Wie bildet man einen neuen Hausarzt aus, Dr. Barth?

hzÄrztemangel in Schwerte

Philip Camen will Hausarzt werden. Deshalb macht er seine Facharztausbildung nicht im Krankenhaus, sondern in der Praxis von Dr. Ingo Barth. Gemeinsam erzählen sie, wie man Hausarzt wird.

Schwerte

, 23.11.2019, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Villigst hat seit einiger Zeit keinen Hausarzt mehr. In Kalthof gibt es schon länger keinen Allgemeinmediziner mehr, und in vielen Schwerter Praxen sind die Inhaber schon jenseits der 60 und suchen nach einem Nachfolger. Doch während die Medizinstudiengänge an den Universitäten voll sind, will kaum einer der angehenden Mediziner Hausarzt werden. Das verstaubte Image, immer aufwendigere Verwaltung und oft lange Sprechstundenzeiten schrecken den Nachwuchs ab.

Das sei völliger Blödsinn, findet Philip Camen. Der 40-jährige Mediziner ist seit sechs Wochen als Assistenzarzt in der Hausarztpraxis an der Schützenstraße bei Dr. Ingo Barth tätig. Denn auch wenn der Name Allgemeinmediziner anderes vermuten lässt, als Hausarzt muss man eine Facharztausbildung machen. Erst im Krankenhaus und dann als Weiterbildungsassistent bei einem Allgemeinmediziner. Am Ende steht eine Prüfung, wie bei allen anderen Fachärzten auch.

Konzentrierte Arbeit, aber auch ein geregeltes Wochenende

Was den Job in einer Praxis vom Krankenhaus unterscheidet? „Auf jeden Fall der geregelte Rhythmus“, sagt Camen. Vier Jahre war er Klinikarzt, sah sich um im Notarztdienst, in der Inneren oder als Anästhesist. Schichtdienste, Noteinsätze sind da an der Tagesordnung. „Hier in der Praxis wird auch viel und konzentriert gearbeitet“, erzählt er. Aber dafür gebe es auch ein geregeltes Wochenende.

Und der Job ist näher an den Menschen. Das bestätigt auch sein Chef, Ingo Barth. Denn oft kennt man nicht nur den Patienten, sondern auch dessen Familie. „Da kommt schon mal eine Patientin und sagt: Achten Sie bei meinem Mann doch mal auf dieses oder jenes.“ Und bei Hausbesuchen bekomme man nochmal einen anderen Einblick.

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Mehrere Tausend Patienten hat ein normaler Hausarzt in seiner Kartei. Manche kommen einmal im Jahr, andere mehrmals die Woche. Und auf alle muss man sich neu einstellen. Der eine hat nur eine Erkältung, der nächste Krebs. „Wichtig ist, dass man nichts übersieht“, sagt Ingo Barth. Und sein „Azubi“ ergänzt: „Man arbeitet hier schon hoch konzentriert.“ Während ihrer Arbeitszeit pendeln die Hausärzte in der Praxis an der Schützenstraße jeweils zwischen zwei Behandlungszimmern. In jedem sitzt ein neuer Patient mit einer neuen Geschichte.

„Wir sind die Mehrkämpfer unter den Ärzten“, sagt Barth. Und Camen erläutert: „Man muss schon in vielen Disziplinen sehr gut sein, aber in keiner ganz perfekt. Dafür gibt es die Fachärzte.“

„An der Uni wollte niemand Hausarzt werden“

Bei so vielen Vorteilen und guten Chancen bleibt die Frage, was den Nachwuchs von der Ausbildung zum Allgemeinmediziner abhält. „An der Uni gab es keinen, der gesagt hat, ich werde mal Hausarzt“, sagt Philip Camen. Er selbst sei da nicht anders gewesen.

Wenn man da etwas gegen tun wolle, müsse man bereits an der Uni ansetzen. „Wir krallen uns schon die Studenten“, sagt Barth. Seine Praxis kooperiert deshalb seit einem Jahr mit der Ruhr-Universität in Bochum.

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Um Philip Camen ausbilden zu können, musste Ingo Barth übrigens selbst noch einmal vor die Prüfungskommission. Der Grund dafür liegt im komplizierten Ärzterecht. Als Internist (Arzt für Inneres) darf er zwar als Hausarzt tätig sein, aber keine Allgemeinmediziner ausbilden. Da musste der gestandene Praxisinhaber noch einmal vor die Prüfungskommission. Theoretisch könnte er nun auch seinen neuen Titel „Facharzt für Allgemeinmedizin“ auf sein Praxisschild schreiben. Dann müsste er allerdings den Titel Internist wieder streichen, denn auch das gehört zu den komplizierten Vorschriften für Ärzte in Deutschland.

Für Philip Camen steht hingegen fest: „Wenn mir in zwei Jahren der Job noch so viel Spaß macht wie in den ersten sechs Wochen, dann werde ich Hausarzt.“ Und das wäre dann zumindest ein Hoffnungsträger gegen den Hausärztemangel.

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