Weihnachtshund von Selm: Der bekannteste Vierbeiner der Stadt arbeitet im Altenheim

hzAltenwohnhaus St. Josef

Sein Mantel ist rot mit weißem Plüschbesatz - wie der des Weihnachtsmanns. Dabei steckt ein kleiner, schwarzer Hund darin: Pino, der bekannteste Vierbeiner der ganzen Stadt.

Selm

, 24.12.2019, 10:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vermisst jemand diesen Hund? Fotos mit solchen Fragen finden sich regelmäßig in der Selmer Facebook-Gruppe „Was in Selm passiert“. Antworten gibt es oft auch, aber noch nie so viele wie im August 2015.

„Kennt jemand diesen Rüden, gefunden Kreisstraße/Ecke Brückstraße“, hatte eine Frau geschrieben und dazu das Bild veröffentlicht. Es zeigt ein etwa 30 Zentimeter kleines, schwarzes Tier mit großen, neugierigen Augen, schwarzer Nase und weißer Brust. Im Nu hagelte es Antworten, am Ende 33. Alle haben denselben Inhalt: „Das ist Pino“, „Pino, der Ausreißer“, „der Hund vom Altenheim St. Josef“.

Auch der Busfahrer kennt Pino

Barbara Baumann lacht, als sie das erzählt. „Den Pino kennen eben alle.“ Auch der Busfahrer, der nicht weiterfuhr, als Pino an der Haltestelle eingestiegen war. Nicht weil das Tier keinen Fahrschein hatte, sondern weil es die 120 Bewohner und ebenso viele Mitarbeiter des Altenwohnhauses unmöglich allein lassen kann. „Er gehört einfach zu uns“ - und das seit zehneinhalb Jahren.

Weihnachtshund von Selm: Der bekannteste Vierbeiner der Stadt arbeitet im Altenheim

Barbara Baumann mit Pino vorm Tannenbaum ihres gemeinsamen Arbeitsplatzes: dem Altenwohnhaus St. Josef. © Foto Sylvia vom Hofe

Der Moment der ersten Begegnung ist unvergessen. „Eine Kollegin war hier mit einem Korb mit Welpen vorbeigekommen“: winzig kleine Malteser-Shih-Zu-Mischlinge. Süß waren sie alle. Auch sehr lebhaft - bis auf eine Ausnahme: der tiefenentspannte Pino. Eine Charaktereigenschaft des Hundes, an der sich bis heute nichts geändert hat, wie Barbara Baumann versichert. „Er kläfft nicht, regt sich nicht auf, ist nicht aggressiv und reagiert auch auf andere Hunde gelassen.“

Pino kommt mit Barbara Baumann zur Arbeit und macht mit ihr Feierabend. Dazwischen macht er sein eigenes Ding. Das Körbchen unter Schreibtisch seines Frauchens bleibt meistens leer, denn er hat zu tun: Senioren besuchen. Zum Beispiel das Ehepaar Napierala.

Hund fährt Aufzug und macht Besuche

„Da bist du ja“, begrüßen ihn die beiden, als der Vierbeiner durch die geöffnete Tür in ihr Zimmer hineinschaut. Ein Leckerchen aus der eigens für ihn besorgten Tüte, ein paar Streicheleinheiten, dann macht sich der Hund wieder auf den Weg zu den nächsten. „Er ist hier immer ganz eigenständig unterwegs“, erzählen die Eheleute, „mal über die Treppe, gerne auch mit dem Fahrstuhl“. Gerne begleite er sie oder andere auch auf Spaziergängen. Oder gehe alleine raus, was ihm Frauchen Baumeister eigentlich streng verboten hat - damit Pino nicht doch noch verloren geht.

An den Weihnachtstagen wird das kaum passieren. Ein kleiner Hund im strahlend roten Weihnachtsmannkostüm ist dafür einfach zu auffällig. Barbara Baumann streichelt über das Mäntelchen mit Klettverschluss. Das trägt Pino zu Weihnachten bereits, seit er auf der Welt ist.

Für alle ein Gesprächsthema: Hund im Haus

Selbst die älteren Leute, die Pino nicht ohnehin schon ins Herz geschlossen hätten, müssten bei dem Anblick schmunzeln. „Und ins Gespräch kommen eigentlich alle, selbst die, die nur erzählen wollen, dass sie Hunde nicht mögen“ - eine Minderheit.

Weihnachtshund von Selm: Der bekannteste Vierbeiner der Stadt arbeitet im Altenheim

Die Bewohner freuen sich, wenn Pino zu Besuch kommt. © Foto Sylvia vom Hofe

Und auch auf die, die gar nicht mehr sprechen, hat Pino Wirkung. Das war schon ganz am Anfang so, als er nicht mehr als ein fiependes dunkles Wollknäuel war und mit seinen Geschwistern im Korb lag.

Als die Frau im Koma lächelte

„Wir hatten damals eine Patientin im Haus, die im Koma lag“, erinnert sich Barbara Baumeister. Von der Frau sei bekannt gewesen, dass sie früher Hunde liebte. Vorsichtig hätten die Kolleginnen ihr einen Welpen ins Bett gelegt. Und plötzlich habe die, die in völliger Bewusstlosigkeit lag, gelächelt.

Baumann und das Betreuerteam haben das später wiederholt: wieder das Lächeln. Seitdem steht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest: „Tiere öffnen Welten“ - auch zu Menschen, die sich aufgrund einer Demenz oder einer anderen Krankheit zurückgezogen haben.

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