Wie ein kleiner Schwerter Buchhändler den Großbuchhandlungen und dem Online-Handel trotzt

hz15 Jahre Bücher Bachmann

Vor 15 Jahren verließ Olaf Bachmann den Schreibtisch als Chefeinkäufer für 170 Karstadt-Buchfilialen und etablierte sich mit seinem kleinen Laden in Schwerte. Was ist sein Erfolgsrezept?

Schwerte

, 02.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es klingt wie die Geschichte von David und Goliath. Oder von dem kleinen gallischen Dorf, das der römischen Weltmacht die Stirn bietet. Mit seiner kleinen, aber feinen Buchhandlung in der Mährstraße hat Olaf Bachmann nicht nur dem Expansionsdrang der Großflächen-Buchhandlungen getrotzt, sondern auch der mächtigen Internet-Konkurrenz. „Schon 15 Jahre?“, fragten die meisten Kunden bei der Geburtstagsfeier am Samstag. „Erst 15 Jahre?“, schüttelten andere ungläubig den Kopf: „Sie sind doch eine Institution hier.“

Geburtstagsfeier wie die Queen in den Sommer verschoben

Nun, ein paar Monate mehr sind es schon, seit der damalige Chef-Einkäufer in der Essener Hauptverwaltung des Karstadt-Konzerns sich in der Schwerter Fußgängerzone den Traum vom eigenen Buchladen erfüllte. „Eigentlich war die Eröffnung schon am 13. März 2004“, verrät er: „Aber ich habe wie die Queen von England gesagt: Die Feier mache ich, wenn besseres Wetter ist.“ Wieder einmal alles richtig entschieden. Die Sonne strahlte am ersten richtigen Sommertag des Jahres nur so auf die Stehtische vor den Schaufenstern, wo die Kunden mit Prosecco, Orangensaft und Salzbrezeln überrascht wurden.

Wie ein kleiner Schwerter Buchhändler den Großbuchhandlungen und dem Online-Handel trotzt

Den Geburtstag der Buchhandlung feierte das fünfköpfige Team mit seinen Kunden am Samstag bei Kaiserwetter an Stehtischen vor der Ladentür. © Reinhard Schmitz

„Ich habe es nicht einen Tag bereut“, sagt Bachmann, wenn er daran zurückdenkt, wie er seinen Schreibtisch beim damals mit knapp 170 Filialen größten deutschen Buchhändler verlassen hat. Er hatte auf das Potenzial in Schwerte gehofft, wo gerade die Traditionsbuchhandlung Schmidt geschlossen wurde. Aber ob das Konzept auf der kleinen Fläche in der Mährstraße funktionieren würde? Ja, schon vor dem ersten Weihnachtsfest standen die Kunden Schlange bis vor die Tür. „Es war richtig, den kleinen Laden nicht zu verlassen“, sagt er. Dass dort hinter dem geheimnisvollen Vorhang kein Hochrregallager versteckt ist, haben die Teilnehmer der Veranstaltung „Einschließen und genießen“ (die es schon 60 Mal gab) erfahren: „Dabei lüfte ich das Geheimnis, dass da nur ein kleines Kabuff ist.“

80 Prozent sind Stammkunden - und Frauen

Kundennähe ist das Erfolgsrezept. 80 Prozent der Kunden unter der Woche sind Stammkunden - und weiblich. Olaf Bachmann und sein fünfköpfiges Team kennen ihre Vorlieben genau. Wenn sie - wie sie es ständig mit Leidenschaft tun - Neuerscheinungen lesen, haben sie oft schon genau vor Augen, wem das Buch gefallen könnte. „Die bösesten Bücher werden von Frauen gekauft“, sagt Bachmann und hat auch die Erklärung: „Als Kompensation für den behüteten Alltag.“ Deshalb könne er die Ehemänner in diesem Fall immer beruhigen. Aber wehe, wenn die Götter-Gattin Rosamunde Pilcher auf das Nachtschränkchen lege - dann müssten die Partner sich Gedanken machen, ob sie nicht irgendwann nachts ein Messer im Rücken spürten.

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Das ist nicht ganz ernst gemeint. Genauso wie manches in den humorvollen Clips, mit denen Olaf Bachmann im Sozialen Netzwerk Facebook Kultstatus erlangt hat. „Nach einem kleinen Image-Film hat das plötzlich Dynamik bekommen“, erzählt er. Seitdem nutzt er das neue Medium gezielt, um Personen zu erreichen, die er auf anderen Wegen gar nicht oder nur viel schwerer ansprechen könnte.

Auch ins Online-Geschäft ist der Buchhändler eingestiegen: „Der Anteil am Umsatz ist inzwischen fast zweistellig geworden.“ Bachmann versendet kostenfrei an jede deutsche Adresse und ohne Mindestbestellwert. „Und ohne Prime-Mitgliedschaft“, sagt er schmunzelnd.

Keine Ambitionen, selbst Autor zu werden

Er schreibt die Erfolgsgeschichte der kleinen Schwerter Bücherei fort. Sie wird allerdings niemals als Autobiografie noch in irgendeiner Romanform zu lesen sein. Bachmann plant überhaupt nicht, jemals ein Buch zu schreiben. „Ich habe viele gute Bücher gelesen, aber auch einige schlechte. Und dazu möchte ich nicht selber noch ein weiteres beitragen“, sagt er mit einem tiefstapelnden Lächeln.

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