Brand im Café Waffelino: Ankläger fordert elf Jahre Haft für Hamza K.

Landgericht Dortmund

Wer hat das Café Waffelino angezündet? Staatsanwalt Christoph Köster ist sich sicher: Es war Hamza K. – und hat jetzt eine empfindliche Haftstrafe wegen 19-fachen Mordversuchs beantragt.

Selm, Dortmund

, 27.05.2019, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Brand im Café Waffelino: Ankläger fordert elf Jahre Haft für Hamza K.

Der Angeklagte (Gesicht hinter einem Aktendeckel versteckt) und sein Verteidiger Ralf Bleicher. © Martin von Braunschweig

Im Waffelino-Prozess hat die Staatsanwaltschaft am Montag vor dem Dortmunder Schwurgericht beantragt, den Angeklagten Hamza K. zu elf Jahren Haft zu verurteilen. Das Urteil wollen die Richter in der nächsten Woche am Freitag (7. Juni) um 14.30 Uhr verkünden.

„Unterm Strich habe ich keinerlei Zweifel, dass der Angeklagte den Brand im rückwärtigen Bereich seines eigenen Cafés angezündet hat“, legte sich Ankläger Christoph Köster in seinem Plädoyer fest. Auch die Frage des Motivs ist für den Staatsanwalt geklärt. „Das Café lief nicht mehr so gut, die Einnahmen waren eingebrochen.“ Daher habe der Angeklagte versucht, durch einen Brand in seinem Café die Versicherung zu betrügen, um an Geld zu kommen.

Bündel von Indizien spricht gegen Hamza K.

Nachgewiesene Lügen, belastende Beobachtungen eines Hundehalters, dazu ein fragwürdiges Alibi und ein geradezu entlarvendes Verhalten noch während der Löscharbeiten: Die feste Überzeugung, dass nur Hamza K. der Brandstifter gewesen sein kann, hat Staatsanwalt Christoph Köster aus einem Bündel an Indizien gewonnen.

Zum einen habe der Angeklagte mehrmals nachweislich gelogen, wenn es um seinen Aufenthaltsort zum Brandzeitpunkt gegangen sei. Noch am Montag war im Prozess über einen Vernehmungsbeamten ein angebliches Alibi durch seinen Vater in die Hauptverhandlung einführt worden. Angeblich soll Hamza K. in der Brandnacht um 0.40 Uhr mit der Familie in deren Wohnung „Tee getrunken“ haben. Für Köster aber hat dieses „Alibi“ so gut wie keinen Wert. „Es erscheint mir auch zeitlich durchaus möglich, dass er erst nach der Brandlegung bei den Eltern aufgetaucht ist.“

Anruf bei Versicherungsvermittler noch während der Löscharbeiten

Außerdem hatte ein Hundehalter im Prozess ausgesagt, dass er etwa eine Stunde vor dem Brand gesehen habe, wie Hamza K. gemeinsam mit anderen Männern Gegenstände aus dem Café getragen hat. In den Augen des Staatsanwalts drängt sich dadurch der Verdacht auf, dass hier kurz vor der Brandlegung noch schnell wertvolle Gegenstände in Sicherheit gebracht worden sind.

Insbesondere aber, so der Staatsanwalt, habe sich Hamza K. durch sein eigenes Verhalten in der Brandnacht entlarvt, als er nur eine Stunde nach dem Feuer bereits seinen Versicherungsvermittler angerufen habe. „Die Feuerwehr löscht noch, da hat er sich bereits seiner Versicherung zugewandt“, so der Ankläger.

Bei dem Feuer, das in der Nacht auf den 5. August 2017 im Café an der Kreisstraße gewütet hat, war nicht nur ein massiver Gebäudeschaden zurückgeblieben.

Insgesamt 19 Personen, unter anderem ein Säugling, seien als Bewohner in den oberen Etagen - teils schlafend - in großer Gefahr gewesen. Staatsanwalt Köster: „Hätten nicht Zeugen an der Tür geklingelt und dadurch gewarnt, wären die Leute in den oberen Etagen gefangen gewesen und möglicherweise verbrannt.“

Verteidiger reichen die Indizien nicht aus

Mit Blick darauf stuft der Ankläger die Brandlegung unterm Strich als 19-fach versuchten Mord ein, außerdem als besonders schwere Brandstiftung.

Verteidiger Ralf Bleicher räumte in seinem Plädoyer sogar ein, dass es durchaus „gewichtige Indizien“ gebe, die für eine Täterschaft von Hamza K. sprechen. Insgesamt sei das aber unter Berücksichtigung des Zweifelsgrundsatzes „in dubio pro reo“ in seinen Augen nicht ausreichend. Insofern solle Hamza K. für die Brandlegung freigesprochen werden.

Hamza K. selbst beteuerte in seinem letzten Wort vor der Urteilberatung noch einmal seine Unschuld. „Ich war auf der Flucht im Ausland und bin freiwillig nach Deutschland zurückgekommen, weil ich mir sicher war und bin, dass ich hundertprozentig nichts mit der Sache zu tun habe.“

Das Urteil wollen die Dortmunder Richter am 7. Juni um 14.30 Uhr (Saal 130) verkünden.

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