Udo Wilkes überstand Covid-19. Drei Wochen lag der 75-Jährige im Krankenhaus, auch auf der Intensivstation. Im Interview erzählt er von der Krankheit, den Symptomen und der Behandlung.

von Detlev Schnitker

Schwerte

, 09.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit fast acht Wochen werden im Marienkrankenhaus in Schwerte Covid 19-Erkrankte behandelt. Inzwischen ist die Fallzahl eine Null. Wie ist es den Betroffenen ergangen? Ein Interview mit Udo Wilkes (75). Er war der erste Covid-19-Patient am Standort Schützenstraße des Krankenhauses.

Hallo Herr Wilkes, wie geht es Ihnen heute?

Ich bin jetzt drei Wochen aus der Klinik raus. Es geht von Tag zu Tag besser, die Kondition nimmt immer mehr zu. Derzeit schaffe ich es schon zu Fuß von der Schützenstraße zum Bahnhof und zurück. Im Krankenhaus hieß es, dass es acht Wochen dauert, bis man das Niveau wie vor der Erkrankung erreicht hat.

Vor ein paar Wochen sah das anders aus. Sie mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden?

Ja. Im Februar hatte ich leichten Husten. Beim Arzt hat man ausgeschlossen, dass das Corona sein könnte. Aber es ging mir nicht gut. Der Husten blieb. Dazu kam Appetitlosigkeit. Ich habe nichts mehr gegessen, nur noch getrunken. 10 Kilo habe ich verloren, wahrscheinlich auch den Geschmacks- und Geruchssinn. Genau kann ich das nicht sagen, weil ich nichts mehr essen wollte. Dazu packte mich eine Lustlosigkeit. Raus wollte ich gar nicht mehr.

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Und dann?

Mein Sohn wohnt in der Nähe, meine Tochter über mir im Haus. Wir haben uns öfters gesehen, irgendwann wurde es ihnen zu bunt. Ohne mit mir zu sprechen, haben sie den Rettungswagen gerufen. An Covid-19 habe ich da immer noch nicht gedacht, mein Sohn schon. Der Notarzt hat den Verdacht geteilt, ich musste ins Krankenhaus. Weil wir an der Schützenstraße wohnen, brauchten mich die Rettungssanitäter nur über die Straße schieben und nicht hinterher den RTW zu desinfizieren. Das war für sie praktisch und mein Glück.

Inwiefern?

Na ja. Damals hatte man die Bilder aus Italien, Frankreich und Spanien im Kopf. Klar hatte ich Angst und wusste nicht, was auf mich zukommt. Im Marienkrankenhaus war ich einer der ersten Covid-19-Patienten. Ich wurde von Chefarzt Dr. Ulrich Franken behandelt. Der war große Klasse. Er hat mir genau alles erklärt, jeden Behandlungsschritt erläutert. Auch, dass es nach drei und neun Tagen schlimmer werden kann. Der Sauerstoffgehalt im Blut war nicht hoch, ich bekam Sauerstoff, ich stand kurz davor, beatmet zu werden. Das waren schlimme Tage.

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Wie lange waren Sie im Marienkrankenhaus?

Ich lag drei Tage auf der Intensivstation, anschließend wurde es etwas besser und ich wurde auf die Isolierstation verlegt. Dort lag ich dann drei Wochen.

Todesangst, man fühlt sich schlecht, und dann auch noch isoliert und Besuchsverbot. Was macht man da?

Es war ja nicht zu ändern. Klar war es nicht einfach. Ich bin 75 Jahre alt. Man weiß, dass man auch einmal etwas Geduld haben muss. Nachdem es mir etwas besser ging, sollte ich mich in meinem kleinen Zimmer bewegen. Neun Schritte hin, neun her. Außerdem habe ich viel gelesen, den Fernseher eingeschaltet und Kreuzworträtsel gelöst. Vor Ostern hätte ich dann entlassen werden können. Dazu müssen innerhalb von 24 Stunden zwei Abstriche Corona-negativ sein. Das hat nicht geklappt. Also durfte ich erst Dienstag nach Ostern nach Hause.

Und die Familie?
Meine Kinder und Enkelkinder mussten zunächst eine Woche in die Quarantäne, die Firma – Holz Spaeing - wurde ebenfalls eine Woche geschlossen. Anschließend haben mich die Kinder versorgt, viel braucht man ja nicht. Kontakt hatten wir telefonisch. Die Sachen wurden unten am Klinikeingang abgegeben und hochgebracht. Schön war, dass meine Enkelkinder manchmal auf die Wiese kamen, die hinter dem Krankenhaus liegt. Dann konnten wir uns durch das Fenster unterhalten.

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Unter dem Strich sind Sie also glimpflich davon gekommen?

Ja, absolut. Das war schon ein Schock. Weil ich ja auch nicht weiß, wo ich mich angesteckt haben könnte. Im Krankenhaus hat man sich toll um mich gekümmert. Die Versorgung und Behandlung war erste Klasse. Das Essen, die Pflegekräfte, die Ärzte und allen voran Dr. Ulrich Franken – ich bin ihnen allen sehr dankbar und total zufrieden, wie das gelaufen ist.

Dann kann es ja jetzt wieder weiter aufwärts gehen, oder?

Vor der Erkrankung war ich täglich ungefähr zwei Stunden im Betrieb, um meinem Sohn etwas zu helfen. Jetzt gehe ich schon wieder eineinhalb Stunden. Es wird.

(Das Interview erschien im Newsletter des Marienkrankenhauses)

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