Viele Einflüsse von außen bremsten die Entwicklung des Unternehmens, das 2017 estmals wieder schwarze Zahlen geschrieben hatte. Jetzt werden Kosten gespart - auch bei den Arbeitnehmern.

Schwerte

, 26.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rückläufige Nachfrage, der nahende Brexit, der Hype um Elektro-Mobilität und der Handelsstreit zwischen den USA und China sind nur einige der Faktoren, die die Deutsche Nickel in der Unternehmensentwicklung bremsen. „Wir hatten 2018 die Motivation, die gute Entwicklung fortzusetzen“, sagt Geschäftsführer Christoph Arntz. Er war gemeinsam mit Wolfgang Raulf 2014/2015 angetreten, um den Traditionsbetrieb am Rosenweg aus seiner langjährigen Lethargie herauszuführen. Investitionsstaus, weggebrochene Märkte und fehlende Konzepte für die Entwicklung neuer Geschäfte waren offensichtlich. Aber trotz roter Zahlen glaubten Arntz und Raulf an das Potenzial des flexiblen Nischenanbieters, dessen Markenname „Nickel made in Germany“ einen weltweiten Ruf hat. Er ist bekannt für die Herstellung von Stangen und Drähten aus Nickellegierungen.

Rohstoffmarkt für Nickel durch Nachfrage für Batterien überhitzt

Das Ziel, die Werksanlagen durch eine Restrukturierung wieder voll auszulasten, zeigte für die Geschäftsführung bereits 2017 deutliche Erfolge. Nach dem Umbau der Führungsmannschaft und anderen Maßnahmen wurde die Zahl der neuen Aufträge wieder größer als die der abgearbeiteten - und am Ende des Jahres habe man erstmals wieder eine „schwarze Null“ geschrieben. Eigentlich sollte dieser Aufschwung im Vorjahr weiter vorangetrieben werden, als Arntz zusammen mit Raulf die Mehrheitsanteile am Unternehmen kaufte.

Doch dann kam es Schlag auf Schlag. Durch den Hype um Fahrzeug-Batterien, die einen hohen Nickel-Anteil enthalten, wurde der Rohstoffmarkt überhitzt. Die sogenannte Nickelprämie, die neben dem tagesaktuellen Börsenkurs an den Zwischenhändler für Lagerung und Transport gezahlt werden muss, explodierte. Die Stromkosten für die energieintensive Produktion stiegen. Ebenso die Personalausgaben durch einen Tarifabschluss, der 4,3 Prozent mehr Lohn plus Zusatzleistungen gewährte.

„Das sind Kosten, die wir nicht beeinflussen können“, verdeutlicht Arntz. Eigene Entscheidung waren dagegen Investitionen und die Einstellung von 30 Mitarbeitern. Weil der Arbeitsmarkt leergefegt war, mussten dafür an die 70 Bewerber getestet werden: „Viele sind nach kurzer Zeit schon wieder gegangen, die Einstellung zur Arbeit hat nicht gepasst.“ Für den Produktionsprozess bedeutete das stetig neue Anlernen eine große Zusatzbelastung.

Warum der Hype um E-Autos und der Brexit der Deutschen Nickel die Zahlen verhagelten

Beim Traditionsunternehmen Deutsche Nickel am Rosenweg sind aktuell wieder 250 Mitarbeiter beschäftigt. © Reinhard Schmitz

Ingesamt sei es zu einem „Rückgang im Unternehmensergebnis gekommen“, sagt der Geschäftsführer. Zusätzlich trübten sich 2019 die Konjunkturaussichten ein. Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union tat ein Übriges. Nicht nur, weil die Deutsche Nickel viele Kunden in England bedient. Sondern vor allem auch, weil ihre Dachgesellschaft DN Holding Ltd. in London registriert ist. Deswegen musste man sich für das Szenario eines harten Brexits wappnen: „Es wäre fahrlässig, nicht vorbereitet zu sein.“

Als Reaktion auf alles nahm die Geschäftsführung in diesem Jahr sämtliche Ausgaben unter die Lupe. „Wir haben uns ein Kostensparprogramm auferlegt“, sagt Arntz. Teure Materialvorräte und Verpackungsaufwand wurden reduziert. Beispielsweise können Holzkisten für den Drahtring-Transport nach Übersee in einem dünneren und leichteren Material gefertigt werden. Aufträge wie sogenannte Kerbschlag-Biegeproben, die an Dienstleister vergeben wurden, können mit eigenen Maschinen und Mitarbeitern erledigt werden. Auch bauliche Verbesserungen werden Einsparungen bringen. Bis die umgesetzt sind, wird es aber noch dauern.

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Betriebsbedingte Kündigungen in diesem Jahr ausgeschlossen

„Wir brauchen auch kurzfristige Einsparungen“, verdeutlicht Arntz. Und die musste ein Beitrag der Arbeitnehmer bringen. Mit der Industriegewerkschaft (IG) Metall wurde ein Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag ausgehandelt, der bis zum Ende des Jahres gilt. „Dann hoffen wir, dass wir dann aus dem Tal der Tränen raus sind“, sagt der zuständige IG-Metall-Geschäftsführer Jens Mütze (Hagen). Seinen Angaben zufolge verzichten die Mitarbeiter unter anderem auf ihr Weihnachtsgeld. Die Hälfte davon werde aber nachgezahlt, wenn das Geschäftsjahr 2019 mit einer schwarzen Null abschließe. Außerdem sei ein „Besserungsschein“ vereinbart, über den ein weiterer Teil der Einbußen später ausgeglichen werden könne. Die Tarifkommission habe dem Verhandlungsergebnis, das in dieser Woche bei einer Betriebsversammlung vorgestellt wurde, mit großer Mehrheit zugestimmt.

Beide Tarifparteien betonen, dass oberstes Ziel das Vermeiden von betriebsbedingten Kündigungen gewesen sei, die nun für dieses Jahr ausgeschlossen sind. „Das hat den Vorteil, dass gute junge neue Mitarbeiter im Unternehmen bleiben können“, erklärt Geschäftsführer Arntz. Denn die hätten wegen der kürzesten Betriebszugehörigkeit sonst die schlechtesten Karten gehabt.

Jetzt können die Geschäftsführer weiter ihre Projekte vorantreiben, die Deutsche Nickel zukunftsfähig aufzustellen. „Aus der prekären Lage 2015 haben wir uns herausgearbeitet, aber wir sind noch nicht am Ziel“, sagt Arntz. Von damals 180 Mitarbeitern sei die Belegschaft auf 250 aufgestockt worden. Derzeit sei die Vertriebsplanung für 2020 auf dem Tisch. Während die Stangenfertigung gut beschäftigt sei, spüre man im Drahtbereich den Rückgang seitens der Automobilindustrie: „Aber zum Glück ist die bei uns nicht so dominant.“

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