Benedikt Hülsbusch erzählt (mit und ohne Worte), wie er sich den Traum erfüllte, Schützenkönig zu werden und warum er dabei aufgeregter war als bei allen Bodybuilding-Meisterschaften.

Bork

, 10.01.2019, 16:57 Uhr / Lesedauer: 5 min

Es ist gegen 14 Uhr am Schützenfestmontag 2018 als dem starken Mann Benedikt Hülsbusch plötzlich die Tränen in die Augen schießen. Er hat - eigentlich kein großer Raucher - an diesem Vormittag schon zwei ganze Big-Boxen gequalmt. Das Bier schmeckt ihm nicht, die Erbensuppe auch nicht. „Jetzt trink‘ mal ein paar, nicht dass du gleich ganz nüchtern da stehst, wenn du es doch nicht wirst“, sagt Heinz-Willy Quante, der Vorsitzende des Borker Schützenvereins, zu Benedikt Hülsbusch. Dass er an diesem Tag draufhalten will, der heißeste Kandidat für das Amt des Schützenkönigs ist, ist in Bork schon seit ein paar Wochen ein offenes Geheimnis. „Der Bodybuilder“ will König werden. Und das macht ihn, kurz bevor es soweit ist, total fertig.

Zur Person
  • Benedikt Hülsbusch ist 26 Jahre alt und kommt aus Bork. Aus Altenbork, um genau zu sein.
  • Nach dem Abi hat er eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht und arbeitet nun als Vertriebsleiter bei einem Dortmunder Unternehmen, das eine Tiefkühl-Proteinpizza vertreibt. „Das ist im Prinzip eine Pizza, die voll mit Eiweiß ist. Die hat auch nur 20 Prozent Kohlenhydrate und 20 Prozent Fett - ist im Vergleich zu einer normalen Pizza also total geil“, erklärt Benedikt Hülsbusch.
  • Nebenbei hat er bei einem zweijährigen Aufenthalt in Australien auch ein Studium zum Personal Trainer abgeschlossen und arbeitet in Bork nun nebenbei als solcher.
  • Außerdem war er sportlich sehr aktiv und hat mehrere Titel als Body-Builder gewonnen, war besipielsweise schon dreimal deutscher Meister. Im Moment misst er sich darin allerdings nicht. „Die Luft ist raus“, sagt er. „Bodybuilding ist nach wie vor schön, aber jetzt brauche ich erst mal eine Pause...“

„Ich habe in meinem Leben schon viel im Sport erreicht. Ich bin dreimal deutscher Meister geworden, ich bin auch schon zweimal Vizemeister geworden, ich bin NRW-Meister und Vize-NRW-Meister – da habe ich so viel gerissen. Aber ich war bei keiner dieser 20 Meisterschaften so nervös wie an diesem Tag“, sagt Benedikt Hülsbusch heute im Rückblick, nach über 100 Tagen im Amt. Gemütlich sitzt er dabei in der Küche auf dem Hof seiner Eltern in Altenbork, wo der 26-Jährige auch lebt, er hat gerade einen Kaffee durchlaufen lassen.

Wettbewerbsgedanke beim Schützenfest und beim Bodybuliding

„Das war an dem Morgen so eine Nervosität, ich konnte mit meinen ganzen Gefühlen gar nicht umgehen“, sagt er und schüttelt immer noch mit einem klitzekleinen Unglauben in den Augen leicht den Kopf. Das war auch der Grund für die Tränen. Eine Bekannte kommt auf den Bodybuilder in Schützenjoppe zu, klopft ihm auf den Rücken und fragt: „Na?! Bist du schon nervös?“ Seine Schwester wird ihn wenig später noch mal das gleiche fragen. Und in beiden Fällen wird Benedikt Hülsbusch unauffällig einen Fleck auf seiner Jacke suchen, einen Telefonanruf simulieren - um seine feuchten Augen, die Anspannung, die Nervosität und die Wichtigkeit, die dieser Tag für ihn hat, zu überspielen.

Bodybuilder und Schützenkönig, passt das gut zusammen, Benedikt Hülsbusch?

