Im Bork lebt es sich gut. Das ist ein Ergebnis unseres Ortsteil-Checks. Jedoch haben die Bewohner des Ortsteils auch viel Kritik - an der Kinderfreundlichkeit oder dem Gastronomieangebot.

Bork

, 29.03.2019 / Lesedauer: 6 min

Kerstin Roling-Lohrsträter lässt ihren Blick kurz über den Spielplatz am Bahnübergang in Bork schweifen. „Tja“, sagt die junge Mutter, „man sieht ja sofort, was ich meine.“ Nämlich: Von einer guten Ausstattung könne bei dem Spielplatz an der Straße Zum Nierfeld nicht wirklich die Rede sein, sagt sie. Zwar gebe es eine neue Seilbahn - attraktiv sei er für Kinder aber nicht. Der Spielplatz gegenüber mit Klettergerüst ist sogar ganz gesperrt - ein großes Schloss an der Tür im Zaun verwehrt dort den Eintritt.

Das ist kein Einzelfall in Bork. Gleich mehrere Spielplätze sind seit Monaten oder Jahren geschlossen, ohne das sich viel tut. Ein Problem, das viele Borker beschäftigt. Das ist auch bei der Umfrage zu unserem Ortsteil-Check ganz deutlich geworden. Insgesamt haben sich 525 Menschen aus Selm an der Umfrage beteiligt, 194 machten aus Bork mit.

Bork: Gute Noten für Lebensqualität, aber es mangelt an Spielplätzen und Gastronomie

Gleich mehrere Spielplätze in Bork sind gerade gesperrt. Von vielen Borker wird das als Problem wahrgenommen. © Marie Rademahcer

Und auch wenn die Borker durchschnittlich eine gute Note für die Lebensqualität im Ortsteil geben: Bei der Familienfreundlichkeit hakt es offensichtlich. Nur 5 von möglichen 10 Punkten vergeben die Borker da - Selm mit 6 Punkten und Cappenberg mit 7 Punkten schneiden im Stadtvergleich besser ab. Eben auch wegen der Spielplatz-Problematik: „Baut endlich Spielplätze“, appelliert zum Beispiel eine Teilnehmerin im Alter von 25 bis 35. Ein anderer Teilnehmer aus der gleichen Altersgruppe schreibt: „Die im Stadtteil vorhandenen Spielplätze sind in einem zum Teil desolaten Zustand und dies schon seit Monaten/Jahren. Hier wurde bereits mehrfach Besserung angekündigt, allerdings ohne entsprechende Umsetzung.“

„Familienfreundlichkeit“, sagt Kerstin Roling-Lohrsträter, die in Bork aufgewachsen ist, „hat hier einfach keine Priorität.“

Die Stadt - konfrontiert mit diesem Vorwurf - widerspricht. In allen drei Ortsteilen, so erklärt es Stadtsprecher Malte Woesmann, habe Familienfreundlichkeit einen hohen Stellenwert. „Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Versorgung mit Kindergartenplätzen in allen Ortsteilen in ausreichendem Maß vorhanden ist. Gleiches gilt für die Standorte von Grundschulen. Bei den Spielplätzen ist die Entscheidung bewusst für Qualität statt Quantität getroffen worden“, so der Stadtsprecher. Als Beispiel nennt er eben jene neue Seilbahn auf dem Spielplatz am Nierfeld. „Eine weitere neue Seilbahn folgt am Spielplatz am Angelkamp. Zudem ist der Spielplatz an der Äckernschule, der nach Schulschluss und am Wochenende frei zugänglich ist, umfangreich umgestaltet worden. Weitere Umgestaltungen werden dort 2019 erfolgen. Ebenso wird der Spielplatz Stifterstraße mit neuen Spielgeräten versorgt.“

Trotz dieser Argumente ist die Wahrnehmung der Lage vieler Borker aktuell eine andere, wie unser Ortsteil-Check gezeigt hat. Was an Bork noch kritisiert oder gelobt wurde, lesen Sie in der folgenden Analyse.

Das wurde noch negativ bewertet:

Nahversorgung und Gastronomieangebot:

Den durchschnittlich niedrigsten Wert haben die Borker in unserer Umfrage für das Gastronomieangebot in ihrem Ortsteil vergeben: 4 von 10 Punkten. Auch die Nahversorgung schneidet nicht sonderlich gut ab: Hier gibt es 6 von 10 Punkten.

