Bürgermeister von Borkum: Tagesgäste müssen noch warten

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Spontan zu Pfingsten nach Borkum? Jürgen Akkermann ist skeptisch. Das könnte eng werden, sagt der Insel-Bürgermeister aus Cappenberg. Der Ansturm der Touristen ist groß. Die Vorsicht auch.

Cappenberg

, 29.05.2020, 21:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tief einatmen: Das können Urlauber, sobald sie von der Fähre steigen und die ersten Schritte machen auf Borkum, der größten ostfriesischen Insel und der einzigen mit Hochseeklima. Spürbar aufatmen: Das werden jetzt auch die Insulaner dort. Denn mehr als zwei Monate lang waren sie isoliert - von ihren Lieben auf dem Festland, von ihren Gästen - und von ihren Einnahmen. Dennoch herrscht zu Pfingsten nicht nur ausgelassene Freude.

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Insel-Urlaub wieder möglich: Borkumer Bürgermeister im Video-Chat

„Wir sind vorsichtig“, sagt Bürgermeister Jürgen Akkermann (54) am Freitag (29. Mai) im Gespräch mit der Redaktion. „Wer bei uns Urlaub macht, macht ja nicht Urlaub von Corona“. Die Bedrohung durch das Virus reise mit. Und die Verantwortung, alles zu tun, damit es nicht zu einer Ansteckungswelle kommt wie zuletzt im Landkreis Leer, laste schwer.

Jürgen Akkermann bewarb sich im Herbst 2019 für das Amt des Bürgermeisters seiner Heimatinsel Borkum - mit Erfolg. Das Foto zeigt ihn auf einem Wahlplakat.

Jürgen Akkermann bewarb sich im Herbst 2019 für das Amt des Bürgermeisters seiner Heimatinsel Borkum - mit Erfolg. Das Foto zeigt ihn auf einem Wahlplakat. © Repro: Arndt Brede

Ob Maskenpflicht oder Kontaktverbot: Die Ordnungskräfte der Insel überprüften auch die Urlauber und verhängten notfalls Bußgelder, „aber nur, wenn es gar kein Einsehen gibt“, sagt der gebürtige Insulaner Akkermann, der bis September 2019 in Cappenberg lebte.

Einnahmeverlust lässt sich nicht mehr ausgleichen

Am 8. September 2019 gewann der parteilose Akkermann, der noch nie ein politisches Amt innehatte, die Bürgermeisterwahl. Dass ihm im Amt des ersten Mannes der Insel neue Herausforderungen begegnen würden, war Akkermann, der zuletzt bei der Deutschen Bahn gearbeitet hatte, von vorne herein klar. Da hatte der Bauingenieur aber eher an Sturmfluten gedacht, aber nicht an die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Und die sei noch lange nicht überwunden.

Die Erleichterung sei groß, dass seit Anfang dieser Woche (25. Mai) erstmals wieder Touristen kommen dürfen: „Die Betriebe werden aber nicht mehr aufholen können, was sie alles verloren haben“, sagt Akkermann. Auch die Stadt Borkum werde das entstandene Loch ohne staatliche Hilfe nicht mehr stopfen könne.

Hotels dürfen nur zu 60 Prozent belegen

Obwohl die Nachfrage das wohl erlauben würde: Hotels dürfen nicht alle ihre Zimmer vermieten. Die Auslastung darf die 60-Prozent-Marke nicht überschreiten. Nicht alle Häuser haben unter diesen Bedingungen geöffnet, wie Akkermann sagt. Für manche rechne sich das einfach nicht. Auch die Anbieter von Ferienwohnungen haben strenge Auflagen. Nur alle sieben Tage dürfen neue Gäste kommen. Anders als auf Norderney, wo ein Gast mindestens sechs Übernachtungen buchen muss, kann man auf Borkum auch nur für eine Nacht bleiben.

Der Arbeitsplatz von Jürgen Akkermann auf Borkum: das Rathaus.

Der Arbeitsplatz von Jürgen Akkermann auf Borkum: das Rathaus. © Sylvia vom Hofe

Ob sich das auch noch kurzfristig buchen lässt - etwa über Pfingsten? Da hat Akkermann große Zweifel, auch wenn die Auslastung der Zimmer nicht zentral gemeldet werde. Laut des Tourismusverbandes Niedersachsen liegt die Buchungslage zu Pfingsten für das niedersächsische Küstengebiet bei 90 Prozent. Wer sich mit der Idee eines Kurztripps trage, solle auf jeden Fall vorher eine Unterkunft buchen.

Wer krank wird, muss sofort nach Hause

Ein Besuch ohne Übernachtung - morgens hin mit der Fähre und abends wieder zurück -scheide ganz aus. „Für Tagesgäste haben wir noch nicht wieder geöffnet.“

Und wenn doch ein Gast an Covid 19 erkranken sollte? Jürgen Akkermann und sein Team haben auch das bedacht. Dann werde es augenblicklich heimgehen. Denn die zweiwöchige Quarantäne im Hotel oder in der Ferienwohnung zu verbringen, bedeute eine zu große Belastung - für Patienten und Vermieter.

Bislang hatte sich lediglich ein Insulaner angesteckt. „Zum Glück war es ein leichter Verlauf.“ Denn auch wenn es viele Kurkliniken auf der Insel gibt: eine Intensivbetreuung von Covid-19-Patienten ist nicht möglich.

Borkums Bürgermeister erholt sich in Cappenberg

Und wohin reist Jürgen Akkermann, wenn er sich von dem Stress der vergangenen Wochen erholen möchte? „Ich bin gerade erst zurück“, sagt er - aus Cappenberg, wo noch immer seine Frau und die beiden Kinder wohnen.

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