Die Aufnahme des Wolfs in der Wildtier-Fotofalle in Werne. © Hegering Werne/Kress
Wolfssichtung

Wolf im Kreis Unna gesichtet: Wäre eine Ansiedlung in Schwerte möglich?

In Werne wurde im März mit einer Fotofalle ein Wolf abgelichtet. Das Tier war auf der Durchreise, jetzt stellt sich die Frage, wohin – und: Könnten sich Wölfe auch in Schwerte ansiedeln?

Dass der Wolf nach NRW zurückgekehrt ist, das ist schon lange bekannt. Feste Wolfsgebiete gibt es in Schermbeck am nördlichen Rand des Ruhrgebietes, in Senne bei Bielefeld, im Oberbergischen Land sowie im Hohen Venn in der Eifel. Doch auch im Kreis Unna ist der Vorfahr der Hunde unterwegs.

Erst im März wurde nachweislich ein Wolf in Werne gesichtet. Das Tier tappte in eine Wildtier-Fotofalle, die eine Privatperson auf ihrem Grundstück zwischen Werne und Südkirchen aufgestellt hatte. Grund zur Annahme, dass das Tier sesshaft werden könnte, besteht aber laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) nicht. „Wir gehen davon aus, dass das Tier durchgewandert ist“, sagt Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann.

Das Bild sei zunächst einmal nur das, was es eben sei: eine Aufnahme des Wolfes. Es ließe sich auf dem Bild auch nicht erkennen, um welches Tier es sich handele. Somit bleibt das Geschlecht unbekannt und auch die Tatsache, ob es sich dabei um ein Tier handelt, das ein neues Territorium ergründen will.

Keine weiteren Nachweise vorhanden

„Es gibt einem nur die Information, dass der Wolf zu diesem Zeitpunkt dort gewesen ist. Man könnte mehr sagen, wenn es innerhalb eines kurzen Zeitraums mehrere Bilder gäbe oder einen Rissvorfall.“ Durch diesen ließen sich nämlich DNA-Spuren nehmen. „Würden diese Nachweise räumlich und zeitlich zusammenpassen, könnte man mehr dazu sagen.“

Wie wahrscheinlich wäre es, dass sich ein Jungtier im Raum Schwerte niederlässt, um ein eigenes Territorium zu erschließen? Wilhelm Deitermann verweist auf eine Bewertung des Bundesamtes für Naturschutz (Bfn): „Das Bfn hat ausgewertet, wo in Deutschland sich geeignete Habitate finden ließen.“

Faktoren, die hierbei mit einbezogen wurden, sind unter anderem die Distanz zu Straßen und Siedlungen, die Einwohnerdichte und Landnutzung – aber auch der Vergleich zu bereits vorhandenen Wolfsgebieten. Das Ergebnis: Das südöstliche Ruhrgebiet ist als Habitat geeignet, das Ruhrgebiet und auch die Randregionen laut der Auswertung nicht.

Die Studie räumt jedoch auch ein, dass es Rudel gibt, die sich außerhalb vorhergesagter Gebiete angesiedelt haben – ein Beispiel dafür ist das Gebiet in Schermbeck. „Es ist davon auszugehen, dass Wölfe zuerst die am besten geeigneten Gebiete besiedeln und sich dann nach und nach in Gebiete ausdehnen, die dem Habitat nach weniger geeignet sind, jedoch ebenfalls Rückzugsgebiete und eine ausreichende Nahrungsgrundlage bieten“, heißt es in der Studie.

Wölfe entscheiden am Ende selbst

„Am Ende entscheiden das die Wölfe selber“, sagt auch Wilhelm Deitermann. „Im städtischen Raum wird sich sicher kein Wolf ansiedeln, aber durchaus am Rande urbaner Räume.“ Wichtig seien vor allem gute Versteckmöglichkeiten für die Chance, ein Rudel zu bilden.

Bei aller Spekulation gibt es aber eine Tatsache in Bezug auf die scheuen Tiere: Wölfe gibt es bereits in Ergste. Denn der Wolf ist der Namensgeber der Fußballjugend der SG Eintracht Ergste 1884 e.V.. Der Schlachtruf der jungen Wölfe sagt es bereits:

„Ergster Wölfe das sind wir,spielen gerne Fußball hier –uuuuuuuh (Wolfsgeheul).“

Diese Graupelze treiben sich mit Sicherheit in Schwerte herum: die Ergster Wölfe, Fußballjugend der SG Eintracht Ergste 1884 e.V..
Diese Graupelze treiben sich mit Sicherheit in Schwerte herum: die Ergster Wölfe, Fußballjugend der SG Eintracht Ergste 1884 e.V.. © sportleys © sportleys

Die Geschichte hinter der Namensgebung liest sich in einer der vielen Sagen, die sich um das Ruhrgebiet drehen. Ein böser Zauberer soll als Werwolf in Ergste sein Unwesen getrieben haben – bis ihn ein paar tapfere Bauern verbrannten. Sie begruben ihn bei der Kirche und sein klagendes Heulen soll man noch immer jede Nacht hören können.

Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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