3000 Schwerter in Kurzarbeit: Wie Betriebe die Corona-Krise meistern

hzCorona in Schwerte

Kurzarbeit soll Entlassungen verhindern. Haben die Betriebe keine Aufträge, zahlt die Arbeitsagentur den Mitarbeitern einen guten Teil des Lohns. In Corona-Zeiten explodierten die Zahlen.

Schwerte

, 04.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von 0 auf 309 Betriebe mit 3203 Mitarbeitern binnen Jahresfrist: Die Kurzarbeit-Anzeigen aus Schwerte explodierten zur Hochzeit der Corona-Krise im April bei der zuständigen Arbeitsagentur in Hamm. Der verordnete Lockdown traf vor allem Handel und Gastronomie hart. „Von März bis Mai lag die Kurzarbeit bei uns beinahe bei 100 Prozent“, erklärt beispielsweise Tobias Bäcker, geschäftsführender Stiftungsvorstand der Rohrmeisterei. Diese deutsche Arbeitsmarkt-Regelung sei gut, weil sie flexibel sei und zur Überbrückung diene.

Der Rohrmeisterei fehlen immer noch die großen Veranstaltungen

Inzwischen sind laut Tobias Bäcker in der Rohrmeisterei alle Abteilungen und Mitarbeiter wieder beschäftigt, aber nicht in vollem Ausmaß wie zuvor. Zwar ist das Restaurant längst wieder geöffnet, aber die großen Veranstaltungen kultureller und gastronomischer Art fallen weiterhin aus. Die Küche ist nicht voll ausgelastet, weil große Aufträge wie etwa Hochzeitsbüfetts fehlen. Deshalb hat Tobias Bäcker immer noch Kurzarbeit angemeldet. „Ein Lob für das Instrument und ein Lob für die Bundesregierung, weil sie es verlängert hat und so offensiv einsetzt“, sagt er.

Tobias Bäcker, geschäftsführender Stiftungsvorstand der Rohrmeisterei, lobt das Instrument der Kurzarbeit.

Tobias Bäcker, geschäftsführender Stiftungsvorstand der Rohrmeisterei, lobt das Instrument der Kurzarbeit. © Maren Carle (A)


Mit der Rohrmeisterei meldeten für August noch 12 Schwerter Betriebe der Arbeitsagentur, dass sie vermuten, maximal 396 Beschäftigte in Kurzarbeit schicken zu müssen. Die genannten Zahlen sind die Negativ-Prognosen der Firmenchefs. Wie viele Betroffene schließlich tatsächlich seit April nicht so viele bezahlte Arbeitsstunden leisten durften, wie in ihren Verträgen steht - dafür liegen der Arbeitsagentur bislang keine Zahlen vor. „Das Abrechnungsverfahren zieht sich über Monate zurück“, erklärt Behördensprecher Ulrich Brauer. Meistens dauere es ein halbes Jahr, bis valide Daten auf dem Tisch sind.

Spätere Nachmeldungen sind nicht mehr möglich

„In der Regel zeigt man einen deutlich größeren Rahmen an, als später in Anspruch genommen wird“, weiß Ulrich Brauer von den Firmen. Denn: „Andersherum geht es nicht.“ Ist für zu wenige Mitarbeiter vorsorglich Kurzarbeit angemeldet worden, kann die Zahl also später nicht mehr aufgestockt werden. Die Anzeige muss spätestens bis zum Ende des Monats erfolgen, für den sie gilt.

Im März gab es in Schwerte 1049 Kurzarbeiter

Die aktuellsten Fälle aus Schwerte, die bestätigt und abgerechnet sind, stammen aus dem März, als die Corona-Krise gerade begann: 1049 Kurzarbeiter in 183 Betrieben erhielten als Ersatz für ihren Lohn Kurzarbeitergeld von der Arbeitsagentur. Vorsorglich angemeldet hatten die Betriebe für diese Unterstützung 1473 Mitarbeiter. „Die Realisierungsquote von über 71 Prozent ist im März für Schwerte sehr hoch“, rechnet Ulrich Brauer vor. Er vermutet, dass sie für die kommenden Monate auf diesem Niveau bleibe. Die absoluten Zahlen der Betroffenen dagegen sinken, weil die Neuanzeigen der Betriebe schon im Mai wieder zurückgingen und allmählich wieder Normalmaß erreichen.

Höhe ist gestaffelt von 60 bis 87 Prozent vom Nettogehalt

Das Kurzarbeitergeld wird von der Arbeitsagentur bis zu zwölf Monate lang geleistet, berichtet Ulrich Brauer. Es wird nur für die Ausfallstunden bezahlt. Wer beispielsweise eigentlich einen 40-Wochenstunden-Job hat, aber nur 30 Stunden im Betrieb sein kann, erhält den Ersatz also für die fehlenden 10 Stunden.

Dessen Höhe ist gestaffelt: Anfangs sind es 60 Prozent vom Nettogehalt für Betroffene ohne Kinder, mit Kindern 67 Prozent. Ab dem vierten Monat steigt der Betrag auf 70 (77) Prozent, ab dem siebten Monat auf 80 (87) Prozent. „Manche Arbeitgeber gleichen es aus bis auf 100 Prozent“, sagt Ulrich Brauer.

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