Zahl der Verkehrstoten im Kreis Unna fast verdreifacht

hzUnfallstatistik

Elf Tote in Folge von Unfällen – das waren 2019 fast dreimal so viele wie 2018. Besonders sorgt sich die Polizei um Senioren. Sie sind nämlich am häufigsten Todesopfer.

Kreis Unna

, 25.02.2020, 17:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf den Straßen im Kreis Unna kamen im Jahr 2019 elf Menschen ums Leben. Das sind fast dreimal so viele wie 2018 (4). Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten Unfallstatistiken der Polizei hervor. Meist waren die Toten Senioren. Besonders tragisch daran: „Schaut man sich den Hergang dieser Unfälle an, dann muss man feststellen: Vielen dieser Unfälle könnten wir selbst mit stärkeren Kontrollen nicht begegnen“, so Direktionsleiter Stephan Werning von der Kreispolizeibehörde Unna.

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Eine 86-jährige Frau überquert die Fahrbahn mit ihrem Rollator, wird von einem Autofahrer übersehen. Ein 82-jähriger Mann will mit seinem Rad links abbiegen, wird von einem Autofahrer hinter ihm übersehen und erfasst. Eine 86-Jährige wird auf dem Gehweg überfahren, als ein Kleintransporter einen Parkplatz verlassen will. Ein Lastwagenfahrer rangiert auf einem Parkplatz, übersieht dabei eine 87-jährige Fußgängerin.

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Senioren häufig unter den Todesopfern

Auf den Straßen im Kreis Unna kamen im Jahr 2019 elf Menschen ums Leben; meist waren Senioren unter den Todesopfern, besonders tragisch war ein Verkehrsunfall in Lünen mit zwei Toten – darunter auch ein Kleinkind.
25.02.2020
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Eine 86-jährige Frau kam am 14. Februar an der Jahnstraße in Bergkamen ums Leben: Sie querte mit ihrem Rollator die Fahrbahn, ein Autofahrer übersah sie in der Dunkelheit des Abends und erfasste sie mit seinem Fahrzeug (Symbolfoto). © dpa
Am 26. Februar 2019 wurde ein Radfahrer (83) aus Kamen beim Zusammenstoß mit einem Auto auf der Lünener Straße im Bereich der Kreuzung Hilsingstraße tödlich verletzt: Der Mann wollte mit seinem Rad nach links abbiegen, wurde dabei nach Erkenntnissen der Polizei von dem hinter ihm fahrenden Auto übersehen.© Michael Neumann / Archiv
Auf dem Käthe-Kollwitz-Ring in Unna wurde am Nachmittag des 7. Mai eine 86-jährige Frau tödlich verletzt. Sie war mit ihrem Rollator auf dem Gehweg unterwegs und wurde von dem Fahrer eines Kleintransporters übersehen, der einen Parkplatz verlassen wollte (Symbolfoto).© Frank Bock
Auf der Pelkumer Straße in Bönen ist am 11. Juli 2019 eine 23-jährige Fahrerin mit ihrem Auto von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Sie hatte keine Chance. Laut Polizei gab es "Anzeichen für die Nutzung eines Handys" am Steuer.© VN24.nrw
Der Fahrer dieses Wagens hatte nach einem Frontalzusammenstoß mit einem Lastwagen keine Chance: Der 46-jährige Mann aus Hamm war am Morgen des 23. Juli 2019 auf der Stockumer Straße in Werne in den Gegenverkehr geraten. Die Ursache ließ sich nicht zweifelsfrei klären. © Feuerwehr Werne / Archiv
An der Moltkestraße in Lünen sind bei einem schweren Unfall Ende Oktober 2019 eine junge Mutter (20) und ihr vierjähriger Sohn ums Leben gekommen, der Vater (20) und die zweijährige Tochter kamen schwer verletzt in ein Krankenhaus.© Quiring-Lategahn / Archiv
Tödlicher Unfall mit einem Fußgänger am Abend des 16. Novembers 2019: Ein 77-jähriger Mann aus Schwerte war zu Fuß an der Hagener Straße unterwegs, als er von einem Auto aus zunächst ungeklärter Ursache angefahren wurde. Er überlebte den Zusammenstoß nicht.© Bernd Paulitschke / Archiv
Am 3. Dezember kam an der Nordlippestraße in Werne ein Fußgänger (76) ums Leben: Er querte die Fahrbahn an einem Kreisverkehr und wurde von einem Auto erfasst. © Jörg Heckenkamp / Archiv
Am 14. Dezember 2019 wurde auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Schwerte eine 87-jährige Fußgängerin mit ihrem Rollator von einem Lastwagen erfasst – sie starb noch an der Unfallstelle.© Bernd Paulitschke / Archiv

Es sind Unfälle wie diese, die der Polizei im Kreis Unna zunehmend Sorgen bereiten. Weil sie erstens machtlos dagegen ist. Und zweitens mitunter verhältnismäßig leichte Unfälle fatale Auswirkungen haben. „Manchmal hätte es möglicherweise gereicht, den Sturz mit den Armen abzufedern“, so Werning. Senioren aber fehlten oft die körperlichen Fähigkeiten – mit tödlichen Kopfverletzungen als Folge.

