Robin Coerdt wollte ursprünglich nie für die SG Selm spielen. An den Gründen hat sich eigentlich nichts geändert. © Timo Janisch
Fußball

Coerdt-Brüder wechseln zur SG Selm, obwohl der Verein bis zuletzt ein Tabu-Thema war

Robin und Kevin Coerdt wechseln im Sommer zur SG Selm – obwohl die beiden nach wie vor eigentlich nicht für den Verein spielen wollten. Nun erklären die Brüder, weshalb es doch zum Wechsel kam.

Die Coerdt-Brüder Robin und Kevin spielen ab Sommer für Fußball-A-Ligist SG Selm. Nach Stationen bei Union Lüdinghausen, Westfalia Wethmar und beim BV Brambauer kehrt das Brüderpaar zu dem Verein zurück, für dessen aktuelle Verantwortlichen sie eigentlich nie mehr spielen wollten.

11 und 13 Jahre alt seien die Brüder gewesen, als sie von der damaligen DJK GW Selm nach Waltrop wechseln wollten. Doch die Verantwortlichen hätten ihnen mit dem Verweigern der Freigabe und einer entsprechenden Sperre gedroht, berichtet Robin Coerdt.

Der heute 26-Jährige spielt gemeinsam mit seinem Bruder Kevin ab Sommer wieder für den Verein, der 2010 mit dem BV Selm zur SG fusionierte. Die Erinnerungen an den Abschied als Jugendlicher sind noch sehr präsent.

Robin Coerdt: Trennung im Zorn

„Da sind wir mehr oder weniger im Zorn gegangen. Eigentlich wollten wir nicht wieder dahin, solange die Verantwortlichen noch im Amt sind. Das war tabu“, sagt Robin Coerdt.

„Eigentlich wollten wir nicht wieder dahin, solange die Verantwortlichen noch im Amt sind. Das war tabu.“

Damals Mit-Verantwortlicher bei GW und heute Vorsitzender der SG Selm: Georg Hillmeister. „Die Verantwortlichen sind zwar noch da, aber wir haben uns plattquatschen lassen“, sagt Robin Coerdt. Er fügt hinzu: „Wenn das nicht klappt, ist Brambauer mein erster Ansprechpartner.“

Trotzdem überzeugt von einem Wechsel haben die beiden Brüder vor allem ihre vielen Freunde, die bei der SG spielen. „Wir sind hier aufgewachsen und all unsere Freunde spielen hier“, sagt Kevin Coerdt.

„Es war eine Entscheidung für meine Kumpels“, pflichtet sein älterer Bruder ihm bei. Seine fünf, sechs besten Freunde spielen bei der SG Selm, dazu zählen etwa Alexander Schwegler und Dimitri Rutkovski aus der ersten Mannschaft.

„Ich habe gemerkt: Alle gehen nach Selm zum Platz, nur ich fahre nach Brambauer“, so Robin Coerdt. Das lag es nahe, wieder in der Heimat die Fußballschuhe zu schüren.

Beim BV Brambauer fühlten sich Robin (3.v.l.) und Kevin Coerdt (3.v.r.) eigentlich wohl. Bei den Lüner Hallenstadtmeisterschaften 2019 holten sie sogar überraschend den Titel.
Beim BV Brambauer fühlten sich Robin (3.v.l.) und Kevin Coerdt (3.v.r.) eigentlich wohl. Bei den Lüner Hallenstadtmeisterschaften 2019 holten sie sogar überraschend den Titel. © Timo Janisch © Timo Janisch

Seit 1999 wohnen die Brüder in Selm, also den Großteil ihres Lebens. Kevin hat es zwar zwischenzeitlich nach Lünen gezogen, seit Januar wohnt aber auch er wieder in Selm.

Da der jüngere der beiden Offensivspieler zudem im Sommer seine Meisterschule mit Abendschule beginnt, kommt ihm eine sportliche Herausforderung nahe am Wohnort sehr gelegen.

Kevin Coerdt will in die Bezirksliga mit der SG Selm

„Wir haben Selm immer im Auge gehabt und geguckt, was sie machen“, sagt Kevin Coerdt. Er weiß um die Ambitionen seines neuen Klubs: „Das Ziel der SG Selm ist es seit Jahren, endlich wieder in die Bezirksliga hochzugehen, was leider nie geklappt hat.“

Die Brüder wollen nun ihren Beitrag dazu leisten, dass es wieder etwas wird mit überkreislichem Fußball am Sandforter Weg. „Unser Ziel ist es auf jeden Fall, wieder in der Bezirksliga zu spielen. Und das mit meiner Heimatstadt Selm wäre natürlich megageil“, sagt Kevin Coerdt.

Ähnlich sieht es Robin. „Eigentlich muss der Aufstieg Pflicht sein. Was man erreichen kann, sollte man auch in Angriff nehmen“, sagt der Flügelspieler. Wenn der Liga-Betrieb wieder startet, muss er allerdings erstmal den Rest seiner Zwölf-Spiele-Sperre absetzen.

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freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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