© Marie Rademacher

Schon oft hat er nicht nur Muskeln, sondern auch starke Nerven bewiesen, einen kühlen Kopf behalten. Beim Schützenfest ist alles anders. Alles noch intensiver. „Im Nachhinein denke ich mir, das lag alles daran, dass es so viel mit meiner Heimat zu tun hat. Klar: Deutscher Meister werden ist auch total geil. Aber du bist halt deutscher Meister. Es ist nicht so, das du jemand zum Anfassen bist. Als Schützkönig von Bork bist du hier mittendrin“, sagt Benedikt Hülsbusch.

Nicht der einzige Kandidat am Schießstand

Obwohl er im Vorfeld eigentlich der einzige war, der 2018 offen gesagt hatte, dass er draufhalten will, wird es noch mal spannend am Schießstand. Es gibt weitere Kandidaten. „Das war echt gut. Es war kein langweiliges Schießen.“ Das sagt Benedikt Hülsbusch heute. Damals aber machte ihn dieser Umstand natürlich nicht unbedingt selbstbewusster - sondern eher noch nervöser. „Ich dachte: Jetzt sind auch einmal alle gegen mich.“

Und trotzdem: Um 15.10 Uhr feuert Benedikt Hülsbusch den 553 Schuss auf den Schützenvogel. Und er fällt. Genauso wie die Anspannung. „Alles, was vorher Nervosität war, war dann sofort Freude“, versucht der Borker seine Gefühle in dem Moment zu beschreiben.

Bodybuilder und Schützenkönig, passt das gut zusammen, Benedikt Hülsbusch?

© Marie Rademacher

Denn ein Traum war es, sagt Benedikt Hülsbusch. Die Frage nach dem Warum hat sich dabei für ihn nie gestellt. „Weil man König wird! Was ist das für eine Frage?!“, sagt er sogar mit breitem Grinsen. Nach kurzem Überlegen fügt er aber hinzu, dass der Wunsch für ihn viel mit einem Gefühl von Heimat zu tun hat. „Das hatte ich vor allem, als ich in Australien war“, sagt er. Dort hat der Borker nämlich sein Studium absolviert, um Personal Trainer zu werden, mehrere Jahre dort gelebt. „Als ich drüben war und in Bork Schützenfest war - boah, da habe ich das alles so vermisst“, sagt er.

Es geht nicht nur ums Feiern und den Alkohol

„Die Leute vom Schützenverein – ich kenne sie alle. Und mitten unter diesen Leuten zu sein und sich dann auch noch für eine Sache einzusetzen – nämlich für den Verein, für die Tradition, die wir zusammen aufrecht erhalten wollen, - das ist schon toll. Und wir sprechen hier nicht von Alkohol. Da geht es viel mehr um eine Bruderschaft“, sagt Benedikt Hülsbusch.

Die Schützenbrüder aus seiner Throngemeinschaft sind es auch, die als erstes auf Benedikt Hülsbusch zurennen, als der Vogel runterfällt, ihren neuen König hochleben lassen.

Bodybuilder und Schützenkönig, passt das gut zusammen, Benedikt Hülsbusch?

© Marie Rademacher

Der Thron ist - grob zusammengefasst - eine Gruppe Kurzentschlossener. Nur ein Jahr vor dem Schützenfest - an einem Kirmesmontag - nämlich beschließt Benedikt Hülsbusch, dass 2018 sein Jahr werden soll. Und die Suche nach Unterstützern beginnt. „Ich habe so viele verschiedene Leute gefragt, aus allen drei Kompanien. Ältere Leute, jüngere Leute... Aber es hat alles super gut geklappt. Darauf bin ich sehr stolz. Wir sind zu einer Truppe zusammengewachsen, das ist einmalig. Da geht einem das Herz auf“, sagt Benedikt Hülsbusch. „Alle sind bescheuert, alle sind gut drauf, können feiern und haben gute Laune“, erzählt er grinsend weiter.

Ein Beispiel, dem die Throngemeinschaft auch ihren Spitznamen „Thornis“ verdankt: Unter den Blicken seiner Kollegen leistete sich Benedikt Hülsbusch einen Tag nach dem Schützenfest nämlich einen Schreibfehler im Wort Thron, der in dem Moment zwar etwas peinlich war, aber irgendwie auch so lustig, dass seitdem der Spitzname „Thornis“ feststeht. Benedikt Hülsbusch lacht heute noch, wenn er diese kleine Anekdote erzählt.

