Vergewaltigungs-Vorwurf nicht haltbar: 22-jähriger Schwerter muss trotzdem ins Gefängnis

hzLandgericht Hagen

Im Vergewaltigungsprozess gegen einen Mann aus Schwerte haben die Richter das Urteil verkündet. Trotz eines Teilfreispruchs sorgte das Strafmaß beim Angeklagten für sichtbare Ernüchterung.

Schwerte, Lichtendorf

, 05.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Weil er seine 17-jährige Ex-Freundin bei einer Aussprache in einem Mietauto auf einem Feldweg in Schwerte Lichtendorf massiv misshandelt und lebensbedrohlich gewürgt haben soll, muss ein 22-jähriger Schwerter ins Gefängnis. Das Hagener Landgericht verhängte am Mittwochnachmittag drei Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. Den ursprünglich mitangeklagten Vorwurf einer Vergewaltigung ließen die Richter indes mit dem Urteil fallen. In diesem Punkt wurde der 22-Jährige freigesprochen.

Angeklagter erst hoffnungsfroh, dann ernüchtert

Als die 1. Strafkammer um 14.05 Uhr für die Urteilsverkündung den Saal betrat, wirkte das Mienenspiel des 22-jährigen Angeklagten noch voller Hoffnung auf ein für ihn gutes Urteil. Sekunden später, bei der Kundgabe des Strafmaßes - drei Jahre - froren seine Gesichtszüge dann aber doch ein wenig ein und offenbarten Ernüchterung.

Dem 22-Jährigen war vorgeworfen worden, seine Ex-Freundin am 17. Oktober 2018 an einer abgelegenen Stelle am Overberger Weg in einem Mietwagen vergewaltigt, geschlagen und beinahe erwürgt zu haben. Er war kurz danach festgenommen worden, nachdem die 17-jährige Schülerin zur Polizei gegangen war.

Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin angekratzt

Mit Blick darauf, dass die Schülerin bei ihren Zeugenvernehmungen insbesondere zu dem angeblichen Vergewaltigungsgeschehen wenig Konstanz offenbart hatte und zudem sogar zugeben musste, zweimal gelogen zu haben, war ihre Glaubwürdigkeit auch in den Augen der Richter am Ende deutlich geschmälert. „Wenn man das berücksichtigt, dann kann die Kammer nicht mehr hinreichend sicher feststellen, dass es diese Vergewaltigung gegeben hat“, sagte Richter Jörg Weber-Schmitz in der Urteilsbegründung.

Gleichzeitig rückte der Vorsitzende Richter aber auch die von dem Angeklagten vorgebrachte (verharmlosende) Version eines einvernehmlichen Sex-Treffens in die Richtung einer freien Erfindung und bezeichnete sie als „kaum vorstellbar“.

„Es war ein brutales Geschehen“

Was die Hagener Richter am Ende dennoch sicher feststellen konnten, war, dass die 17-Jährige damals im Auto von dem Angeklagten übel verprügelt und gedemütigt worden ist. „Es war ein brutales Geschehen“, sagte Richter Jörg Weber-Schmitz.

Die 17-Jährige sei bis an den Rand der Bewusstlosigkeit gewürgt worden, so dass ihr am Ende schwarz vor Augen gewesen sei. Diese Situation sei „konkret lebensgefährlich“ gewesen. „Drei Jahre Haft“, so Richter Jörg Weber-Schmitz, seien da „so gerade noch vertretbar“.

Der Angeklagte hatte im Prozess zugegeben, seiner Ex-Freundin Körperverletzungen zugefügt zu haben, eine Vergewaltigung aber bis zuletzt bestritten.

Nebenklage-Anwältin Arabella Pooth (Dortmund) betonte am Rande des Prozesses, dass sie trotz der nachgewiesenen, aber letztlich auch menschlich erklärbaren Lügen ihrer Mandantin keine Zweifel habe, dass es auch eine Vergewaltigung gegeben hat: „Ich glaube ihr zu 100 Prozent.“

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