Sturz in eine Gletscherspalte: Fast 1000 Menschen nahmen Abschied von Martin Gläser

hzJahresrückblick 2019

Bei einer Bergtour in den Alpen verunglückte Martin Gläser (50) tödlich. Der Geisecker Sportverein trauerte um seinen Vorsitzenden, und das Marienkrankenhaus um einen leitenden Pfleger.

Schwerte

, 23.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anteilnahme war gewaltig. Fast 1000 Menschen standen im September auf dem Sportplatz des Geisecker SV, um dem Vereinsvorsitzenden Martin Gläser die letzte Ehre zu erweisen. Im Alter von nur 50 Jahren war er bei einer Bergtour in den österreichischen Alpen tödlich verunglückt.

Die tragische Nachricht hatte sich am Wochenende zuvor wie ein Lauffeuer in Schwerte verbreitet. Denn Gläser war nicht nur in Fußballkreisen geschätzt, sondern auch von Kollegen und Patienten im Marienkrankenhaus, wo er als Pflegerischer Leiter der Endoskopischen Abteilung tätig war. Mit vier Freunden war er zu einem Kurzurlaub in die Ötztaler Alpen aufgebrochen, von dem er nicht mehr lebendig zurückkehren sollte. Von der Breslauer Hütte aus wollte die Gruppe den zweithöchsten Berg Österreichs, die 3768 Meter hohe Wildspitze besteigen. Sie ist nur 30 Meter niedriger als der mächtige Großglockner.

Seilschaft stürzte in eine zehn Meter tiefe Gletscherspalte

Während zwei Mitglieder die Tour unterwegs abbrachen und zur Schutzhütte zurückkehrten, setzte Gläser mit den beiden anderen Kollegen den Weg fort. Sie erreichten den Gipfel, aber beim Abstieg rutschte die Seilschaft aus ungeklärten Gründen ab und stürzte in eine zehn Meter tiefe Gletscherspalte. Trotz der Verletzungen gelang es einem der Bergsteiger, per Handy seine Kameraden auf der Berghütte zu alamieren. Die setzten eine großangelegte Rettungsaktion in Gang.

Sturz in eine Gletscherspalte: Fast 1000 Menschen nahmen Abschied von Martin Gläser

Den Festplatz am Rande der Geisecker Sportanlage benannte der Verein in „Mini Gläser Platz“ um. „Mini“ war der Spitzname des verunglückten Vereinsvorsitzenden. © Manuela Schwerte (A)

Mit drei Hubschraubern wurden insgesamt 60 Bergretter auf 3200 Meter Höhe geflogen. Es gelang ihnen, die Verunglückten aus der Spalte zu ziehen und per Gebirgstrage, Pistenraupe und Bergbahn ins Tal zu bringen. Von dort wurde der am schwersten verletzte Gläser noch in die Universitätsklinik Innsbruck eingeliefert. Doch alle Bemühungen der Ärzte blieben vergeblich.

Schild am Geisecker Sportplatz hält die Erinnerung wach

Tief betroffen, sagten die Verantwortlichen des Geisecker SV umgehend alle Fußballspiele für das Wochenende ab. Andere Schwerter Vereine ließen ihre Mannschaften mit Trauerflor am Trikot auflaufen. Und im Freischütz fiel die große Party mit der Kult-Band Krass aus, mit der die Mitarbeiter des Marienkrankenhauses das 150-jährige Bestehen der Klinik feiern wollten. Doch danach war in dem Moment niemandem zumute.

Wie beliebt Gläser bei den Kollegen war, zeigten die Eintragungen in das Kondolenzbuch, das das Marienkrankenhaus in seiner Kapelle ausgelegt hatte, wo auch eine Gedenkandacht gehalten wurde. Die große Trauerfeier fand am Sarg auf der Geisecker Sportanlage statt. Dort hält ein Schild „Mini Gläser Platz“ am Festgelände die Erinnerung an den rührigen Vereinsvorsitzenden wach.

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