Es ist aber nicht so, als hätte es in seiner Amtszeit nicht auch schon einen Schicksalsschlag gegeben. Das gibt Benedikt Hülsbusch offen zu. Seit Anfang Dezember ist er nicht mehr mit seiner Freundin Kerstin Telker, die auch Borker Schützenkönigin ist, zusammen. „Wir sind im Guten auseinander gegangen“, betont er. Aber natürlich sei es jetzt nicht so einfach, sich für den Schützenverein ständig zu sehen, zusammen aufzutreten. „Sie bleibt Königin“, sagt Benedikt Hülsbusch ganz klar. Jedoch wird es wahrscheinlich so sein, dass er auf manchen Veranstaltungen „nur“ als König auftritt. Wie genau es den Rest der Amtszeit läuft, wird sich noch zeigen, sagt er.

„Schade“ findet auch Heinz-Willy Quante, der Vorsitzende des Borker Schütenvereins, die Entwicklung. „Ich finde beide sehr sympathisch und es tut mir leid, dass es nicht geklappt hat.“ Für den Schützenverein sei das allerdings alles andere als schlimm, so sei halt das Leben. Und der König bleibe ja präsent, das ist auch Benedikt Hülsbusch ganz wichtig.

Schützenverein zwischen Tradition und Zukunftsdenken

Offen gibt Hülsbusch zu, dass er gerne mal im Mittelpunkt steht. Aber: „Ich wäre trotzdem nicht Schützenkönig geworden, wenn mir Bork nicht so am Herzen liegen würde. Wenn du nur ein aufmerksamkeitsgeiler Typ bist, dir aber nichts an der Heimat liegt, dann ist Schützenkönig das Falsche für dich.“

Bodybuilder und Schützenkönig, passt das gut zusammen, Benedikt Hülsbusch?

© Marie Rademacher

Bei aller Heimat- und Traditionsverbundenheit: Schützenvereine sollten sich auch vor Neuerungen nicht verschließen, sagt Benedikt Hülsbusch. Ein Beispiel: Frauen. Im Borker Verein sind auch Frauen Mitglied, dürfen durchaus auch mit draufhalten, wenn es um die Königswürde geht.

„Wenn du nur ein aufmerksamkeitsgeiler Typ bist, dir aber nichts an der Heimat liegt, dann ist Schützenkönig das Falsche für dich.“
Benedikt Hülsbusch, Borker Schützenkönig

Eine Frau als Gewinnerin am Schießstand? Für Benedikt Hülsbusch ist diese Vorstellung kein Problem. „Ich glaube, das wäre dann einfach so. Egal wer König oder Königin ist, wie alt der ist, wie der aussieht: Es gibt immer etwas zu meckern. Das wirst du auch nicht ändern können. Ich freue mich für jeden, der König oder Königin wird“, sagt er.

Hobby Schauspielerei

Er selbst hat es bisher nicht bereut, 2018 die Chance ergriffen zu haben. Worauf warten? Das ist eine Frage, die sich Benedikt Hülsbusch schon öfter in seinem Leben gestellt hat, bevor er die Chance ergriff, die vor ihm lag. So war das bei der Ausbildung zum Personal Trainer in Australien, so ist das bei seinem großen Hobby, der Schauspielerei. Benedikt Hülsbusch hat schon in mehreren Filmen und Serien mitgespielt, wartet immer noch auf die große Rolle. Vielleicht sogar den Durchbruch.

Bodybuilder und Schützenkönig, passt das gut zusammen, Benedikt Hülsbusch?

© Marie Rademacher

„Ich stecke meine Nase in viele Angelegenheiten. Ich habe keine Lust, immer nur den gleichen Job zu machen“, sagt Benedikt Hülsbusch über sich. Wenn eine Chance vor ihm liegt, dann greift er zu. „Es kommt sonst immer irgendwas dazwischen. Es gibt immer Sachen, die dir irgendwas verbauen. Ob es die eigenen Kinder sind, deine Hochzeit, oder ob du noch mal weg willst, die Welt sehen willst… Dann trage ich lieber jetzt meinen Teil zur Borker Historie bei und nehme alles mit.“

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Benedikt Hülsbusch ist neuer Schützenkönig in Bork. Als zweitjüngster König in der Vereinsgeschichte holte der 26-Jährige um 15.10 Uhr mit dem 553. Schuss den Vogel von der Stange. Von Antje Pflips

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