Warum Schwerter Landwirte eine Lizenz zum Spritzen brauchen - und normale Bürger nicht

Bauernhöfe in Schwerte

Landwirte aus Schwerte und dem Kreis Unna wollen ein realistisches Bild von der Arbeit auf dem Bauernhof vermitteln. Besonders beim Wasserschutz müssen dabei viele Vorgaben beachtet werden.

von Maximilian Stascheit

Schwerte

, 26.06.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Warum Schwerter Landwirte eine Lizenz zum Spritzen brauchen - und normale Bürger nicht

Beim Besuch des Bauernhofs von Bernd und Birgit Schulte in Geiseke konnten die Besucher die Maschinen aus nächster Nähe begutachten. © Petra Drees-Hagen

Die Nummer 43 geht voran. Was für Bernd und Birgit Schulte zu den alltäglichen Beobachtungen gehört, sorgt bei ihren Gästen an diesem Nachmittag für große Heiterkeit. „Auch unter den Kühen gibt es Hierarchien“, erklärt das Landwirte-Ehepaar den Besuchern, die an diesem warmen Sommernachmittag den Weg in die Bauerschaft von Geiseke gefunden haben.

Routiniert und mit viel Humor erzählen die Hofbesitzer der rund 20-köpfigen Gruppe eine Mischung aus amüsanten Anekdoten und interessanten Fakten über ihre Kuhherde. Diesmal ist es keine Schulklasse, die den Bauernhof besucht, sondern eine bunt gemischte Gruppe, die aus reinem Interesse an der Landwirtschaft dabei ist.

„Die Nummer 6 ist mit acht Jahren die Älteste. Mit drei hat sie zum ersten Mal ein Kalb bekommen und danach jedes Jahr eins“, berichtet Birgit Schulte und merkt grinsend an: „Die ist immer noch gut zu Fuß.“

Eigentlich steht an diesem Nachmittag jedoch das Thema Wasser im Mittelpunkt. „Der Umgang mit der Ressource Wasser in der Landwirtschaft: Wie funktionieren Düngung und Pflanzenschutz“ lautet der Titel dieses letzten Teils der Veranstaltungsreihe, mit dem der Landwirtschaftliche Kreisverband Ruhr-Lippe die Bevölkerung transparent über die Arbeit von Landwirten informieren möchte. „Wir haben uns damit ganz bewusst an ein nicht-landwirtschaftliches Publikum gerichtet“, erklärt Petra Drees-Hagen, die beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet.

Viele Vorgaben müssen beachtet werden

Gut gestärkt sind die Besucher während des Rundgangs über den 140 Hektar großen Hof bereits. Denn empfangen wurden sie bei Kaffee und Kuchen direkt in der schattigen Scheune, umgeben vom Flair des auf Kühe, Kälber und Rinder spezialisierten Hofes. Mit Anna Hüsemann und Hendrik Homkamp von der Landwirtschaftskammer waren sind auch zwei Experten von der Landwirtschaftskammer zu Gast, in deren Vortrag die Besucher einiges über Freund und Leid eines Landwirts erfahren.

Warum Schwerter Landwirte eine Lizenz zum Spritzen brauchen - und normale Bürger nicht

Gemeinsam mit den Fachleuten nahmen die Besucher auf dem Feld eine Bodenprobe. © Petra Drees-Hagen

Denn auch auf dem Hof Schulte spielt das Thema Wasserschutz nicht nur aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Ruhr eine große Rolle. Versiert benennen die Referenten Höchstwerte von Phosphor und Nitrat, erklären Messverfahren und die Gefahren für die Umwelt. Mindestens einen Meter Abstand müssen die gedüngten Bereiche beispielsweise zu einem Kanal haben - je nach Art des Mittels und technischer Ausstattung können es aber auch bis zu 20 Meter sein. Die Kenntnis dieser Vorgaben gehört fest zur Berufsausbildung - und muss den Landwirten trotzdem jährlich neu lizensiert werden.

Landwirte brauchen die Lizenz zum Spritzen

„Warum müssen die Landwirte da einen Schein für haben und der normale Bürger, der zu Hause spritzt, nicht?“, wirft jemand aus dem Publikum als Frage in den Raum. Beantworten können sie weder die Gastgeber noch die Referenten. Doch Hinweise für den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln auf dem eigenen Grundstück hat Hüsemann trotzdem parat. So dürfe die Giftspritze ausschließlich bei landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher und gärtnerischer Nutzung eingesetzt werden - nicht aber für die Fugen auf dem Bürgersteig oder der Terrasse. „Wenn das Ordnungsamt das mitbekommt, dann wird‘s richtig teuer“, weiß die Fachfrau.

Beim Rundgang über den Hof können die Besucher auch die imposante Maschine zur Verteilung der Pflanzenschutzmittel begutachten und unter Anleitung der Landwirte selbst eine Bodenprobe nehmen. Besonders den beiden Landwirten ist dabei stets anzumerken, wie wichtig es ihnen ist, den Gästen ein realistisches Bild von der Arbeit auf dem Hof zu vermitteln: „Gesetz, Arbeitszeit und Witterung müssen unter einen Hut gebracht werden. Und die Zeit, die dann noch übrig bleibt, verbringen wir im Büro“, so Bernd Schulte.

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