Sex-Täter (46) aus Schwerter Seniorenheim kann Gefängnisstrafe gegen Therapie tauschen

hzÜbergriffe im Seniorenheim

Der 46-Jährige, der mehrere Seniorinnen in einem Pflegeheim in Schwerte sexuell belästigt hatte, wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Ob er aber wirklich ins Gefängnis muss, ist noch offen.

Hagen/Schwerte

, 03.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der „falsche Pfleger“, der vor zehn Monaten drei hochbetagte Bewohnerinnen des Pflegeheims an der Beckestraße in ihren Zimmern sexuell bedrängt hat, ist am Montag am Hagener Landgericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Die Richter verhängten wegen versuchter Nötigung und sexuellen Übergriffs auf kranke Personen insgesamt zwei Jahre und drei Monate Haft. Dass der 46-jährige Schwerter die Strafe tatsächlich in einer Gefängniszelle absitzt, erscheint aber mehr als fraglich.

Viel wahrscheinlicher ist, dass der vielfach vorbestrafte und drogenkranke Angeklagte nach dem Modell „Therapie statt Strafe“ eine mehrmonatige Drogen-Entzugstherapie absolviert, die auf den Zeitraum der verhängten Haftstrafe angerechnet werden kann.

„Immer noch Fragezeichen vor den Augen“

Was den Sex-Täter am frühen Morgen des 30. März 2019 dazu motiviert hat, in dem Schwerter Pflegeheim nacheinander die Zimmer dreier Bewohnerinnen zu betreten und die Frauen sexuell zu bedrängen, bleibt auch für die Hagener Richter ein Rätsel.

„Die Kammer hat in diesem Punkt immer noch mehrere Fragezeichen vor den Augen“, sagte Richter Jörg Weber-Schmitz. „Was den Angeklagten dazu getrieben hat, vermochten wir nicht festzustellen.“

Fest steht nur: Das von dem 46-Jährigen über seinen Verteidiger Christian Simonis vorgetragene, angebliche Motiv („Sein Ziel war es, Frauenkörper zu sehen“) hielten die Hagener Richter am Ende für äußerst zweifelhaft.

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Angeklagter: „Ich schäme mich sehr“

Der Schwerter hatte sich kurz vor der Urteilsberatung auch noch einmal selbst zu Wort gemeldet. „Ich schäme mich sehr für meine Taten“, hatte der 46-Jährige erklärt. In den rund sechs Monaten U-Haft, die er bis zum Prozessauftakt am 8. Januar verbüßt hat, habe er viel nachgedacht und überlegt.

Vorrangigstes Ziel sei nun, ein drogenfreies Leben zu beginnen: „Ich will eine Therapie machen“, beteuerte der Angeklagte.

Am 30. März 2019 war der Schwerter in der 3. Etage des Pflegeheims zunächst in das Zimmer einer Bewohnerin gegangen und hatte die alte Dame, die ihn für einen Pfleger gehalten hatte, tatsächlich abgeduscht. Im nächsten Zimmer war der „falsche Pfleger“ auf Widerstand gestoßen.

Eine 88-Jährige hatte seinen Versuch, sie zu entkleiden und zum Waschen ins Badezimmer zu bringen, abgewehrt und sich in ihrem Zimmer eingeschlossen. Kurz danach im Zimmer bei einer 83 Jahre alten schwer demenzkranken Bewohnerin hatte der Schwerter die Zimmertür verriegelt und den Unterkörper der bettlägerigen Frau entblößt.

Durch das umfängliche Geständnis des Angeklagten war den Bewohnerinnen eine Aussage vor Gericht ersprat geblieben.

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