Hohe Temperaturen lassen nicht nur den Menschen schwitzen. Auch Haustiere leiden unter zu großer Hitze. Tierärzte geben Tipps - und warnen: Auch Tiere können einen Hitzschlag bekommen.

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Bei 32 Grad im Schatten mag Mischlingshündin Ellie aus Nordkirchen nicht vor die Tür gehen. Da können Herrchen und Frauchen locken, so viel sie wollen. Ellie ist es einfach zu heiß. Sie möchte lieber im kühlen Haus im Schatten liegen.

Die Hündin hat recht: Bei hohen Temperaturen empfehlen Tierärzte, die Hitze zu meiden. „Hundehalter sollten ganz früh morgens oder spät abends Gassi gehen“, erklärt Dr. Barbara Bonin. Die Tierärztin hat in ihrer Praxis in der letzten Woche schon mehrere Tiere behandeln müssen.

Hundepfoten bekommen auf heißem Asphalt Verbrennungen

„Ich hatte bereits einige Hunde in Behandlung, die Verbrennungen unter den Pfoten hatten. Die sind beim Spazierengehen auf heißem Asphalt entstanden“, sagt Dr. Bonin. Die Besitzer, die ja Schuhe tragen, denken oft nicht daran, wie heiß es auf dem Bürgersteig und der Straße werden kann. Also: Bei großer Hitze gehören Hundepfoten nur auf die Wiese und auf Waldwege.

Ideal ist es, wenn der Spaziergang direkt an der Haustür beginnen kann. Die Tierärztin sagt: „Man sollte unbedingt vermeiden, den Hund ins Auto zu stecken. Selbst auf kurzen Strecken ist das nicht gut für das Tier.“

Absolute „No-Gos“: Gemeinsames Joggen und Autofahrten

Auf gar keinen Fall solle man bei diesem Wetter mit seinen Vierbeinern joggen gehen. Auch wenn Herrchen oder Frauchen selbst nicht joggen: Viele Hundebesitzer fahren auf dem Fahrrad und lassen ihren Hund nebenherlaufen. Bei normalen Temperaturen ein Vergnügen für das Tier, bei großer Hitze eine Qual.

„Ich hatte auch schon vierbeinige Patienten in meiner Praxis, die einen Hitzschlag hatten. Dann kann es schnell lebensgefährlich werden“, warnt die Tierärztin. Deshalb müsse man den Tieren auch zu Hause, auf dem Hof oder im Garten die Möglichkeit geben, sich in den Schatten zu legen. Wasser sollte immer in ausreichender Menge in Reichweite stehen.

„Wenn Hunde einen Hitzschlag bekommen, liegen sie auf der Seite und bekommen extrem hohe Temperatur. Sie fallen in ein Koma. Der Hitzschlag kann zu Organversagen führen; die Tiere sterben dann auch daran“, sagt Dr. Bonin.

Viele Tiere lieben es, mit Wasser bespritzt zu werden

Optimal sei es, die Tiere auch im Garten zwischendurch mit Wasser abzukühlen. Viele Vierbeiner lieben Wasser. „Man kann das Tier mit dem Gartenschlauch abspritzen oder einen eigenen kleinen Pool hinstellen. Daran haben auch Hunde großen Spaß“, empfiehlt Dr. Barbara Bonin.

Aufpassen bei großer Hitze: Warum das Gassigehen für Vierbeiner jetzt zur Qual werden kann

Erst zum Sonnenuntergang lassen viele Pferdehalter ihre Tiere auf die Weide. © dpa

Auch Pferde lieben bei heißen Temperaturen ein kaltes Bad. Tierarzt Michael Dahlkamp aus Cappenberg erklärt: „Die mögen eine kalte Dusche genauso wie wir Menschen auch. Und ich habe noch kein Pferd gesehen, das einen Kreislaufkollaps bekommen hätte, weil das Wasser zu kalt war.“

Pferde kommen nur noch nachts auf die Weide

Bei hohen Temperaturen wie in dieser Woche werden die Pferde auf dem Hof Dahlkamp grundsätzlich nachts auf die Weide gelassen. Das ist im Sommer sowieso die bessere Alternative - allein wegen der Insekten. „In unserer Gegend ist das sehr dramatisch mit Zecken und Kriebelmücken. Viele Tiere brauchen da zusätzlichen Schutz über Ohren und Augen“, sagt der 45-Jährige.

Wenn ein Pferd einen Hitzschlag bekäme, würde es taumeln und reagiere nicht mehr. „Das kann lebensgefährlich werden. Man muss das Tier dann sofort abduschen und einen Tierarzt rufen“, sagt Dahlkamp.

Katzen- und Hundefutter wegen der Fliegen schnell entsorgen

Nicht nur große Haustiere wie Hunde und Pferde brauchen Schatten und Wasser. Bei allen anderen Tierarten empfiehlt Dr. Barbara Bonin: „Raus aus der Sonne!“ Egal ob es sich um den Wellensittichkäfig oder das Kaninchengehege handelt. Viele Tiere würden zudem instinktiv in den Keller gehen, weil es da am kühlsten ist. „Dann sollte man sie da auch in Ruhe liegen lassen.“

Bei Katzen und Hunden ist zudem wichtig, das Futter nicht zu lange stehen zu lassen. „Gerade bei Nassfutter sammeln sich schnell Fliegen. Dann können die Haustiere einen Magen-Darm-Infekt bekommen.“

Auch das Kreistierheim hat wegen der Hitze geschlossen
  • Wegen der hohen Temperaturen hat auch das Kreistierheim Unna zurzeit seine Pforten für Besucher geschlossen.
  • Die Besuchszeiten verursachten bei vielen Tieren Aufregung und Stress, die durch die Hitze noch verschlimmert würden. Bis Ende der Woche will man abwarten. „Dann soll sich die Wetterlage wieder entspannen, und das Tierheim wird voraussichtlich wieder öffnen“, sagt der stellvertretende Pressesprecher Max Rolke.
  • „Die Mitarbeiter und Helfer werden außerdem dazu angehalten, Spaziergänge und Schulungen möglichst früh oder am Abend durchzuführen“, erklärt Max Rolke. Auch hier sei es wichtig, dass die Tiere genügend trinken.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt