Was dieser historische Bau zwischen Ergste und Garenfeld mit einer Hochzeit zu tun hat

hzNeu restauriert

Wer über die Ruhrtalstraße nach Ergste fährt, blickt auf den historischen Haferkasten am Gut Niederweisched. Er wurde denkmalgerecht renoviert - und dient jetzt tierischen Bewohnern.

Ergste

, 28.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Hochzeitsnacht muss fantastisch gewesen sein. Der Bräutigam war so beglückt, dass er für seine Liebste anschließend sogar ein Haus versetzen ließ. Auf diese Weise kam der Kornspeicher, der 1732 auf einem Bauernhof in Hagen-Halden errichtet worden war, im 19. Jahrhundert zum Gut Niederweisched an der Ruhrtalstraße in Ergste. „Es war eine sogenannte Morgengabe“, erläutert die heutige Pächterin Bettina Wittenstein. Ein historischer Fakt, der das Zeug zu einer schönen Legende gehabt hätte.

Das ist aber nicht der Grund, warum Bettina Wittenstein und ihr inzwischen verstorbener Ehemann Robert alles daran setzten, um den arg angejahrten, denkmalgeschützten Holzbau zu restaurieren. „Es tat uns leid, dass dieser wunderschöne Kornkasten zerfiel“, sagt die Pächterin. Ähnliches gibt es hierzulande nur noch in Reeswinkel bei Schalksmühle (von 1691) und im Freilichtmuseum in Hagen: „Der ist aber einfacher gestaltet und längst nicht so schön wie unserer.“ Mit einfachen Außenwänden statt der aufwendigen Kassettenoptik in Ergste.

Aus Brandschutzgründen fernab von Hof und Stall aufgestellt

Um die Ernte vor Bränden zu schützen, wurden solche Speicher nach den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges überall fernab von Hof und Ställen aufgestellt. Möglicherweise wurde darin der „Zehnt“ aufbewahrt, also das Zehntel der Ernte, das Bauern als Steuern abgeben mussten. Darauf könnte das massive Vorhängeschloss vor dem Eingang im Obergeschoss hinweisen, der nur über eine Außentreppe erreichbar ist. Da der ursprüngliche Verschluss verloren gegangen war, brachte ein Ergster als Geschenk Ersatz vorbei, der ursprünglich vom Haus Ruhr stammen soll.

Was dieser historische Bau zwischen Ergste und Garenfeld mit einer Hochzeit zu tun hat

Zum Abschluss der Renovierung des historischen Haferkastens am Gut Niederweisched erhielt Hof-Pächterin Bettina Wittenstein (l.) von der Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Karin Lehmann (r.), eine Bronzeplakette. © Reinhard Schmitz

Für die Renovierung, die rund 20.000 Euro kostete, gab die Deutsche Stiftung Denkmalschutz einen Zuschuss von 10.000 Euro. Kleinere Fördermittel steuerten die Stadt und das Denkmalamt in Münster bei, alles Andere übernahmen der Hausbesitzer und die Pächter.

Jetzt wohnen die Hühner in dem denkmalgeschützten Bau

Die Aufgabe war aufwendig. Lange abgelagertes Eichenholz musste zum Ausbessern der Wände beschafft werden, die nur durch eigens gefertigte Holznägel zusammengehalten werden. Allein der Gutachter war mehrere Tage vor Ort, um die Maßnahmen vorzubereiten. Die eigentlichen Tischlerarbeiten dauerten dann noch einmal sechs Wochen.

Zufrieden überreichte die Ortskuratorin Bochum/Dortmund der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Karin Lehmann, am Freitag eine Plakette, die an das Objekt geschraubt wird. „Das ist wirklich ein Schmuckkästchen“, sagte sie. Genutzt wird es als Hühnerstall. So ein schönes Zuhause kennt das Federvieh weit und breit nicht.

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