Aufatmen in Selm: Rettung in letzter Minute für das Gasthaus Suer

hzGasthaus Suer

Das ist eine Nachricht, die viele aufatmen lässt: Das Gasthaus Suer, die letzte Kneipe der Altstadt, bleibt doch erhalten. Und das, obwohl der neue Pächter erst im November abgesprungen war.

Selm

, 20.12.2019, 16:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Stunden dauerte die letzte Ratssitzung des Jahres im Bürgerhaus. Ganz zum Schluss, als alle Tagesordnungspunkte erledigt waren, sagte Bürgermeister Mario Löhr den bemerkenswerten Satz: „Das Gasthaus Suer wird es auch 2020 noch geben.“

Achterbahnfahrt der Gefühle zum Jahresende

Danach hatte es zuletzt nicht ausgesehen. Dabei schien im November ein Pächter gefunden worden zu sein. Stefan Suer und seine Frau Mary, die Eigentümer und Betreiber der Selmer Traditionsgaststätte, hatten den Stammgästen damals bereits die frohe Kunde mitgeteilt, nachdem viele Monate zuvor die Suche nach einem Nachfolger ergebnislos geblieben war.

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Wenig später folgte der Schock: Der Interessent, dem es so ernst schien, war wieder abgesprungen - und die Zukunft stand wieder offen.

Im Mai hatte das Wirtsehepaar Suer öffentlich gemacht: „Zum Jahresende schließen wir.“ Das Ende einer 350-jährigen Familientradition. Stefan Suer und seine Frau wollten noch etwas von sich haben, hatte der End-Fünfziger damals erklärt. Das sei nicht möglich, wenn man von morgens bis in die Nacht hinterm Tresen und in der Küche stehe.

Die letzte Kneipe in der Altstadt schien verloren zu sein

Den Entschluss des Ehepaars konnten viele Selmerinnen und Selmer gut verstehen. Dennoch war der Aufschrei groß, als er bekannt wurde. Denn mit dem Gasthaus neben der Friedenskirche würde Selm die letzte Kneipe in der Altstadt verlieren und eine der wenigen verbliebenen überhaupt - das jüngste Kapitel im anhaltenden Kneipensterben.

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1987 hatte der Koch Stefan Suer die Leitung des Gasthauses von seinem Vater übernommen. Damals gab es noch 32 Gastronomiebetriebe in der Stadt. In den 1960er-Jahren waren es noch mehr als 50 gewesen, heute nur noch rund zehn, wenn man großzügig rechnet.

„Suer ist das Zuhause unseres Vereins“, hatte damals Reinhard Heimann, der Vorsitzende des Männergesangvereins Selm, traurig gesagt. Sieben Monate später haben er und seine Mitsänger gerade ihre letzte Chorprobe in ihrem „Zuhause“ absolviert - zeitgleich mit der Ratssitzung. Während Bürgermeister Löhr im Bürgerhaus verkündete, dass es doch eine Zukunft für die Kneipe gebe, erfuhren Heimann und seine Kollegen es von den Suers.

Entwicklungsgesellschaft sucht einen Betreiber

Die Selmer Entwicklungsgesellschaft werde dafür sorgen, die Gastwirtschaft zu erhalten. Gespräche mit möglichen Betreibern würden geführt.

Eine gute Nachricht, so Heimann. Nach Jubel ist ihm aber noch nicht. Dafür fehlten noch zu viele Informationen - wann es tatsächlich weitergehe etwa „und ob der neue Betreiber Wert legen wird auf Vereine wie uns“, sagt der MGV-Vorsitzende.

Reinhard Jäger, der Vorsitzende der Schützenbruderschaft St. Fabian und Sebastian, findet die Entwicklung „sehr sehr gut“ nicht nur für den Verein, sondern für die gesamte Bevölkerung. Suer sei auch ein Ort, an dem Trauergesellschaften nach Beerdigungen zusammenkommen. „So etwas zu haben, ist wichtig für eine Stadt.“

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Auch wenn die Betreiberfrage noch offen ist: Mary Suer freut sich sehr, dass sich Bürgermeister Löhr für den Erhalt der Gaststätte im Ortskern erfolgreich eingesetzt habe, wie sie am Telefon sagt. Näheres wollen sie und ihr Mann erst am Montag während eines gemeinsamen Pressegesprächs mit Löhr mitteilen.

Am Montag folgen Details

Wie läuft die Zusammenarbeit? Wer trägt die Verantwortung und die Kosten? Auch der Bürgermeister verweist auf Montag, um ausführlich über das Thema zu sprechen. Nur so viel sagt er bereits im Vorfeld: Dass es wichtig sei für eine lebenswerte Stadt, nicht nur Arbeitsplätze und Wohnraum für die Bürgerinnen und Bürger vorzuhalten, sondern auch die Möglichkeit, sich gemeinsam zu treffen und Freizeit zu verbringen.

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