Urteil nach Doppelmord: „Frau hat kein Recht, sich von ihm abzuwenden“

hzDoppelmord von Iserlohn

Ein Mann ersticht am Bahnhof in Iserlohn seine Noch-Ehefrau und deren neuen Freund. Sie müssen sterben, weil er seine Frau als sein Eigentum betrachtet. Jetzt ist er verurteilt worden.

Hagen/ Iserlohn

, 29.04.2020, 16:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er entschloss sich, beide zu töten – aus Wut über den Verlust der aus seiner Sicht ihm gehörenden Frau.“ Mit deutlichen Worten von Richterin Heike Hartmann-Garschagen ist in Hagen am Mittwoch der Prozess um den unfassbaren Doppelmord von Iserlohn zu Ende gegangen. Das Urteil: lebenslange Haft.

Es war der 17. August 2019, als der Angeklagte am Bahnhof von Iserlohn mit einem Messer auf seine Noch-Ehefrau und deren neuen Lebenspartner losgegangen ist.

Foto des Sterbenden als Trophäe

Er stach über hundert Mal zu – vor den Augen einer entsetzten Hochzeitsgesellschaft. Später hatte er sich sogar noch in Siegerpose über den sterbenden 23-Jährigen gestellt und ein Foto gemacht. Das schickte er an einen Bekannten. „Als eine Art Trophäe“, so Hartmann-Garschagen.

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Auslöser der unfassbaren Bluttat war das laut Urteil uneingeschränkte Besitzdenken des Angeklagten. Als der 44-jährige Kosovare gemerkt habe, dass er seine Frau nicht zurückgewinnen könne, habe er seinen „Machtanspruch final ausgelebt“.

Frau habe zu Hause ein „Martyrium“ durchlebt

Die 32-Jährige hatte ihren Mann Ende 2018 verlassen und war von Bergisch-Gladbach nach Iserlohn ins Frauenhaus geflüchtet. Sie habe zu Hause ein „Martyrium“ durchlebt, hieß es im Urteil.

Ihr neuer Aufenthaltsort sollte natürlich geheim bleiben. Doch das blieb er nicht. Anhand von Kontoauszügen war dem Angeklagten aufgefallen, dass seine Frau regelmäßig Geld von einem Bankautomaten am Iserlohner Bahnhof abgehoben hat. Immer wieder war er deshalb dort hingefahren und hatte sie gesucht. Auch am Tattag hatte er stundenlang gewartet.

„Er maßte sich an, über Leben und Tod zu entscheiden“

Die 32-Jährige hatte sich mit ihrem Freund getroffen, beide waren gemeinsam in ein Bahnhofsparkhaus gefahren. Der 23-Jährige war trotz schwerster Verletzungen noch in Richtung Bahnhofsvorplatz geflüchtet, dann aber zusammengebrochen. Danach trafen ihn rund 70 weitere Stiche – einer sogar in die Genitalien.

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„Der Angeklagte war der Auffassung, dass seine Frau kein Recht hatte, sich von ihm abzuwenden“, so Hartmann-Garschagen. „Und wenn sie es doch tat, maßte er sich das Recht an, über Leben und Tod zu entscheiden.“

Entlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen

Der 44-Jährige hatte sich im Prozess nicht zu der Bluttat geäußert, allerdings geäußert, dass ihm der Tod seiner Frau leid tue. Über den 23-Jährigen verlor er kein Wort. Neben der Verurteilung zu lebenslanger Haft haben die Richter auch auf die besondere Schuldschwere erkannt. Eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ist damit praktisch ausgeschlossen.

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