Bürgerbus für Selm: Bürgermeister Löhr belebt ein schon tot geglaubtes ÖPNV-Projekt

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In Selm auf das Auto verzichten zu wollen, ist nicht einfach. Das Angebot von Bus und Bahn ist übersichtlich und weit weg. Das soll sich ändern - mit der Neuauflage einer alten Idee.

Selm

, 13.11.2019, 14:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das war eine echte Überraschung, als Selms Bürgermeister Mario Löhr während der Bürgerversammlung am 4. November ein Stichwort in die Menge warf, das schon seit Jahren nicht mehr in Selm zu hören war: Bürgerbus.

„Dieses Thema will ich in den Vordergrund stellen“, sagte Löhr vor 200 Zuhörerinnen und Zuhörern: „Der Bürgerbusverein soll 2020 gegründet werden.“ Er selbst werde beitreten. Manche andere hätten auch bereits signalisiert, mitzumachen - und mitzufahren.

Bürgerbus - eine Idee aus dem Münsterland

Unter dem Motto „Bürger fahren für Bürger“ war 1985 der erste Bürgerbus Nordrhein-Westfalens in den westmünsterländischen Gemeinden Legden und Heek an den Start gegangen - mit so großem Erfolgt, dass schnell weitere folgten: in Emmerich, Heimbach, Kalletal, Schalksmühle und Vreden. Der Erfolg hielt an.

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Heute verkehren allein rund 130 von bundesweit etwa 300 Bürgerbussen in NRW. Etwa 3.200 ehrenamtliche Bürgerbus-Fahrerinnen und -Fahrer - Studenten, Berufstätige, Hausfrauen, Rentner und auch Erwerbslose - setzen sich hinter das Steuer, um ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger im Kleinbus von A nach B zu bringen. Was im Münsterland längst etabliert ist, ist für den Kreis Unna aber noch Neuland.

Zwei Bürgerbusvereine im Kreis Unna

„Es gibt zwei Bürgerbusvereine im Kreis“, sagt Andreas Feld, Leiter Verkehrsmanagement bei der kreiseigenenen Verkehrsgesellschaft Kreis Unna. Der erste in Fröndenberg arbeite mit der Westfalenbus GmbH zusammen und nur der zweite in Bönen mit der VKU. Die Erfahrngen dort sind noch frisch: Der Bönener Bus ist erst im September an den Start gegangen.

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„Ziel der Bürgerbusprojekte war und ist es, die Lücken im Nahverkehrsnetz in dünn besiedelten, ländlichen und kleinstädtischen Regionen zu schließen“, heißt es beim Verkehrsministerium NRW. Kommunale Verkehrsunternehmen wie die VKU könnten dort unter wirtschaftlich tragbaren Bedingungen kaum Buslinien einrichten und betreiben: „Die Bürgerbusse bieten sich hier als alternative, bedarfsorientierte Bedienungsform und wirtschaftlich passende Betriebsgröße an.“

Keine neue Idee

Das war auch schon vor sieben Jahren so, also zum ersten Mal die Idee aufkam, in Selm einen Bürgerbus einzusetzen. Bis zur Umsetzung ist es aber nie gekommen. „Leider“, sagt Stefan Kühnhenrich von der SPD Bork, einer der Initiatoren damals. Er freue sich über die neue Initiative.

Bürgerbus für Selm: Bürgermeister Löhr belebt ein schon tot geglaubtes ÖPNV-Projekt

Bürgermeister Mario Löhr setzt auf das das Thema Bürgerbus. © Sylvia vom Hofe

Bei dem ersten Anlauf ab 2012 habe es an der Unterstützung aus Politik und Verwaltung gefehlt. Nur Werner Sell, der damals noch bei den Linken war, habe das Projekt maßgeblich unterstützt. Das habe nicht gereicht, um es in die Tat umzusetzen. Er sei sicher, dass jetzt etwas daraus werden könne. „Schließlich macht es schon einen Unterschied, ob der Bürgermeister oder ein kleiner Ortsvereinsvorsitzender dahinter steht.“

Debatte um Klimaschutz hilft

Der Rückenwind der breiten gesellschaftlichen Debatte um Klimaschutz hat der alten Idee neuen Rückenwind gegeben. „Wir müssen den Leuten ein besseres Angebot machen“, steht für Mario Löhr fest. das Problem, das die Menschen 2012 umtrieb, hat sich bis heute nicht geändert.

Bork habe zwar einen Bahnhof, hatte Kühnhenrich schon damals argumentiert, „aber ohne Auto kommt man aus dem Außenbereich nicht dort hin“. Auch in Selm und Cappenberg sehe es nicht besser aus. „Aus den Bauerschaften kommt man nicht weg.“

Rund 30 Frauen und Männer müssten bereit sein, ehrenamtlich Bus zu fahren, meint Kühnhenrich. Bürgermeister Löhr ist zuversichtlich, genügend Intereesierte zu finden. Auch Sponsoren hätten sich bereits gefunden.

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