Wie mache ich eigentlich ein gutes Foto, Professor Mante?

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Wie sieht ein gutes Foto aus? Wie bekomme ich ein Auge für das gute Motiv? Professor Harald Mante (84) aus Schwerte sagt: Er will „die Menschen in ihrem Sehen sensibilisieren“.

Schwerte

, 04.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie müsse ihre Bilder jetzt eigentlich in zwei Kategorien einteilen, sagte eine Seminarteilnehmerin mal zu Harald Mante – „in die Fotografie vor Mante und in die Fotografie nach Mante“.

„Ich erschließe den Kursteilnehmern neue Welten. Sachen, die sie vorher über-sehen haben.“ Aus anderem Mund könnte so ein Satz arrogant klingen. Bei Mante nicht. Zu sacht und bedacht, zu ruhig und sachlich spricht der 84-Jährige, der von 1973 bis 2001 als Professor an der Fachhochschule Dortmund lehrte.

„Die Leute sagen: Ich habe das nicht gesehen“

„Ich bin hochsensibel auf visuelle Reize“, sagt Mante: „Wenn ich meine Seminare halte, sagen die Leute immer, wenn sie dann auf meine Fotos gucken: Ich habe das nicht gesehen und ich habe doch direkt neben dir gestanden.“

Das sei sein Ziel: „die Menschen in ihrem Sehen zu sensibilisieren.“ Mante spricht über seine Zeit als Professor und über die Seminare, die er seit 2002 an der Altenakademie im Westfalenpark gibt, die man neuerdings lieber Parkakademie nennt.

Doch all das gilt auch für Mantes neues Fachbuch, sein zwölftes. „Das Motiv“, so der simple und treffende Name. 675 Bilder sind darin. Wieder geht es um Gestaltung und Farbtheorie. Erstmals ist neben Mante auch seine Frau Eva Witter als Co-Autorin angegeben.

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Viele Fotos entstanden mit dem Handy oder der Kompaktkamera

„Die meisten Bilder sind in den letzten vier Jahren entstanden“, erklärt Harald Mante. Viele Motive fand das Ehepaar in Venedig – von einer Abbildung der Leerstände bis zu einer Aneinanderreihung übervoller Schaufenster mit dem Titel „Kaufrausch“.

Jede Menge Bilder entstanden aber auch in Dortmund und Schwerte – seien es nun kunstvolle Spielgelungen an parkenden Autos an der Bahnhofstraße, ein kurz zurückgelassener leerer Kinderwagen in der Tiefgarage oder markante Fassaden für eine Reihe.

Zwölf Fachbücher, von 1969 bis 2020: Wesentliche Bestandteile von Harald Mantes Werk auf eine Blick.

Zwölf Fachbücher, von 1969 bis 2020: Wesentliche Bestandteile von Harald Mantes Werk auf eine Blick. © Björn Althoff

Freude für den Fotografen: 298 Gramm statt neun Kilogramm

„Das hier sind alles Handyaufnahmen“, freut sich Mante. Und diese Fotos hier – Moment, er holt eben die kleine Kompaktkamera – die habe er hiermit gemacht: eine Sony Alpha, optischer Zoom, kein digitaler, „bis 720 Millimeter“.

Was das bedeutet, auch das kann Mante mit einem Halbsatz erklären: „als wenn ich mit einem 72-Zentimeter-Objektiv fotografieren würde“.

Jahrzehntelang habe er eine neun Kilogramm schwere Fototasche herumgeschleppt. Und jetzt die kompakte Kamera hier, immer dabei, 298 Gramm.

Mante strahlt.

Wie zeige ich auf Fotos, das Zeit vergeht?

Basiswissen über Bildgestaltung, über Farbgestaltung, über den Aufbau und die Komposition von Fotos – all das steckt in „Das Motiv“.

Und auch der Unterschied zwischen Serie und Sequenz. Eine Foto-Serie, das sei eine Sammlung, ein Thema, beispielsweise Türen von vielen verschiedenen Orten, vielleicht auch über einen langen Zeitraum immer wieder neu der Sammlung hinzugefügt.

Die Sequenz hingegen ist der Versuch, Zeit über Fotos abzubilden. Wind, der in einen Vorhang weht, beispielsweise, der ihn im Laufe der Fotos immer weiter mitnimmt oder der wieder abflaut. Aber auch ein feiner Unterschied der Schatten kann verdeutlichen: Hier ist Zeit verstrichen zwischen Foto eins und Foto zwei.

„Motive erkennen, kreativ fotografieren“ – das steht auf dem Titel des Buches.

Mante sagt: „Man muss ein gutes Wissen haben über Bildgestaltung, über Farbgestaltung und so weiter, aber man muss die Sensibilität gesteigert haben. Man muss mehr sehen als vorher.“

Eva Witter-Mante sagt: „Es ist der Versuch, das Seminar in Buchform zu machen. Zu zeigen, dass die Dinge, die im ersten Moment nicht wie das großartige, das tolle Motiv aussehen, dass die vielleicht doch ein Motiv sind.“

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