 8. September, um 11 Uhr in der Rohrmeisterei. Karten gibt es im Vorverkauf für 17 Euro, an der Tageskasse für 20 Euro.
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