Zahl der Toten und Schwerverletzten tendenziell rückläufig

Die Zahl der Verkehrstoten ist 2019 sowohl im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde Unna als auch in Lünen gestiegen – die Lippestadt ist organisatorisch an das Polizeipräsidium Dortmund angegliedert. Landrat Michael Makiolla aber betonte im Rahmen der Pressekonferenz in Unna, dass „die Zahl der Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr sich seit Jahren tendenziell verringert“ habe. Den kreisweiten Höchststand an Verkehrstoten in den vergangenen zehn Jahren wies die Statistik für 2011 mit damals 16 Getöteten aus.

Im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde Unna nahmen die Beamten 2019 statistisch betrachtet fast jede Stunde einen Verkehrsunfall auf. Das waren in Summe 8616 Unfälle, womit sich die Zahl in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (+30) bewegt hat. Als Hauptunfallursachen nennt die Statistik Fehler beim Abbiegen (655), Missachtung der Vorfahrt (255) und Abstandsverstöße (179); wobei Polizeirat Stephan Werning einräumt: „Ich glaube, Ablenkung ist eine der wesentlichen Unfallursachen, mit denen wir es zu tun haben.“ Denn nicht immer lässt sich die Unfallursache zweifelsfrei klären. So tauchen in der Statistik der Hauptunfallursachen 1613 Fälle sogenannter „anderer Fehler“ gar nicht auf.

Hohe Dunkelziffer: Ablenkung eine der Hauptunfallursachen

Wie folgenschwer Ablenkung sein kann, zeigt das Beispiel des tödlichen Verkehrsunfalls, der sich im Juli 2019 in Bönen ereignete: Eine 23-jährige Frau kam mit ihrem Auto von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum; bei der Unfallaufnahme fanden die Beamten neben dem Fahrzeug ein Handy mit begonnener Textnachricht. „Anzeichen für die Nutzung eines Handys“, nannte Werning das im Rahmen der Pressekonferenz. Denn auch wenn der Zusammenhang noch so nahe liegt, zweifelsfrei beweisen lässt er sich in der Regel nicht.

Aus der Statistik

Drei Verkehrstote in Lünen

  • In Lünen – die Stadt liegt im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Dortmund – zählte die Polizei im Vorjahr 4031 Verkehrsunfälle; gegenüber 2018 waren das 295 beziehungsweise 6,8 Prozent weniger.
  • Dabei kamen auch weniger Menschen zu Schaden: Insgesamt ereigneten sich 273 (-8,1 Prozent) Verkehrsunfälle mit Verletzten, bei denen 45 Menschen (-26,2%) schwer und 303 (-4,7 %) leicht verletzt wurden.
  • Drei Menschen starben im Jahr 2019 auf Lünens Straßen: Besonders tragisch war der Unfall Ende Oktober 2019, als eine junge Familie an der Moltkestraße verunglückte, die 20-jährige Mutter und ein vierjähriges Kind ums Leben kamen – der Vater und ein weiteres Kind überlebten schwer verletzt.

Die Unfallstatistik der Kreispolizeibehörde Unna fördert aber auch Erfreuliches zu Tage. Die Zahl der Verletzten insgesamt (1072) ist gegenüber 2018 um fast sieben Prozent gesunken. Besonders erfreulich nannte Stephan Werning den rückläufigen Anteil von Radfahrern (2019: 211, -21 Prozent), die aber immer noch jeden fünften Verunglückten ausmachen. Deutlich rückläufig war 2019 auch die Zahl der verunglückten Kinder bis 14 Jahren: 2018 waren es 125, im Jahre 2019 nur noch 89 – das entspricht einem Rückgang um 28,8 Prozent.

Präventionskonzepte der Polizei zeigen Wirkung

Zahlen wie diese belegen auch, dass die Präventionsbemühungen der Polizei durchaus Wirkung zeigen. „Crash-Kurs“, Radfahrausbildung von Viertklässlern und Schulwegbegleitung von Erstklässlern sind Stichworte der Verkehrserziehung, auf die die Kreispolizeibehörde auch im laufenden Jahr verstärkt setzen will. Aber auch auf der Straße werden die Beamten verstärkt präsent sein. Je höher der Kontrolldruck, desto größer ist die Gefahr, erwischt zu werden: ob zu schnell, abgelenkt durchs Handy oder sogar berauscht im Straßenverkehr. Je mehr solcher Verkehrssünder buchstäblich aus dem Verkehr gezogen werden, desto größer ist am Ende der messbare Erfolg in der Verkehrsunfallstatistik.

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