Ein Pfarrer im Wasser. Ein großes Paket in der Bahn. Viele Artisten in Schwerte. Und eine altes Schlecker-Shampoo, das noch so riecht wie früher. Wir haben viel erlebt in dieser Woche.

Schwerte

, 16.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Jeder Tag ist neu. Jeder Tag bringt eine neue Erkenntnis – auch für die Mitarbeiter in unserer Redaktion. An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen unsere persönlichen Erkenntnisse der vergangenen Woche. Subjektiv, so wie die Journalisten es bei ihrer Arbeit nicht tun. Doch Vieles von dem, was wir recherchieren, bewegt uns genauso wie Sie – dienstliches und privates Engagement.

Petra Berkenbusch: Keine Angst vor nassen Füßen

Unterwegs durch Schwerte: Ohne Auto, auf dem Rad, aber mit Shampoo von Schlecker im Haar

© Bernd Paulitschke

Ich war zwei Tage alt, als ich in der Krankenhauskapelle getauft wurde. Meine Mutter war nicht dabei, sie lag noch im Wochenbett – und der Pfarrer hat angesichts der klitzekleinen Taufgesellschaft sicher keine kalten Füße bekommen. Die Zeiten ändern sich, und deshalb hatte Pfarrer Hartmut Görler am Pfingstmontag sogar nasse Füße und einen pitschnassen Talar, nachdem er mit seinem Kollegen Achim Dreessen 19 kleine und größere Menschen im Gestade der Ruhr in Villigst getauft hatte. Eine Massenveranstaltung mit 19 sehr individuellen Momenten, die das Zeug haben, in Familiengeschichten einzugehen.

Isabell Pietron: Es geht auch ohne Auto

Unterwegs durch Schwerte: Ohne Auto, auf dem Rad, aber mit Shampoo von Schlecker im Haar

© picture alliance/dpa

Ich habe kürzlich versucht, ein sperriges Paket in der Bahn zu transportieren. Dabei musste ich feststellen, dass ich die Größe, das Gewicht und auch den Transport an sich unterschätzt habe. Das Paket war so platziert, dass es niemanden beim Ein- oder Aussteigen stören könnte. Obwohl es mehrere Möglichkeiten gab, ein- und auszusteigen , drückten sich die Mitfahrenden immer am sperrigen Paket vorbei. Ich habe gelernt, dass man Vieles im Alltag als selbstverständlich annimmt und erst in bestimmten Situationen zu schätzen weiß. Der Alltag lässt sich auch ohne Auto bewältigen, wenn auch mehr Mühe damit verbunden ist.

Reinhard Schmitz: Eine Flasche Nostalgie

Unterwegs durch Schwerte: Ohne Auto, auf dem Rad, aber mit Shampoo von Schlecker im Haar

© Reinhard Schmitz

Es war so ein Moment, wo man sich auf einen Schlag fünf Jahre jünger fühlt. Oder ist es noch länger her, dass man in den Schlecker-Markt gehen konnte? Er verkaufte Qualität, wie das Haarshampoo bewies, das ich jetzt im Kellerregal entdeckte. Der Inhalt schäumt unter der Dusche immer noch tadellos – und duftet wie früher. Damals, als man sich allein in Schwerte-Mitte gleich bei drei Filialen durch kuschelige Gänge zwängen konnte, wo es manchmal sogar Nutella im Angebot gab. Und überall, wo man im Urlaub hinfuhr, war auch Schlecker schon da. Ein Stück Heimat in der Fremde. Selbst in der kleinsten Stadt Österreichs, Rust am Neusiedlersee.

Björn Althoff: Wenn Artisten Hochzeit feiern

Unterwegs durch Schwerte: Ohne Auto, auf dem Rad, aber mit Shampoo von Schlecker im Haar

© Björn Althoff

Wie sieht es eigentlich aus, wenn Zirkusleute feiern? Und wo treffen sie sich überhaupt? Und wann? Die können doch gar keine Zeit haben, denn sie sind ja immer im Einsatz und unterwegs, auf dem Weg von einer Stadt zur nächsten, für ein paar Tage dort und dann weiter? Kennen sich die unterschiedlichen Artistenfamilien untereinander? Das sind Fragen, die ich mir bis zu dieser Woche nicht gestellt habe. Dann aber kamen sie plötzlich innerhalb von Minuten, denn die Kollegen beauftragten mich aufgeregt: „Fahr mal runter zum KVS oder zur Ruhrmeisterei. Da ist wohl eine Schausteller-Hochzeit.“ In einem Punkt lagen die Kollegen und unser Tipp-Geber falsch: Es waren keine Schausteller, sondern Artisten. Und seitdem ich das weiß, kenne ich auch die Antworten auf die anderen Fragen: Es ist ein dreitägiges rauschendes, spektakuläres und schickes Fest. Man heiratet irgendwo – in Hamm, Gießen oder halt in Schwerte – und alle reisen an. Und das geht natürlich nur unter der Woche, denn am Wochenende geht die Tournee weiter.

Heiko Mühlbauer: Nicht global, aber lokal erfolgreich

Unterwegs durch Schwerte: Ohne Auto, auf dem Rad, aber mit Shampoo von Schlecker im Haar

© Reinhard Schmitz

Drei Wochen bin ich nun ausschließlich Fahrrad gefahren. Hat es Spaß gemacht? Weitgehend ja. Hat es was fürs Klima gebracht? Na ja, da muss man schon ernüchtert feststellen: Kleinvieh macht auch Mist. Mit Fleischverzicht oder dem Verzicht auf Flugreisen würde man der Erde einen deutlich größeren Gefallen tun. Aber wenn man ein wenig lokaler denkt, dann macht das Radfahren durchaus Sinn. Wenn jeder, der nicht gerade zu krank oder zu alt ist, jene Strecken mit dem Fahrrad zurücklegt, bei denen das bequem geht, dann wären einige Stau- und Verkehrsprobleme gelöst und bei manchem vielleicht sogar einige gesundheitliche.

Maximilian Stascheit: Traubenzucker? Nicht auf Rezept!

Unterwegs durch Schwerte: Ohne Auto, auf dem Rad, aber mit Shampoo von Schlecker im Haar

© picture alliance/dpa

Ich weiß noch genau, wie ich mich als Kind immer gefreut habe, wenn ich mit meiner Mutter in die Apotheke gehen durfte. Während es an der Fleischtheke im Supermarkt für die kleinen Begleiter eine Scheibe Wurst auf die Hand gab, bekam man in der Apotheker die leckeren, fruchtigen Traubenzucker in den bunten Plastiktütchen. Wenn es richtig gut lief, sogar noch die Kinderzeitschrift mit den großen Tierpostern, die oft lange bei mir im Zimmer hingen. Künftig wird Kindern das aber wohl verwehrt bleiben, denn nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs sind die kleinen Geschenke beim Einlösen von Rezepten künftig verboten.

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