„Vom einst lebendigen mit vielen Geschäften und Kneipen-Vielfalt, Pommesbude, Rottwinkel/Edeka, Wiemann/Schlecker, Blumenlädchen, Fahrradladen, ist doch eher nichts übrig geblieben: Geschäfte sind bald gar keine mehr da; frische Lebensmittel (Käse, Wurst, Fleisch) gibt es seit dieser fragwürdigen Lidl-Entscheidung gar nicht mehr“, kommentiert ein Teilnehmer der Umfragen, der schon seit fast 59 Jahren in Bork lebt.

„Auf jeden Fall fehlt in Bork ein Laden mit Angeboten von Frischfleisch, Wurst und Käse“, so ein Kommentar in der Umfrage. Oder: „Die Einkaufsmöglichkeiten lassen gerade in Bork zu wünschen übrig. Hier fehlt es eindeutig an einem Supermarkt, der auch eine Frischetheke hat. Gerade ältere Menschen in Bork haben keine Möglichkeit so wie sonst einkaufen zu gehen und müssen bis zum Lidl eine weite Strecke zurücklegen oder sogar mit dem Taxi nach Selm oder Lünen zu fahren. Daher ist es dringend notwendig für einen Ersatz des Edekas zu sorgen.“

In diesem Sinne hatte im vergangenen Jahr die Borkerin Christa Leckebusch Unterschriften gesammelt und sie dem Bürgermeister übergeben - 900 hatte sie zusammenbekommen.

Ändern wird sich wahrscheinlich aber trotzdem nichts. Denn: „Die Nahversorgung im Ortsteil Bork beurteilt die Stadtverwaltung als gut“, erklärt Malte Woesmann. „Neben dem bestehenden Discounter besteht noch die Möglichkeit, sich auf dem Wochenmarkt mit Wurst, Käse, Gemüse und Obst einzudecken. Ebenfalls besteht diese Möglichkeit beim IFA-Laden auf der Luisenstraße.“

Bork: Gute Noten für Lebensqualität, aber es mangelt an Spielplätzen und Gastronomie

Der Edeka in Bork steht aktuell leer - die WBG Lünen als Eigentümer der Immobilie hat es bisher nicht geschafft einen Nachmieter zu finden. © Marie Rademacher

Kinder und Jugendliche:

5 von 10 Punkten haben die Borker ihrem Ortsteil im Punkt „Jugendliche“ gegeben. Ein Wert, der nicht wirklich gut ist. „Schade, dass es in Bork nicht genug für Kinder und Jugendliche gibt, zum Beispiel eine Skateranlage oder einen schönen großen Spielplatz, wo für alle Altersgruppen etwas dabei ist“, schlägt eine Teilnehmerin der Umfrage vor.

Auch für diesen Kritikpunkt hält sich das Verständnis der Stadtverwaltung in Grenzen: Auf die Frage, ob es Überlegungen gibt, in Bork eine Jugendeinrichtung wie das Sunshine zu etablieren und so einen Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche zu schaffen, lautet die Stellungnahme der Stadt so: „Nein, solche Überlegungen gibt es derzeit nicht.“ Das Sunshine werde vor allem nach dem fertigen Umbau so attraktiv sein, dass auch Borker Jugendliche den Weg dorthin bestimmt aufnehmen werden, um Angebote wahrzunehmen. Dies zeige sich bereits am Skateplatz, wo Jugendliche aus allen Ortsteilen und darüber hinaus nach Selm kommen. „Die Mobilität der Jugendlichen ist also da, Angebote ortsteilübergreifend zu nutzen.“

Der Blick nach Selm: Bei vielen Borkern weckt er - zumindest den Kommentaren beim Ortsteil-Check nach - eher neidische Gefühle. Ein Beispiel von einem Umfrage Teilnehmer: „Für Jugendliche gibt es sehr wenig Angebote, da ist Bork immer hinten dran, Selm ist das Zugpferd und dort wird investiert.“ Ein anderer Kommentar lautet: „Dafür, dass die Stadt Selm so verschuldet ist, wird in Selm für meinen Geschmack zu viel investiert, in Bork nur sehr geringfügig! Sehr frustrierend!“

