Schwerte ist sicherer denn je, sagt die Polizeistatistik. Doch das entspricht nicht dem Gefühl vieler Schwerter. Warum ist das so und wie gefährlich ist Schwerte wirklich?

Schwerte

, 10.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Durch den Stadtpark gehe ich nahezu jeden Mittag. Und natürlich ist mir dort noch nie etwas zugestoßen. Aber wenn ich ehrlich bin, beschleicht micht dennoch manchmal ein mulmiges Gefühl. Zwei Frauen, stark angetrunken oder berauscht verschwinden im lichten Gebüsch an der ehemaligen Realschule und rauchen etwas von eine Alufolie, ein junger Mann spricht lautstark in einer fremden Sprache in sein Handy, drei Männer umgeben von Flaschen unterhalten sich in einer Sprache, die osteuropäisch kllingt. Ich weiß, objektiv bin ich hier sicher. Aber das mit dem subjektiven Sicherheitsgefühl ist oft anders.

Von den sozialen Medien bis zur Diskussion im Wahlkampf wird das Thema Innere Sicherheit hoch gehandelt. Und ein beachtlicher Teil der Menschen ist überzeugt, dass früher alles besser war. Mehr Sicherheit und Ordnung auf den Straßen.

Mit den objektiven Zahlen der Polizeistatistik passt das kaum zusammen. Noch nie lebte man in Schwerte so sicher, wie heutzutage. Das ergibt sich zumindest aus der Polizeistatistik.

Ich sehe mehr Polizei, fühle mich aber im Stadtpark unsicher

Fragt man die Menschen in Schwerte sieht das oft anders aus. Auf einen Facebookspost antworteten die meisten Befragten, das sie sich eben nicht immer sicher in Schwerte fühlen würden. Jens Pachowiak brachte es auf den Punkt: „Ich fühle mich sicher. Gefühlt sehe ich in den letzten Monaten mehr Polizeifahrzeuge durch Schwerte fahren. Trotzdem gibt es einige Örtlichkeiten, wo ich mich persönlich gerade im Dunkeln nicht unbedingt aufhalten möchte. Dazu gehören z.B. der Bahnhof, die Innenstadt mit dem Stadtpark oder auch die Ruhrwiesen.“

Die Dortmunder Polizei hatte das Thema losgetreten. Aufgrund von Anfeindungen in sozialen Medien hatten der Dortmunder Polizeipräsident eine Halbjahresstatitsik über die Kriminalität in Dortmund veröffentlicht. Und die ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Im Internet konnte er mit dieser Sachargumentation nicht punkten. Denn die Diskussion geht eben um die gefühlte Sicherheit und die muss nicht immer mit der wirklichen Lage zusammenhängen.

Im Landesvergleich und im Vergleich mit früher lebt es sich sicherer

Doch wie sicher lebt es sich im Kreis Unna und vor allem in Schwerte? Da könnte man sich eigentlich beruhigt zurück lehnen. Sowohl im Landesvergleich als auch im Vergleich mit der Vergangenheit sieht es gut aus. Die Wahrscheinlichkeit Opfer eines Verbrechens zu werden, liegt in Schwerte deutlich unter dem Durchschnitt NRWs. Und die Zahl geht auch seit Jahren zurück.

Das belegen auch die Halbjahreszahlen, die die Kreispolizei auf Anfrage der Redaktion herausgab. Hatten die Beamten der Kreispolizeibehörde in Unna im ersten Halbjahr 2016 noch insgeamt 11723 Straftaten zu bearbeiten, waren es 2019 nur noch 8699. Fälle von Straßenkriminalität gingen von 3044 auf 2418 zurück und Wohnungseinbrüche sogar um über die Hälfte von 616 auf 298.

Allerdings hat die Statistik auch einen Wermutstropfen: Die Gewaltkriminalität, die seit Jahren auf etwa gleich hohem Niveau liegt, ist sogar leicht gestiegen. Von 296 (2014) kreisweit auf 321 im ersten halbjahr 2019. Auf Schwerte bezogen gab es 2018 im gesamten Jahr 93 Fälle.

Gewaltdelikte nahmen aber zu

Eine genaue Analyse, warum das so ist, kann Polizeisprecherin Vera Howanietz nicht im Detail erklären. Allerdings betont sie, dass der statistische Fall Gewaltdelikt ein weites Feld umfasst. „Dazu gehören auch Fälle von Schulhofprügeleien, die früher niemand bei der Polizei angezeigt hätte“, sagt sie. Heute landen schon Auseinandersetzungen unter Grundschülern als Anzeige in der Polizeiwache. Ohne die einzelnen Fälle zu betrachten, könne man das nicht analysieren.

Sicherheit auch Thema im Wahlkampf

Immerhin spielte das Thema Sicherheit auch im Bürgermeisterwahlkampf vor eineinhalb Jahren eine große Rolle. Zuletzt schaffte sich die Polizei einen Kommunalen Ordnungsdienst an, der das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken soll.

Mit dessen Arbeit ist zumindest Bürgermeister Dimitrios Axourgos zufrieden. „Der Kommunale Ordnungsdienst leistet in Schwerte gute Arbeit und erhöht mit seiner Präsenz sowohl in der Innenstadt als auch in den Ortsteilen das Sicherheitsempfinden. Mit der Einrichtung des Ordnungsdienstes habe ich ein Versprechen aus meinem Wahlkampf eingelöst und bin die Wünsche vieler Menschen in Schwerte gerecht geworden. Außerdem funktioniert Ordnungspartnerschaft mit der heimischen Polizei einwandfrei. Wichtig ist mir beim Thema Sicherheit übrigens, dass wir in den nächsten Jahren auch unsere Feuerwehr stärken“, erklärte er auf die Anfrage der Redaktion. Die Mitarbeiter, die vermehrt Streife gehen und Präsenz zeigen sollen, sind aber auch für Verkehrsknöllchen zuständig.

Fremdes macht vielen Menschen Angst

Der Stadtpark ist übrigens ein gutes Beispiel, wie unser Sicherheitsgefühl funktioniert. Der Kriminalitätspsychologe Christian Pfeifer erklärte im vergangenen Jahr, dass das Sicherheitsgefühl da leidet, wo einem Fremde und Unbekanntes begegnet. Das muss nicht mit einer realen Bedrohung einhergehen. Deshalb sinke übrigens deutschlandweit das Sicherheitsgefühl bei sinkenden Kriminalitätszahlen.

Lesen Sie jetzt