Warum die Gewerkschaft Verdi die Schwerter Hauptpost gerade an einem Samstag stilllegte

hzPostbank Schwerte

Unverrichteter Dinge nach Hause gehen. Das mussten alle Schwerter, die an ihrem freien Samstagmorgen die Post besuchen wollten. Es ist nicht auszuschließen, dass ihnen sowas erneut blüht.

Schwerte

, 06.08.2019, 12:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor verschlossenen Türen standen Schwerter, die den Einkaufsbummel am Samstagmorgen nutzen wollten, um auch noch schnell etwas in der Post zu erledigen. Die Gewerkschaft Verdi hatte das Postbank-Finanzcenter - wie die Hauptpost am Postplatz offiziell firmiert - für den ganzen Vormittag lahmgelegt.

„Heute: Warnstreik“ verkündeten großformatige rote Transparente an den Glastüren vor der Schalterhalle. Mit der Aktion wollte die Gewerkschaft den Druck in der laufenden Tarifrunde erhöhen, bei der sie 7 Prozent mehr Gehalt für die Beschäftigten fordert. Die Arbeitgeberseite habe bei der ersten Verhandlungsrunde im Mai noch kein eigenes Angebot vorgelegt, sagt Verdi-Sprecher Marco Königs.

Vier der insgesamt zehn Postbank-Filialen, die die Gewerkschaft für ihre erste Warnstreikrunde ausgewählt hatte, lagen im Bezirk Dortmund - darunter eben auch Schwerte. Ganz bewusst legte man den Betrieb dort an einem Samstag still, weil die Aktion an diesem Tag stärker in den Blick der Öffentlichkeit gerate, erläuterte Marco Königs: „Die ehrenamtlichen Aktiven haben es bei uns so beschlossen.“

Außerdem seien Filialen an Samstagen natürlich leichter zu schließen, weil dann nur weniger Personal vor Ort sei.

Wiederholung in Schwerte nicht ausgeschlossen

Die Entscheidung, in welchen Städten die Gewerkschaft zum Warnstreik aufruft, sei kurzfristig gefallen, erläutert Marco Königs: „Das soll zeigen, dass die Beschäftigten durchaus Macht haben.“ Den Arbeitgebern werde durch das spontane Handeln die Möglichkeit genommen, Personal aus anderen Filialen abzuziehen und als Ersatz in die bestreikten zu schicken.

„Wir haben keine Möglichkeit zu reagieren, wenn das morgens entschieden wird“, sagt auch Postbank-Sprecher Ralf Palm (Bonn). Im Zweifel wisse man ja auch nicht, ob in der anderen Filiale, aus der man Mitarbeiter holen wolle, ebenfalls gestreikt werde.

Deshalb musste die Schwerter Post am ganzen Samstagvormittag geschlossen bleiben. Wer vergeblich einen Besuch am Schalter versucht hat, für den hat die Postbank aber noch ein kleines Trostpflaster. Pakete, für deren Ankunft Benachrichtungskarten in die Briefkästen gesteckt worden seien, blieben einen Tag länger in der Filiale liegen als üblich, erklärt Ralf Palm. Die Aufbewahrungsfrist, bevor sie an den Absender zurückgeschickt werden, verlängert sich also.

Die nächste Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt ist nach Verdi-Angaben für den 13. und 14. August geplant. Ob Schwerte erneut betroffen sein könnte, falls es dann zu weiteren Streikaktionen der Gewerkschaft kommt? „Das könnte durchaus sein“, sagt Verdi-Sprecher Marcon Königs. Noch sei aber nichts geplant.

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