Umzug der Stadtparkszene ins Salzlager ist doch keine Lösung

Stadtpark Schwerte

Eigentlich hatten sich Sozialarbeiter und Politiker schon auf ein Ausweichquartier für die Stadtparkszene hinter dem Bahnhof geeinigt. Bis zu einer Besichtigung des Gebäudes. Jetzt soll Plan B für Abhilfe schaffen.

Schwerte

, 14.09.2018, 16:39 Uhr / Lesedauer: 3 min
Alkohol, Müll, aber auch Lärm und Urinieren in der Öffentlichkeit – mit diesen Beschwerden über die Stadtparkszene werden Ordnungsamt und Sozialabeiter öfter konfrontiert. Doch ein Umzug der Szene in ein Salzlager der Stadt hinter dem Bahnhof, ist aus Kostengründen nicht möglich.

Alkohol, Müll, aber auch Lärm und Urinieren in der Öffentlichkeit – mit diesen Beschwerden über die Stadtparkszene werden Ordnungsamt und Sozialabeiter öfter konfrontiert. Doch ein Umzug der Szene in ein Salzlager der Stadt hinter dem Bahnhof, ist aus Kostengründen nicht möglich. © Bernd Paulitschke

Zumindest ein Teil der Mitglieder des Sozialausschusses des Rates, der in Schwerte Demografieausschuss heißt, hatten sich vor Beginn ihrer Sitzung am Donnerstagabend die Lagerhalle an der Margot-Röttger-Rath-Straße einmal von innen angesehen. Und das änderte die Voraussetzungen grundsätzlich.

Die Lagerhalle, die einst die erste Filiale der Fruchtbörse in Schwerte war, ist für eine neue Nutzung durch die Stadtparkklientel nicht zu retten.

Die Lagerhalle, die einst die erste Filiale der Fruchtbörse in Schwerte war, ist für eine neue Nutzung durch die Stadtparkklientel nicht zu retten. © Bernd Paulitschke

„Das lohnt nicht, darein auch nur einen Cent zu stecken“, stellte CDU Ratsherr Egon Schrezenmeier resigniert fest. Das Gebäude, das ohnehin seit dem Auszug der Fruchtbörse vor Jahren nicht mehr gepflegt oder gar saniert wurde, sei durch die Lagerung des städtischen Streusalzvorrates endgültig marode. Die Dächer ungedämmt und nicht mehr dicht, energetisch eine Katastrophe und vor allem zwar mit Leerrohren ausgestattet, aber eben nicht angeschlossen. „Um das Gebäude an die Versorgungsleitungen anzuschließen, müsste man bis zur Beckestraße graben“, erklärte der Grünen-Ratsherr Reinhard Streibel.

Lösung aus dem politischen Antrag wieder gestrichen

Mit dieser Einsicht konnte man auch die erste Alternative aus dem gemeinsamen Antrag zur Lösung des Stadtparkproblems aus dem gemeinsamen Antrag von CDU und Grünen streichen. Dabei galt das Gebäude quasi als schon designierter Ausweichtreffpunkt für die sonst im Stadtpark ansässige Trinker- und Methadonszene. Von den Sozialarbeitern des VSI war es immer wieder als einzige sinnvolle Alternative ins Spiel gebracht worden. Noch bei einem Ortstermin vor eineinhalb Wochen, hatten auch Mitglieder der Szene erklärt, dass sie hierhin umsiedeln würden.

Flüchtlingscontainer werden überprüft

Damals hatte man noch gehofft, dass zumindest der Sozialtrakt des Gebäudes sanierungsfähig sei. Doch auch das ist nach dem Ortstermin vom Tisch.

Jetzt setzt die Kommunalpolitik auf einen neuen Treff in ehemaligen Flüchtlingscontainern. Doch auch für die müssen geeignete Standorte gefunden werden. Doch da hat Ratsherr Schrezenmaier zumindest bereits eine Idee. Die Looksche Wiese auf der anderen Seite der Bahnhofsstraße gehört der Stadt. Eigentlich wollte hier ein Investor ein neues Gebäude für das Jobcenter bauen. Doch die Gespräche scheinen ins Stocken geraten zu sein. Hier könne man abseits, aber doch nah an der Innenstadt einen Treffpunkt schaffen. Zuspruch erhielt Schrezenmaier von WfS-Vertreter Jonas Becker. Das Areal hatte die Stadt im Zuge der Umbaupläne für das Bahnhofsareal gekauft. Bislang hatte man zwar immer wieder Ideen, vom Parkhaus bis zum Gebäude fürs Jobcenter, die zerschlugen sich aber mit schöner Regelmäßigkeit wieder.

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Doch die Containerlösung birgt auch andere Probleme: Die Stadt hatte die Wohn-Container, die in Ergste und am Gänsewinkel mittlerweile leer stehen, nur gemietet. „Wir prüfen derzeit, ob ein Umbau zu einem anderen Standort rechtlich und finanziell möglich ist“, erklärte Sozialdezernent Hans-Georg Winkler.