Gegen den Vorwurf, dass der Ortsteil Bork dem Selmer Ortsteil gegenüber stiefmütterlich behandelt werde, wehrt sich die Stadtverwaltung. Das sei nicht gerechtfertigt, meint Malte Woesmann im Namen der Stadt. Seine Argumente: „Schon vor Jahren ist öffentlich klar gesagt worden, dass die Entwicklung der Stadtteile nur Schritt für Schritt erfolgen kann. Die Politik hatte bereits 2012 mit dem Beschluss zur Teilnahme an der Regionale 2016 entschieden, zunächst den Ortsteil Selm zu entwickeln. Nur durch die Teilnahme an der Regionale war diese Entwicklung in Selm möglich. Es wurde daher mit der Aufstellung des integrierten Handlungskonzeptes (IHK) für den Ortsteil Selm begonnen, die einzelnen Ortsteile nacheinander zu entwickeln.

Dieses erfolgt nun für den Ortsteil Bork. Zur Umsetzung verschiedener Bausteine dieses IHK Bork sind Fördermittel in Höhe von 10,4 Millionen Euro beantragt. Die Gesamtprojektkosten liegen bei 19,8 Millionen Euro. Die Stadt Selm wird hier also 9 bis 10 Millionen Euro selber in den Ortsteil Bork investieren. Dies alleine dokumentiert, dass der Ortsteil Bork nicht ,stiefmütterlich‘ behandelt wird. Weitere private Investitionen in einem zweistelligen Millionenbereich sind des Weiteren für den Ortsteil Bork zu erwarten oder teilweise bereits realisiert.“

Das wurde positiv bewertet:

Seelsorge: Auf die 10 möglichen Punkte kommt der Ortsteil Bork nach unserer Umfrage in keiner der abgefragten Kategorien. Der höchste Wert, der erreicht wurde ist 8. Den gibt es aber gleich in vier Kategorien. Eine davon ist die Seelsorge. Hier schneidet Bork besser ab als der Ortsteil Selm (7 Punkte) und ist mit dem dritten Selmer Ortsteil Cappenberg auf dem gleichen Niveau.

Bork: Gute Noten für Lebensqualität, aber es mangelt an Spielplätzen und Gastronomie

© Grafik Hasken

Radfahren und Grünflächen: Ebenfalls positiv bewertet haben die Borker die Grünflächen im Ortsteil und die Radfahr-Möglichkeiten. Letztere sollen ja wie berichtet in Zukunft noch verbessert werden. Die Waltroper Straße soll Plänen der Stadt zufolge Fahrradstraße werden - die erste überhaupt in Selm. „Hier kann mit wenig Aufwand viel erreicht werden“, hatte dazu Raumplanerin und Mobilitätsmanagerin Julia Schmidt in einer Ausschusssitzung gesagt. Die Waltroper Straße soll demzufolge im Norden kurz hinter der Einmündung Hauptstraße beginnen und im Süden am Abzweig Rauher Busch enden.

Lebensqualität: Auch wenn es laut Umfrage in Bork viele Probleme und viel Verbesserungsbedarf gibt: Insgesamt lebt es sich gut in dem Ortsteil. „Bork ist ein guter Platz zum Wohnen“, schreibt beispielsweise ein Umfrage-Teilnehmer (Alter zwischen 50 und 70). „In Bork ist alles perfekt!“, kommentiert ein anderer sogar. Und immer wieder kommt auch ein Kommentar, der offensichtlich einigen Borkern am Herzen liegt. Nämlich: „Bork bleibt Bork!“

Zur Historie des Ortsteils Bork
Bork: Gute Noten für Lebensqualität, aber es mangelt an Spielplätzen und Gastronomie

Das Bild zeigt das Borker Amtshaus in Jahr 1912. © Repro Ruhr Nachrichten

  • Bork: Dieser Ort findet in geschichtlichen Quellen zum ersten Mal im 9. Jahrhundert Erwähnung.
  • Ein wichtiges Ereignis, mit dem der Ort in die Geschichte einging, ist das sogenannte Gefecht bei Bork, das im Siebenjährigen Krieg im September 1758 stattfand.
  • Dem Amt Bork gehörten die Gemeinde Bork, der Ortsteil Cappenberg, Selm und Altlünen an. 1975 wurde aus dem Amt Bork dann aber zunächst die Gemeinde, dann die Stadt Selm.
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