Autofahrer aus Dülmen war ohne Fahrerlaubnis unterwegs und verletzte Radfahrerin aus Selm

hzGerichtsprozess

Die Kollision mit dem Auto eines Dülmeners (46) endete für eine Radfahrerin (59) aus Selm schmerzhaft. Auch für den Dülmener hat der Unfall ein empfindliches Nachspiel.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 15.01.2020, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei einem Unfall wurde eine Radfahrerin in Selm im März verletzt. Der an der Kollision beteiligte Autofahrer stand nun wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht. Zu allem Überfluss hätte der 46-Jährige gar nicht hinter dem Steuer sitzen dürfen.

Trotz Fahrverbots war der Mann aus Dülmen am frühen Abend des 30. März mit seinem VW in Selm unterwegs. Im Bereich des Sandforter Wegs fuhr er aus dem Kreisverkehr heraus, im gleichen Moment überquerte die Radfahrerin die Fahrbahn und stieß gegen seinen Hinterreifen. Die 59-Jährige stürzte und zog sich dabei eine Knieverletzung zu. Auch litt sie über Wochen unter Rückenschmerzen.

Autofahrer sieht keinerlei Schuld bei sich

Eine Schuld an der Kollision sah der Autofahrer nun im Prozess vor dem Amtsgericht Lünen bei sich keinesfalls. Er habe halten müssen, weil der Wagen vor ihm gestoppt habe. Dann habe er dieses Geräusch wahrgenommen. Die Frau sei mit ihrem Rad auf seinen stehenden Wagen aufgefahren.

Und auch den Vorwurf des Fahrens ohne Fahrerlaubnis wollte er mitnichten auf sich sitzen lassen. Das Fahrverbot sei in dem Moment noch gar nicht wirksam gewesen. Richter Ulrich Oehrle insistierte und konfrontierte ihn mit einem Schreiben, in dem klar und deutlich zu lesen war, dass das Fahrverbot in dem Moment sehr wohl in Kraft getreten war. Der Mann auf der Anklagebank ließ sich nicht beirren: Dann sei eben mit dem Schreiben etwas nicht in Ordnung gewesen.

Zeuge schilderte vor Gericht die Situation anders

Ähnlich entschlossen zeigte er sich hinsichtlich der Kollision. Er, sein Sohn und ein Bekannter beteuerten, dass das Auto gestanden habe. Das sahen die Geschädigte und ein völlig unbeteiligter Zeuge ganz anders. Besagter Zeuge erklärte, dass er überzeugt sei, dass das Auto in Bewegung gewesen sei. Zumal es doch für den Angeklagten ansonsten gar keinen Sinn gemacht hätte, erst 80 oder 90 Meter hinter der Unfallstelle zu halten.

Zweifel an der Schuld des 46-Jährigen aus Dülmen in beiden Punkten hatten am Ende weder die Vertreterin der Anklage noch der Richter. Es sei möglich, dass die Radfahrerin eine Mitschuld trage, aber sie sei bestimmt nicht in ein stehendes Auto gefahren, so Richter Ulrich Oehrle. Die Angabe des Angeklagten und „seiner“ Zeugen, sie hätten wegen eines anderen Pkw vor ihnen stoppen müssen, wertete er mehr oder weniger als Schutzbehauptung. Die Radfahrerin habe Vorfahrt gehabt und er hätte anhalten müssen. Auch habe er von dem Fahrverbot gewusst. Der Mann wurde schließlich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und fahrlässiger Körperverletzung zu 2000 Euro Geldstrafe und drei Monaten Fahrverbot verurteilt. Das sah er nicht ein. Er kündigte Berufung gegen das Urteil an.

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