Zehn Jahre später: „Ich bin froh, dass mein Kind hier geboren wurde“

hzWas aus ihnen wurde

Vor zehn Jahren kam Zeinab Arab aus Afghanistan nach Deutschland, sie flüchtete vor der Zwangsheirat. Ihre Familie kam nach. Heute lebt die 30-Jährige ein neues, selbstbestimmtes Leben.

Schwerte

, 23.08.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor fünf Jahren stellten die Ruhr Nachrichten in einer Serie Menschen vor, die nach Schwerte geflüchtet waren. Wir fragten jetzt wieder nach, was aus ihnen geworden ist. Heute: Zeinab Arab.

Seit zehn Jahren ist Zeinab Arab (30) jetzt in Deutschland. Sie flüchtete aus Afghanistan, um dort der Zwangsehe zu entgehen. Ihre Familie folgte ihr. So geht es der Geflüchteten heute.

Sie ist glücklich darüber, aus Afghanistan fort zu sein. Sie weiß, welche Vorteile ein Leben in Deutschland hat, nicht nur für sie, auch für ihre Tochter Raha (3). Für Raha hat vor wenigen Tagen der Kindergarten begonnen, sie ist noch in der Eingewöhnungsphase.

Vor Zwangsheirat geflohen

Doch nicht immer war das Leben von Zeinab Arab so, dass sie selbstbestimmt leben konnte. Ihr Onkel, „ein einflussreicher Mann“ wollte sie mit ihrem 20 Jahre älteren Cousin verheiraten, weil dieser trotz drei Ehefrauen, keinen männlichen Nachkommen hatte. Sie sollte ihm den ersehnten Nachfolger gebären. Doch daraus wurde nichts.

Nach der Verlobungsfeier flüchtete die damals 20-Jährige. Von Afghanistan aus ging es für die junge Frau in den Iran, dann weiter in die Türkei, mit einem kleinen Boot nach Griechenland und dann Deutschland. „Wir sind auch viel zu Fuß gegangen“, sagt sie. In Athen saß sie mit anderen Geflüchteten sogar im Gefängnis, eine Woche lang.

Tochter kennt ihren Vater nicht

Nach ihrer Flucht aus Afghanistan folgte ihr die Familie, und so landeten schließlich alle zusammen in Schwerte. In Deutschland angekommen hatte sie schnell, schon nach drei Monaten, ihre Aufenthaltsgenehmigung. In der Liebe hatte sie hingegen Pech: Zuerst hatte sie in der neuen Heimat einen Mann kennengelernt, doch daraus wurde nichts.

Dann heiratete sie einen Engländer, der in England lebt und der Vater ihrer Tochter ist. Nur dreimal war sie auf der Insel: „Meine Tochter kennt ihren Vater nicht“, sagt sie. Heute lebt die 30-Jährige in Scheidung.

Drei Jahre lang war Zeinab Arab Zuhause bei Ihrer Tochter und hat sich um sie gekümmert. Bald möchte die junge Mutter wieder arbeiten gehen. Am liebsten in ihrem alten Job, den sie ausgeübt hat, bevor sie schwanger wurde. „Ich habe vier Jahre in einer Bäckerei gearbeitet, mit einem Café und Mittagstisch“, sagt sie.

„Sie kann selbst entscheiden“

Noch wartet Zeinab Arab auf ihren Blauen Pass, den Reisepass für Geflüchtete. „Ich warte noch auf meinen Deutschen Pass, aber den bekommt man nur, wenn man Vollzeit arbeitet. Den Sprachkurs B1 habe ich. Und den Einbürgerungstest habe ich auch bestanden“, sagt sie stolz. Mittlerweile wohnt sie mit ihrer Tochter in Hagen.

Auch ihre jüngere Schwester Shila Arab (25) wohnt in dem Gebäudekomplex. Zeirab Arab ist froh, dass ihre Tochter in Deutschland aufwächst und ein selbstbestimmtes Leben führen darf. „Sie kann selbst entscheiden, anders als bei uns“, sagt sie. „Ich bin froh, dass mein Kind hier geboren wurde.“

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