An unserer Umfrage zur Digitalisierung an Schwerter Schulen haben sich viele Leser beteiligt. Wir stellen Ergebnisse daraus vor. © picture alliance/dpa
Schulumfrage

Umfrage zur Digitalisierung: „mittelmäßige“ Noten für Schwerter Schulen

Rund 200 Leser haben sich an unserer Schulumfrage beteiligt. Besonders stark vertreten waren Gymnasialeltern. Die wünschen sich vor allem bessere Konzepte vonseiten der Politik.

Die Ergebnisse unserer großen Schulumfrage sind da. Im gesamten Verbreitungsgebiet haben Schüler und Eltern sowie Lehrer unsere Fragen beantwortet: Insgesamt sind 2.240 Antworten bei uns eingegangen. In Schwerte haben sich mit 193 Teilnehmern verhältnismäßig viele Menschen an der Umfrage beteiligt.

Obwohl unsere Ergebnisse nicht repräsentativ sind, geben sie ein realitätsnahes Stimmungsbild wider. In Schwerte sind mit mehr als 78 Prozent (151 Personen) die Gymnasien besonders stark bei den Umfrageergebnissen vertreten. Knapp 12 Prozent haben sich zur Digitalisierung an den Gesamtschulen geäußert. 9,3 Prozent der Leser (18 Personen) beantworteten die Fragen im Hinblick auf Grundschulen.

Der Fokus unserer Auswertung liegt auf den Gymnasien – hier haben sich besonders viele der Befragten beteiligt. Manche von ihnen haben die Digitalisierung ihrer Schule als positiv bewertet, es gibt aber auch negative Noten. In den Kommentaren, über die wir getrennt berichten, tauchen ebenfalls viele kritische Stimmen auf.


Vor allem Mütter und Väter haben sich mit 64 Prozent an der Umfrage beteiligt. 28 Prozent der Befragten waren Schüler, 7 Prozent waren Lehrer. Ein Großteil der Schüler besucht die 11. (24 Prozent) und 12. Klassenstufe (46 Prozent). Bei den Eltern haben vor allem diejenigen mitgemacht, deren Kinder die Klassen fünf bis neun besuchen. Der höchste Anteil betrifft die Jahrgänge 6 (20 Prozent) und 8 (18 Prozent).

Ihre eigene Leistung schätzen die Schüler offenbar besser ein als die ihrer Pädagogen: Die Schwerter Gymnasiasten bewerten ihre eigenen digitalen Leistungen während der Corona-Pandemie (auf einer Skala von 1 bis 10) mit einer 8.

Geht es allerdings um die Bewertung des Digitalunterrichts ihrer Lehrer, vergeben die Schüler „nur“ eine 6.

Lehrer schaffen nach wie vor viel in der Freizeit

Insgesamt haben sich 14 Lehrer an unserer Umfrage beteiligt, davon 1 Grundschullehrer, vier Gymnasiallehrer und 9 Gesamtschullehrer. Von den Gymnasiallehrern, die sich beteiligt haben, fühlten sich zwei für den digitalen Unterricht gut ausgebildet, die anderen beiden sagten: „Ich habe mir alles selbst erarbeitet“. Alle bestätigen aber, dass die Schulen Fortbildungen für sie angeboten haben.

Bei der Frage, ob es einen IT-Verantwortlichen gäbe, antworteten die befragten Lehrer: Ja. Doch die Arbeit werde nebenbei erledigt. Die Antworten zu der Frage, wer sich um die Wartung kümmere, verteilen sich zu gleichen Teilen auf folgende Möglichkeiten: Lehrer während der Schulzeit, Lehrer während der Freizeit und Hausmeister.

13 Prozent müssen digitale Endgeräte zu Hause lassen

Haben die Schüler ein digitales Endgerät von ihrer Schule erhalten? Hier geben Schüler und Eltern ähnliche Ergebnisse an: 22 Prozent der Schüler (21 Prozent der Eltern) sagen Ja. 61 Prozent der Schüler (69 Prozent der Eltern) haben Nein angegeben. 17 Prozent der Schüler (10 Prozent der Eltern) sagen: Ich / mein Kind nicht, aber andere.

87 Prozent der befragten Schüler dürfen ihr Endgerät mit nach Hause nehmen, 13 Prozent geben an, es nicht mitnehmen zu dürfen. Das ist eine seltsame Regelung, schließlich werden die Geräte ja für den Distanzunterricht benötigt.

Früher Mails, heute Videokonferenzen

Ähnlich wie die Schüler bewerten Eltern den digitalen Unterricht der Lehrer mit einer 6 (bei einem Ranking von 1 bis 10, wobei 10 für hervorragend steht). Bei der technischen Ausstattung der Schule vergeben die befragten Eltern ebenfalls eine 6. Hier bekommen die Schulen also eher eine mittelmäßige Bewertung.

Bei der Frage nach dem W-Lan an der Schule scheiden sich die Geister: Manche wissen es nicht (32 Prozent), viele geben es als „mittelmäßig schnell“ an (36 Prozent).

Wurden vor der Pandemie überwiegend Mails als digitale Hilfsmittel eingesetzt (83 Prozent), sind es nach Angaben der Befragten heute neben Mails (96 Prozent) auch Videokonferenz-Tools (94 Prozent), digitale Arbeitsblätter (58 Prozent) und Lernplattformen (48 Prozent). Zur Erläuterung: Bei solchen und ähnlichen Fragen waren Mehrfachantworten möglich.

Alle sind sich einige: Von der Politik muss mehr kommen

Tut die Schule genug, um einen digitalen Unterricht zu ermöglichen? Das gaben 36 Prozent der Eltern mit „Ja“ an, 30 Prozent sagten: Eher ja. Für „Eher nein“ stimmten immerhin noch 17 Prozent. 9 Prozent sagten: Nein.

Ganz anders bei der Frage, ob die Politik genug tut: Hier waren Eltern eindeutig der Meinung, dass zu wenig getan würde. Bei den Antworten „Ja“ (2 Prozent) und „Eher ja“ (12 Prozent) war der Anteil sehr niedrig im Vergleich zu „Nein“ (41 Prozent) und „Eher nein“ (32 Prozent).

Der Wunsch: Neue Konzepte und Fortbildungen

Bei der Frage danach, was sich Eltern, Schüler und Lehrer von der Politik am meisten wünschen, sprachen sich die meisten für „neue Konzepte für den digitalen Unterricht“ aus (72 Prozent), gefolgt von „verpflichtenden Fortbildungen für Lehrer“ (67 Prozent), „digitalen Schwerpunkten in der Lehrerausbildung“ (63 Prozent) und „einer besseren Ausstattung der Schulen“ (56 Prozent).

Ob digitaler Unterricht ein vollwertiger Ersatz für Präsenzunterricht sein kann? Hier schoben die meisten Befragten den Regler auf knapp unter 5. Auch bei der Frage, wie gut digitale Kompetenzen vermittelt würden, kam der Regler nicht über eine 5 hinaus.

Auch ohne Corona-Pandemie glauben viele der Befragten, dass digitaler Unterricht zur Schule dazugehört. Hier antworteten 65 Prozent, dass sie ihn für sehr wichtig hielten. „Wichtig“ gaben immerhin noch 28 der Umfrageteilnehmer an.

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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