Bravo TV, Verbotene Liebe, Soko Köln: Die gebürtige Schwerterin Kerstin Kramer war bereits in vielen Fernsehsendungen zu sehen. Seit 2007 ist sie Ensemble Mitglied im Theater Freudenhaus.

von Julia Dolinsky

Schwerte

, 31.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Serie „Menschen aus Schwerte“ interviewen wir ehemalige Schwerterinnen und Schwerter. In dieser Ausgabe stellen wir der Schauspielerin Kerstin Kramer Fragen zu ihrer Heimat, ihrer Karriere als Schauspielerin und ihrem sozialen Engagement.

Wieso sind Sie damals aus Schwerte weggegangen?

Als ich 2000 bei der damaligen ARD-Soap „Verbotene Liebe“ im Hauptcast engagiert wurde, konnte ich mir nicht vorstellen meine Familie und Heimat zu verlassen. Also pendelte ich zwischen Unna und Köln, was sehr kräftezehrend war. Oft kam es vor, dass ich einen Nacht-Außendreh hatte und am nächsten Morgen schon wieder um sieben Uhr in der Maske sein musste, um gegen acht Uhr im Studio vor der Kamera zu stehen. Schweren Herzens zog ich dann schließlich doch nach Köln.

Fühlen Sie sich noch als „Schwerterin“?

Durch meine Arbeit am Theater Freudenhaus in Essen habe ich meine große Verbundenheit zur Ruhrgebietskultur entdeckt. So fühle ich mich generell mehr als Ruhrgebietlerin, nicht speziell als Schwerterin.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Schwerte?

Meine schönste Erinnerung verbinde ich mit dem Marienkrankenhaus - abgesehen davon, dass ich selbst dort geboren wurde - habe ich dort die Geburt meines Neffen miterleben dürfen. Das war einfach unvergesslich und unglaublich schön.

Würden Sie sagen, Sie hatten eine normale Jugend?

Absolut! Ich durfte eine unbeschwerte und glückliche Kindheit verbringen. Wir waren frei und streiften durch Feld, Wald und Wiesen. Ich bedauere etwas, dass meine Tochter da weniger Freiraum hat und mit U-Bahnen und sechsspurigen Straßen groß wird.

Sie wurden deutsche Meisterin und Vizemeisterin im Paar- und Solotanz. Hatten Sie danach genug vom Tanzen?

Obwohl ich mit Anfang zwanzig dem Tanzen als Leistungssport den Rücken gekehrt habe, hat mich das Tanzen beruflich immer weiter begleitet. In der ARD-Soap „Verbotene Liebe“ habe ich eine Tänzerin gespielt und vor der Kamera getanzt. Im Theater habe ich ebenso viele Stücke gespielt, in denen ich tanzen musste. Auch heute spiele ich noch das Stück, „Ladies Night“ im Fischer & Jung Theater, in dem ich tanze.

Was haben Ihre Eltern von ihren Plänen Theaterpädagogin zu werden gehalten?

Die Ausbildung zur Theaterpädagogin habe ich nur „nebenbei“ gemacht . Das war nie Thema für meine Eltern. Aber die Wahl Schauspielerin zu werden, hat sie schon beschäftigt. Das Künstlerleben ist ja nicht immer nur schillernd und leider auch sehr unbeständig. Ich komme aus einem soliden Handwerkerhaushalt und für meine Eltern war mein Alltag immer sonderbar. Aber sie waren auch unglaublich stolz auf mich und haben mich immer unterstützt. Sehr amüsant finde ich, dass meine Mutter sich hat nie davon abbringen lassen, mir bei Heimatbesuchen ein Care-Paket mitzugeben - aus Sorge, ich könnte verhungern.

Wie war Ihr erstes Mal vor der Kamera. Waren Sie sehr nervös?

Nervös ist kein Ausdruck! Ich war gerade neunzehn Jahre alt geworden, kurz vor dem Abitur und hatte mein erstes Engagement als Moderatorin für den Kindersender Nickelodeon. Es war eine Live-Sendung und ich hatte solche Puddingbeine, da habe ich wirklich gedacht, ich kriege kein Wort heraus. Aber wie das so mit dem Lampenfieber ist, kaum macht man den ersten Schritt, sagt den ersten Satz, verschwindet es allmählich - so lief dann doch alles gut.

Heute machen Sie viel am Theater. Was gefällt Ihnen dort besser, als im Fernsehen?

Ich fühle mich auf der Bühne einfach wohler, als am Filmset. Die Kamera hält alles fest und ich kann es dann auch später selbst ansehen - das mag ich aber gar nicht. Das ist wie mit Anrufbeantwortern, auf denen man die eigene Stimme hört und denkt: „Oh je, so höre ich mich an?!“. Auf der Bühne geht es darum, dem Publikum einen tollen Abend zu bereiten und wenn das gelingt, bin ich einfach glücklich.

Sie sind außerdem Schirmherrin des Ronald McDonald-Hauses Bad Oeynhausen. Wie kam es dazu?

Als ich im Hauptcast der ARD-Soap „Verbotene Liebe“ war, habe ich für das Ronald McDonald-Haus in Bad Oeynhausen bei einem Presse-Event mitgemacht und die damalige Hausleiterin kennengelernt. Am Ende der Veranstaltung hat sie mich gefragt, ob ich mir eine dauerhafte Zusammenarbeit vorstellen könnte. Da mich die Arbeit, die dort geleistet wird, beeindruckt hat, habe ich nicht lange gezögert und zugesagt. Seitdem unterstütze ich das Haus.

Welche Aufgaben übernehmen Sie im Rahmen dessen?

Fester Termin ist jedes Jahr das Sommerfest, wo ich die Tombola moderiere. Ich habe über die Jahre hinweg auch andere Events für das Haus moderiert, oder bin bei offiziellen Scheckübergaben dabei. Eben Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit. Ich würde mich gerne darüber hinaus noch mehr einbringen, aber die Distanz zwischen Köln und Bad Oeynhausen ist leider zu groß, um mal eben hinzufahren.

Welche Rollen spielen Sie am liebsten?

Ich liebe Komödien. Es gibt nichts Schöneres, als zu erleben, wie das Publikum vor Lachen ganz aus dem Häuschen ist!

Und was inspiriert Sie?

Das Leben! Wenn man aufmerksam durch die Welt läuft, gibt es überall spannende Momente zu erleben und inspirierende Menschen zu beobachten.

An welchem Theater, an dem Sie noch nicht gespielt haben, würden Sie gerne einmal spielen und warum?

Das Theater Freudenhaus in Essen ist mein Theater-Zuhause und ich bin dort glücklich, da stellt sich mir diese Frage gerade gar nicht. Mein Wunsch für die Zukunft liegt eher außerhalb des Theaters - seit einigen Jahren ist das Schreiben mein Tätigkeitsschwerpunkt. Ich arbeite unter anderem für die RTL-Soap „Alles was zählt“ als Autorin und entwickle gerade mit einer Kollegin eine eigene Kinderserie - ich würde mir wünschen, dass diese Serie irgendwann realisiert wird und tatsächlich im TV läuft.

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