Wie Bauleute aus Indien einen Rohbau zum prunkvollen Hindu-Tempel werden lassen

hzHindu-Tempel Schwerte

Prächtig werden soll der neue Tempel der Hindu-Gemeinde am Beckenkamp. Dafür werden extra Handwerker aus Fernost eingeflogen. Sie sollen das Werk in einem Jahr vollendet haben.

Schwerte

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie Ziegel nach fernöstlicher Kunst von Meisterhand geformt und gebrannt werden, wird demnächst am Beckenkamp zu bestaunen sein. Fachleute aus Indien lässt die Hindu-Gemeinde einfliegen, um den Bau ihres neuen Tempels zu vollenden. „In den nächsten 14 Tagen bis drei Wochen werden sie kommen“, sagt Architekt Detlef Peter, der gemeinsam mit seiner Tochter Nadine Peter die Pläne für den Prachtbau entworfen hat.

Der Rohbau ist auf dem früheren Parkplatz des Hoesch-Ziehwerks bereits fertiggestellt. Das Innere des 18 mal 20 Meter großen Raums ist bereit, um dort die Fundamente für die Altäre zu mauern, auf denen einst die Statuen der Gottheiten ihren Platz haben werden.

Eingangsportal muss elf Meter hohen Turm tragen

„Die Inder werden auch mit dem Turm anfangen“, erklärt Peter weiter. Der elf Meter hohe Blickfang wird auf dem Eingangsportal an der Seite zur Beckestraße hin errichtet, das als Betonkonstruktion aus den ansonsten gemauerten Wänden hervorsticht: „Der Turm muss ja getragen werden.“ Jeweils im Wechsel werden Arbeitskolonnen aus Fernost am Tempelbau tätig werden - weil sie jeweils nur eine Aufenthaltsgenehmigung von neun Wochen für die Bundesrepublik bekommen.

Peter rechnet deshalb damit, dass die Fertigstellung des Projekts noch rund ein Jahr dauern werde. „Vielleicht geht es schneller. Das kommt auf den Winter an“, sagt er. Rituelle Erfordernisse werden die Maßnahme nicht verzögern: „Das war nur bei der Grundsteinlegung.“ Da wurde mit dem Priester eine besondere Zeremonie gefeiert - extra am Tag des Jahresfestes der Göttin Sri Kanakathurka Ampal, zu deren Ehren der Tempel errichtet wird.

Wie Bauleute aus Indien einen Rohbau zum prunkvollen Hindu-Tempel werden lassen

In den nächsten Wochen übernehmen indische Spezialisten die Fertigstellung des neuen Hindu-Tempels. © Reinhard Schmitz

Architekt Peter ist gespannt auf die Arbeit der indischen Spezialisten. „Das habe ich auch noch nie gesehen“, sagt er. Einen Auftrag für einen Tempel erhält man als Baumeister vermutlich nur einmal im Leben. Geschmückt mit einem grünen Festgewand marschierte Peter als Ehrengast am Sonntag wieder beim jährlichen Festumzug der Hindus mit.

Noch einmal wurde als Höhepunkt des Tempelfestes die Statue der Göttin durch die Straßen rund um den bisherigen Tempel an der Robert-Koch-Straße gefahren. „Hoffentlich das nächste Mal um den Beckenkamp“, sagte Bürgermeister Dimitrios Axourgos, der die Prozession zum ersten Mal erlebte.

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1985 entstand in Schwerte der erste Hindu-Tempel Deutschlands

Das wünscht sich auch die Hindu-Gemeinde, die mittlerweile auf über 100 Mitglieder angewachsen ist. Sie war die erste in Deutschland, die sich einen eigenen Tempel schuf. 1985 war das, noch in einem bescheidenen Keller an der Schützenstraße. 1996 baute man dann eine ehemalige Lackfabrik in einem Hinterhof der Robert-Koch-Straße um. Er ist innen reich verziert, aber von außen völlig schmucklos. Das wird am Beckenkamp mehr als nachgeholt.

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