Warum der Klimanotstand in Schwerte eine scheinheilige Show ist

hzKlare Kante

Der Umweltausschuss hat über Klimaziele in Schwerte abgestimmt. Vorschläge von Politik und Bürgern werden aber erst im November diskutiert. Ist der Klimaschutz nun dringend? Oder doch nicht?

Schwerte

, 03.09.2019, 11:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alarmstufe rot in Sachen Umweltschutz - es herrscht Klimanotstand in Schwerte. Ja, Politik und Verwaltung haben sich offiziell das Ökosiegel aufgedrückt, um bei jeder Entscheidung an Mutter Natur zu denken und das Thema Klimaschutz an die oberste Stelle der Prioritätenliste zu setzen.

Wenn nicht gerade der Feierabend dazwischen kommt. So ist es am vergangenen Dienstag im Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung und Umwelt passiert. Zwar haben alle Mitglieder brav die Hand gehoben, um den Klimazielen der Stadt zuzustimmen. Aber über die Anträge aus den eigenen, den politischen Reihen wollte man am Dienstag gar nicht erst diskutieren.

Viel zu lange würde es dauern, die verschiedenen Punkte durchzugehen, sie nach und nach zu priorisieren und diejenigen auszusortieren, die im Klimaschutzkonzept der Stadt ohnehin schon auftauchen. Lieber soll die Stadtverwaltung ran, um dem Eifer der Ratsparteien in Sachen Klimaschutz Herr zu werden.

„Nicht, dass wir es auf die lange Bank schieben...“

Wäre das nicht im Vorfeld gegangen? Die Anträge von CDU und Grünen lagen zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem Monat vor. Schon damals hatte man sie von der Ratssitzung im Juli auf die Sondersitzung im August vertagt. Jetzt soll erst in der nächsten Sitzung am 19. November über die Punkte abgestimmt werden.

Ein bisschen wie im Film fühlt man sich, wenn in einer Sondersitzung zum Klimaschutz die halbe Tagesordnung gestrichen wird, weil ein Großteil der Politiker zwar „nicht egoistisch sein möchte“, aber eigentlich doch nach Hause will.

Es muss wohl eine Doku über Greenwashing sein, dieser Film, in dem sich die Stadt umweltfreundlicher präsentiert, als sie es jemals sein kann. Gut, dass auch von Seiten der Politik noch einmal betont wurde, man wolle das Thema „nicht auf die lange Bank schieben“, der Eindruck hätte fast entstehen können.

In der knapp anderthalb-stündigen Notstands-Sitzung wurde ein Maßnahmen-Paket beschlossen - ein externer Klimabetreuer bezeichnet es als „ambitioniert, aber notwendig“: 35 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen bis 2030, 92 Prozent bis 2050. Sportlich. Ob der B236-Ausbau, ein neuer Supermarkt im Schwerter Norden und eine neue Sportanlage im Wandhofener Bruch da in die richtige Richtung gehen? Und gab es da bei den Klimazielen nicht einen Punkt „Weiterentwicklung vorhandener Grünflächen in Bezug auf Klimaschutz“?

Klimaschutz fürs Klimasiegel?

Gerade da will die Stadt doch ordentlich etwas für das eigene Image tun - so steht es zumindest in den Klimazielen. Denn für gute Erfolgsquoten gibt es vom European Energy Award eine hübsche Auszeichnung - die würde sich sicherlich gut im Portfolio machen. Damit springt die Stadt Schwerte auf einen grüngewaschenen Zug auf, in dem auch schon der 1-Cent-Plastikbeutel an der Obsttheke und der vegane Burger von McDonalds sitzen.

Dabei ist die Stadt in Klimaschutz doch eigentlich auf einem guten Weg. Seit 2013 gibt es ein Integriertes Klimaschutzkonzept, von 44 Maßnahmen wurden schon 31 umgesetzt. Es gibt Klimaschutzmanager, begrünte Dächer, eine Abstellanlage für Fahrräder am Bahnhof. Nur mit dem ausgerufenen Klimanotstand hat man sich die Pistole auf die Brust gesetzt. Umweltbewusstsein als oberstes Gebot? Ja, bitte! In kleinen Schritten, aber dann mit allem was dazu gehört. Mit etwas weniger Bürokratie und mehr Tempo.

Liebe Politiker, liebe Stadtverwaltung, niemand erwartet, dass Schwerte die Welt rettet. Wir sind auf dem richtigen Weg, wenn er doch nur nicht bis November reichen würde...

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt