Viertklässler zurück in der Schule: „Auf dem Spielplatz ist es vorbei“

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Die vierten Klassen haben wieder Unterricht. Der Besuch an einer Schwerter Grundschule zeigt, wie sich der Alltag für die Kinder ändert. Bis zum Mittag. Dann gelten gefährliche Freiheiten.

Schwerte

, 08.05.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man muss Dirk Schnitzler Recht geben, wenn er – halb scherzhaft, halb ernst – mit Blick auf seine Schüler von „militärischen Tendenzen spricht“.

Brav aufgereiht stehen die Viertklässler am Fuß der Treppe zum Schulgebäude. Für jedes Kind gibt es auf dem Boden ein aufgemaltes Kästchen. Exakt anderthalb Meter werden so zum Vorder-, Hinter- und Nebenmann eingehalten. Sie alle tragen einen Mundschutz, manche sogar Handschuhe.

„Viertklässler bekommen das hin, aber die Erstklässler?“

Kurz vor Unterrichtsbeginn geht es dann los. Nacheinander darf jeweils ein Kind aus den drei Reihen – für Klasse a, b und c – durch die verschiedenen Eingänge das Schulgebäude betreten. An der Türschwelle greift der 3-Punkte-Plan erklärt Schulleiter Schnitzler: „Maske ab, in der Tasche verstauen und dann mit dem Ellenbogen den Desinfektionsmittel-Spender drücken. Erst dann dürfen sie nach oben in den Klassenraum. Das haben wir gestern geübt.“

Bei manchen klappt das, bei anderen noch nicht ganz. Ein „Du machst das super“, bekommt trotzdem jeder von ihnen zu hören. Zur Motivation. „Man sieht, dass die Kinder sensibel reagieren und keine Fehler machen wollen. Und das beobachten wir schon bei den großen Viertklässlern.“

Hier werden ab Montag die Erstklässler unterrichtet.

Hier werden ab Montag die Erstklässler unterrichtet. © Aileen Kierstein

Wenn am Montag dann die Erstklässler – kaum älter als fünf oder sechs Jahre – mit Mundschutz vor der Tür stehen, wenn sie sich nicht umarmen oder nicht miteinander spielen dürfen, daran möchte Schnitzler gar nicht denken.

Unterricht in Kleingruppen, Einbahnstraßen und nummerierte Plätze

Also hat er gemeinsam mit den Lehrkräften alle Eltern kontaktiert, damit diese ihre Kinder vorbereiten auf das, was sie in der Schule erwartet. „Das Gebäude, die Klassenzimmer, der Umgang mit anderen Menschen – all das hat sich verändert. Die Kleinen werden irritiert oder überfordert sein. Aber Angst muss niemand haben. Es ist eben anders“, sagt der Schulleiter.

Anders ist zum Beispiel der Unterricht in Kleingruppen. Jede Klasse wurde in zwei Gruppen unterteilt, die sich in zwei getrennten Gebäuden aufhalten. Jedes Kind hat dafür eine Nummer erhalten – für den Aufstellplatz in der Reihe und den Sitzplatz in der Klasse. „Die, die morgens vorne in der Schlange stehen, betreten die Klasse zuerst und rutschen sozusagen nach hinten durch“, erklärt Schnitzler.

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Maskenpflicht gilt in den Räumen nicht, aber in der Pause müssen sie dann wieder getragen werden. Zusätzlich zum Mindestabstand von anderthalb Metern.

Und überhaupt wirkt alles kurios in Schwertes größter Grundschule. Auf den Fluren wurde mit Sportgeräten, Klebe- und Flatterband eine Einbahnstraßenregelung geschaffen. Es gibt versetzte Pausenzeiten und abgetrennte Pausenhöfe. Das Sekretariat wird durch eine dicke Plexiglasscheibe abgetrennt. In den Klassenräumen gilt zwischen den Einzeltischen jetzt der Mindestabstand.

Vorne am Lehrerpult – ebenfalls nur durch die Plexiglas-Trennung möglich – können Schüler sich dem Lehrer auch mal nähern. Beispielsweise für Hilfe bei den Schulaufgaben. „Es ist unglaublich, was hier gerade passiert. Damit hat von uns niemand jemals gerechnet. Deshalb auch ganz großen Respekt an die Kinder, dass die das schaffen“, so Dirk Schnitzler.

Mit Absperrband wurde in den Fluren eine Einbahnstraßenregelung geschaffen. Nacheinander dürfen die Kinder hier hoch und runter laufen.

Mit Absperrband wurde in den Fluren eine Einbahnstraßenregelung geschaffen. Nacheinander dürfen die Kinder hier hoch und runter laufen. © Aileen Kierstein

Planungen für das nächste Schuljahr – Kritik an der Politik

Bis zu den Sommerferien soll das so weitergehen – für jede Jahrgangsstufe gibt es jetzt einen Wochentag. Doch der Schulleiter plant schon weiter und überlegt, wie die Einschulungen im August unter Corona-Bedingungen ablaufen könnten.

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Er findet aber auch deutliche Worte, für die Politik, für die Landesregierung, für viele unverständliche Maßnahmen: „Jetzt, wo die Spielplätze wieder offen sind und bald die Freibäder öffnen dürfen, da fragen wir uns schon, wofür wir das hier alles machen. Wir lassen die Kinder hier in der Reihe stehen und verbieten ihnen größtenteils das Spielen miteinander. Und dann nach der Schule treffen sie sich gemeinsam auf dem Spielplatz. Jetzt ist eh alles vorbei.“

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