Borker Senior soll Geld überweisen - und reagiert absolut souverän

hzBetrugsversuch

Wenn bei Ferdinand Körfer in Bork das Telefon klingelt, ist der 79-jährige hellwach. Der Grund: Telefonbetrüger. Die Polizei bestätigt: Auch mit dem Thema Corona soll gerade Kasse gemacht werden.

Selm

, 29.09.2020, 13:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Professionell“ sei die Stimme der Anruferin gewesen, die sich als Vertreterin der „Ermittlungsstelle Stuttgart“ ausgegeben haben, sagt Ferdinand Körfer rückblickend. Und „forsch“ sei die Frau aufgetreten. Erfolg hatte sie beim Borker dennoch nicht.

„Es war eine Gaunerei, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt“, sagt Körfer. Fest macht das der rüstige Senior an verschiedenen Punkten. „Eine Ermittlungsstelle Stuttgart gibt es nicht.“ Auch der Vorwurf der Anruferin, dass ein Mahnverfahren gegen die Eheleute Körfer laufe, war aus Sicht des Borkers erfunden.

Als letzten Beleg für die vermutete Gaunerei hat Ferdinand Körfer angesehen, dass ihm ein außergerichtlicher Vergleich vorgeschlagen wurde - und er dann natürlich eine bestimmte Summe überweisen sollte. „Es war irgendwie eine Spinnerei.“ Allerdings eine nicht ungefährliche. Wenn die Vermutung von Körfer stimmt - derzeit spricht nichts dagegen - war es wieder einmal ein Versuch von Kriminellen, an das Geld von unbescholtenen Bürgern zu kommen.

Borker will andere Menschen vor Betrügern warnen

Mit seinem Gang in die Öffentlichkeit will Ferdinand Körfer deshalb vor allem andere Menschen warnen, bei Anrufen nicht leichtfertig zuzustimmen und Geld zu überweisen. Dass es derartige Versuche immer wieder gibt, hat Ferdinand Körfer bereits selbst erfahren müssen.

Bereits vor einem halben Jahr hatte er einen Anrufer, der offensichtlich an sein Geld wollte. Damals ging es um ein angeblich gefundenes Notizbuch mit Informationen über die Borker Eheleute. Weil aber sämtliche Aussagen der Anrufer falsch waren, hatten die offensichtlichen Betrüger keine Chance.

Ferdinand Körfer hat die Sache damals nicht auf sich bewenden lassen, er ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Allerdings sei das Verfahren dann ohne ein Ergebnis eingestellt worden. Den Senior überrascht das nicht, er vermutet, dass die Anrufe nicht aus Deutschland kommen. Auch beim neuerlichen Betrugsversuch wollte er Anzeige erstatten, konnte das aber nicht machen, weil er nicht zur Polizei fahren konnte. „Mein Scooter war defekt.“

Polizisten nehmen Anzeige auch in der Wohnung der Opfer auf

Polizeihauptkommissar Bernd Pentrop, Leiter der Pressestelle der Polizei im Kreis Unna, weist darauf hin, dass Menschen für eine Anzeige nicht unbedingt zur Polizei kommen müssen. „Wir kommen auch zu den Betroffenen nach Hause, damit sie in ihrer Wohnung die Anzeige aufgeben können.“

Pentrop räumt im Gespräch mit unserer Redaktion ein, dass gerade in Zeiten der Corona-Pandemie die Zahl der Betrugsfälle gestiegen ist. „Es gibt wirklich viele Fälle“, sagt der Polizeihauptkommissar ohne genaue Zahlen nennen zu können. Ganz beliebt sei aktuell der Enkeltrick in Verbindung mit einer Coronaerkrankung.

In diesen Fällen würde sich oft ein vermeintlicher Enkel bei Senioren melden und um eine höhere finanzielle Unterstützung (20.000 Euro und mehr) für ein sehr teures Medikament bitten. Um die Glaubwürdigkeit zu verstärken, würde das Telefon dann einen „Arzt“ weitergereicht, der die Bedeutung unterstreicht.

Vorsicht bei Anrufen mit der Nummer 110

Nach Einschätzung der Polizei sind immer wieder ältere Menschen von der Nachricht so bestürzt, dass sie auch zur Bank gehen, um das Geld zu besorgen. „Ganz perfide“ werde nach Aussage von Pentrop die Betrugsaktion dadurch, dass die Betrüger einen Besuch von Polizeibeamten ankündigen. Sie würden das Geld in Empfang nehmen, damit es auch „ganz sicher ankommt“.

Auch vor technischer Manipulation schrecken Betrüger nicht zurück. „Wenn auf dem Display die 110 erscheint, legen Sie am besten auf“, sagt Bernd Pentrop. Die Polizei würde niemals mit der 110r anrufen - sondern immer mit einer unterdrückten Nummer.“ Er rät allen Menschen, jeden Betrugsversuch direkt bei der Polizei zu melden. „Die Kollegen sind sehr sensibilisiert.“

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