Neuer Treffpunkt ist schwer zu finden

Grundsätzlich sei es extrem schwer, einen anderen Treffpunkt im Bereich der weiteren Innenstadt zu finden, erklärte Jutta Pentling, die sich beim Verein für soziale Integrationshilfen (VSI) um das Thema kümmert. Die ehemalige Leiterin der städtischen Bürgerdienste hatte sich auch schon in ihrer Zeit bei der Stadtverwaltung dieses Themas angenommen. Alle Leerstände, die man in der Innenstadt habe, seien aufgrund ihres Standortes oder der Immobilie an sich, nicht geeignet. Denn ein normales Wohnhaus mit einem leer stehenden Ladenlokal könne ja kaum zum Szenetreffpunkt umgebaut werden. Sie appellierte an alle Immobilienbesitzer, sich bei der Stadt zum melden, wenn sie ein geeignetes Objekt hätten.

Der Treffpunkt im Rathauskeller würde nur im Winter angenommen, berichtete Sozialarbeiterin Nathalie Stein. Dann seien bis zu 35 Menschen dort betreut worden. Aber es sei auch so, dass jeder Standort nur mit Betreuung funktioniere.

Auch wenn das Thema Stadtparkszene in diesem warmen Sommer wieder besonders strittig diskutiert wird, sind sich Fachleute und Politiker einig: Der Treffpunkt im Park besteht schon seit Jahrzehnten, auch wenn sich die Klientel verändert. Neben der Trinkerszene, nutzen Patienten des immer größer werdenden Methadonprogramms eines Schwerter Hausarztes den Park, außerdem wird er vor allem in den Nachtstunden auch von Jugendlichen besucht.

Namensschilder für Sozialarbeiter

Zumindest einen Teil des Konfliktpotenzials wollen die Ratspolitiker jetzt angehen. Im gemeinsamen Antrag von Grünen und SPD, dem zugestimmt wurde, werden die beiden Sozialarbeiter, die im Park tätig sind, angehalten, Namensschilder zu tragen, damit sie für Nachbarn als Ansprechpartner sichtbar sind. Außerdem soll das Ordnungsamt prüfen, wie teuer es würde, eine Telefonbereitschaft während der Nachtstunden und am Wochenende einzurichten und geeignete Maßnahmen einzuleiten, dass Wildpinkeln im Park einzuschränken.

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Das ungebührliche Verhalten, wie es die Sozialarbeiter umschrieben, bleibe ein großes Problem. Und einfache Lösungen sind nicht in Sicht. Auch wenn SPD-Vertreter Heiko Haarmann meinte, man müsst nur den Kiosk und die Dönerbude, die den Alkohol verkaufen, zwingen, Toiletten einzurichten. Solche vermeintlich einfachen Lösungen wurden aber vom Großteil des Ausschusses verworfen.

Neben den jetzt beschlossenen Maßnahmen soll aber auch der Arbeitskreis Stadtpark wieder tagen. Den hatte Bürgermeister Dimitrios Axourgos für den 8. Oktober eingeladen. Neben Vertretern der Politik und der Verwaltung sind hier die zuständigen sozialen Einrichtungen, die Polizei und auch ein Vertreter der Ärzteschaft mit an Bord. Bis dahin will die Stadt auch die Zahlen und Fakten zum Thema Flüchtlingscontainer vorliegen. Denn das Problem drängt.

Kommentar

Natürlich kann man den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit verbieten. Dann aber für alle, auch auf dem Weg ins Stadion oder beim Streetfoodmarkt. Wir unterscheiden natürlich sehr, ob wir in unserer Freizeit feiern, oder die Stadtparkklientel sich ihre übermäßige Freizeit mit Alkoholkonsum vertreibt. Ähnlich sieht es mit dem Wildpinkeln aus. Das ist ärgerlich und verboten, es sei denn am Zaun des Westfalenstadions oder auf dem Weg dorthin. Da stehen dann plötzlich auch jene in einer Reihe, die gerne an anderer Stelle die Härte des Gesetzes fordern, und erleichtern sich, weil es in der Halbzeit auf dem Klo so voll ist. Das entschuldigt nicht die Stadtparkszene oder rechtfertigt gar ihr Handeln. Doch es zeigt auch, dass man trotz besserer Einsicht manchmal anders handelt, vor allem wenn Alkohol im Spiel ist. Denn die wenigsten, die an den Stadionzaun pinkeln, würden das auch am Schulzaun im Stadtpark tun. Aber rein objektiv betrachtet sind die Probleme vergleichbar, was Anwohner von Fußballstadien oder Festplätzen bestätigen können. Was die Klientel im Stadtpark von Fans und Festbesuchern unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie uns das untere Ende unserer Gesellschaft zeigt. In welche Hilflosigkeit es führt, wenn aus Genussmitteln Drogen werden. In diesem Sinne ist das Problem gelöst, wenn die Klientel aus den Augen ist. Aber nur in diesem Sinne.
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