Der Mann, der über den Hengsteysee ging, starb mit 94 Jahren

hzGeisecker Urgestein

Er war ein Geisecker Urgestein, wusste alles über seinen Ortsteil. Doch er konnte auch von einer Tour über den vereisten Hengsteysee erzählen. Jetzt ist Werner Stoffel 94-jährig gestorben.

Geisecke

, 29.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er plantschte in dem gerade ausgebuddelten Stausee am Wasserwerk. Erlebte, wie sein Arbeitsplatz im riesigen Rangierbahnhof zur Kraterlandschaft zerbombt wurde. War einer der Männer, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Bürgerschützenverein Lichtendorf-Geisecke wieder neu gründeten.

Wusste, wie die Nutria aus einem Zuchtbetrieb in die Ruhr kamen: Kaum einer konnte so viel über Geisecke berichten wie Werner Stoffel, der fast sein ganzes Leben in dem Ortsteil verbracht hat. Im Alter von 94 Jahren ist er am 22. September gestorben.

Wasserwerks-Baustelle war ein Abenteuerspielplatz

Werner Stoffel war ein echtes Geisecker Urgestein. Am 11. April 1926 im Haus Unnaer Straße 60 geboren, wuchs er in der Karlstraße in der Nähe des Wasserwerks-Geländes auf. Als dort 1937/38 der Stausee und ein Rieselbecken angelegt wurden, hatten die Nachbarskinder ihren Abenteuerspielplatz.

Sobald die Arbeiter weg waren, veranstalteten die Kinder Rennen mit der Lorenbahn. Als sich der See langsam mit Wasser füllte, lockte er zum Baden und Paddelboot-Fahren - bis die Dortmunder Stadtwerke all dem Vergnügen mit einem Zaun einen Riegel vorschoben.

Im Eiswinter 1956 ging Werner Stoffel von seiner Dienststelle im Rangierbahnhof Hagen-Hengstey, wo er sich mit einer Kollegin fotografieren ließ, über den zugefrorenen Hengsteysee (im Hintergrund).

Im Eiswinter 1956 ging Werner Stoffel von seiner Dienststelle im Rangierbahnhof Hagen-Hengstey, wo er sich mit einer Kollegin fotografieren ließ, über den zugefrorenen Hengsteysee (im Hintergrund). © Reinhard Schmitz (Repro)

Als Sohn eines Eisenbahners war klar, welchen Berufsweg Werner Stoffel einschlagen würde. Als Junghelfer verdingte er sich auf dem Rangierbahnhof Geisecke, damals einer der größten in Deutschland.

Weil der von den anglo-amerikanischen Bomberverbänden im Zweiten Weltkrieg total zerstört worden war, ging es nach der Rückkehr vom Einsatz bei der Kriegsmarine zum Güterbahnhof in Hagen-Hengstey.

Dort erlebte der Geisecker ein ganz seltenes Naturschauspiel. Der Rekordwinter 1956, der im Februar nahezu sibirische Temperaturen von minus 28,6 Grad brachte, ließ den nahen Hengsteysee zufrieren. In einer Mittagspause wagte es Werner Stoffel mit vier Kollegen, über das Eis zum anderen Ufer und zurück zu gehen.

60 Jahre lang Vertrauensmann der Versicherung DEVK

Bei der Wiedergründung des Geisecker Schützenvereins im August 1952 wurde der jetzt Gestorbene einstimmig zum Geschäftsführer gewählt - ein Amt, das er 36 Jahre lang ununterbrochen ausübte.

Noch bekannter war er aber als nebenberuflicher Vertrauensmann der DEVK-Versicherung. Sein Wohnhaus an der Straße Zum Kellerbach, das er selbst gebaut hatte, wurde zum Treffpunkt seiner Kunden, die sich in Sachen Lebens-, Hausrat- und Haftpflichtversicherungen beraten lassen oder ein ein Mopedschild holen wollten - zuerst für Reichsmark, dann für D-Mark, zuletzt für Euros.

Nach 60-jähriger Tätigkeit gab er diese Aufgabe erst 2008 an eine Nachfolgerin weiter. Dieses Jubiläum sei wohl nie mehr zu toppen, hatte sein Versicherungsdirektor damals gelobt: „Das gibt´s sonst in Deutschland nicht mehr.“

Beerdigung auf dem Friedhof Geisecke

  • Die Trauerfeier für Werner Stoffel beginnt am Mittwoch, 7. Oktober, um 12 Uhr in der Trauerhalle des evangelischen Friedhofs Geisecke, Buschkampweg.
  • Anschließend erfolgt die Beisetzung der Urne.
  • Die Sitzplätze in der Trauerhalle sind wegen der Corona-Situation den Familienangehörigen des Gestorbenen vorbehalten.
  • Andere Trauergäste können draußen - unter Einhaltung der Corona-Regeln - an der Trauerfeier teilnehmen.
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