Am Gymnasium Selm laufen die Abiturprüfungen. In der Sekundarschule Selm ist der zehnte Jahrgang in der Prüfungsphase. Und die restlichen Jahrgänge kommen bald beziehungsweise sind schon da.

Selm

, 15.05.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 4 min

Eigentlich ist gerade gut zu tun für die Lehrer und Verantwortlichen am Städtischen Gymnasium und an der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule, den beiden weiterführenden Schulen Selms. Prüfungsphasen sind für alle Beteiligten besonders sensible Phasen. Das war vor Corona so, das ist auch in der Corona-Krise so. Mit dem Unterschied, dass nun die Lehrer neben Unterrichtsthemen auch mit Maßnahmen zu tun haben wie, darauf zu achten, dass Abstandsregelungen oder Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

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Das ist bisher, wo noch bei Weitem nicht alle Schüler wieder das Gymnasium beziehungsweise die Sekundarschule besuchen können, schon nicht einfach. Jetzt setzt die NRW-Landesregierung mit ihrer Wiederöffnung für alle Schüler im sogenannten rollierenden System noch eins drauf. Bis zu den Sommerferien sollen alle Schüler ihre Schule wieder besuchen dürfen.

Für das Gymnasium gilt dieser Zeitplan:

Jahrgänge 5 bis 8: ab dem 26. Mai in der Schule.

Jahrgang 9: ab dem 18. Mai.

Einführungsphase (EF) Oberstufe: ab dem 26. Mai.

Aufgrund der Hygienevorschriften werden jeweils zwei Jahrgangsstufen pro Tag in einem rollierenden Verfahren für den Präsenzunterricht wieder in die Schule kommen, schreibt die Schule auf ihrer Homepage. Dieser Unterricht konzentriere sich vorwiegend auf die Klassenlehrerstunden und die Kernfächer und finde ausschließlich im Vormittagsbereich statt.

Versetzung geregelt

Was die Versetzung betrifft, werden laut Gymnasium für die Klassen 5 bis 8 die üblichen Versetzungsvorschriften aufgehoben. Alle Schüler werden am Ende des Schuljahres 2019/20 in die nächsthöhere Klasse versetzt.

Der Grund für diese Vorgehensweise: Das wegen der Corona-Krise verkürzte Schuljahr verhindere, dass alle sonst notwendigen Leistungsnachweise wie zum Beispiel Klassenarbeiten vollständig erbracht werden. Die Leistungsbewertung im zweiten Halbjahr beruhe auf der Gesamtentwicklung während des ganzen Schuljahres unter Einbeziehung der Zeugnisnote im ersten Halbjahr.

Seife und Desinfektionsmittel kommen an den Schulen mehr und mehr zum Einsatz, wenn alle Jahrgänge nach und nach zur Schule kommen.

Seife und Desinfektionsmittel kommen an den Schulen mehr und mehr zum Einsatz, wenn alle Jahrgänge nach und nach zur Schule kommen. © Arndt Brede (Archiv)

Für die Jahrgangsstufe 9 gelten die üblichen Versetzungsbestimmungen.

In den Fächern Deutsch (9a und 9c) und Mathematik (alle Klassen) wird noch jeweils eine Klassenarbeit im zweiten Halbjahr geschrieben. Die Arbeit in den zweiten Fremdsprachen Französisch und Latein müsse entfallen, da aufgrund der Hygienebestimmungen ein Unterricht in differenzierten Lerngruppen nicht stattfinden dürfe.

Nachprüfungen möglich

Den Schülerinnen und Schülern werde in diesem Schuljahr die Möglichkeit gegeben, in allen Fächern, in denen eine mangelhafte Leistung erbracht wurde, eine Nachprüfung abzulegen, um die Berechtigung für den Besuch der gymnasialen Oberstufe zu erreichen.

Diese Informationen auf der Homepage klingen so, als ob alles reibungslos läuft. Ist das in der Realität des Alltags tatsächlich so? Am Gymnasium haben sich Schulleiter Ulrich Walter und sein Kollegium jedenfalls jede Menge Gedanken gemacht. So weit wie das Lüdinghauser Gymnasium Canisianum, das seine Schüler nach dem Unterrichtsende die Tische desinfizieren lässt, geht das Selmer Gymnasium aber nicht.

Reinigungspersonal verstärkt

„Für den Fall, dass Schüler die Kursräume wechseln, habe ich mit dem Schulträger eine Lösung erarbeitet“, sagt Ulrich Walter auf Anfrage. Es sei eine externe Firma beauftragt, die, ergänzend zum Reinigungspersonal, in den Räumen, die derzeit von den Kursen der Q1 genutzt werden und die diese Schüler dann verlassen, zwischenreinigen. Auch für die anderen Bereiche sei das Reinigungspersonal verstärkt worden.

Zudem gebe es eine strikte Trennung zwischen den jeweils zwei Jahrgängen. Das gelte für die unterschiedlich genutzten Ein- und Ausgänge, aber auch für das Gebäudeinnere: „Die Jahrgänge kommen gar nicht erst in Kontakt.“

Und wenn ab dem 26. Mai Schüler der Sekundarstufe 1 kommen, bleiben sie vormittags in ein und demselben Klassenraum. In den Pausen sei für genügend Aufsichten gesorgt.

Für Aufsicht ist gesorgt

Grundsätzlich werde die Aufteilung gelten, dass immer nur jeweils ein Jahrgang der Stufen 5 bis 8 und der Stufen 9, EF und Q1 zusammen im Gebäude seien. Gerade bei den jüngeren Jahrgängen, die in Lerngruppen aufgeteilt werden, sei gewährleistet, dass in jedem Raum der Klassenlehrer oder eine Aufsicht ist.

Diese Detailpläne haben Leitung und Lehrer des Gymnasiums erarbeitet. „Vom Schulministerium haben wir allgemein gehaltene Hygienestandards erhalten, die wir auf den Standort bezogen herunterbrechen müssen“, sagt Walter. Das sei eine aufwendige Arbeit. „An der Stelle wünschte ich mir, dass das Ministerium die Fürsorgeverpflichtung, die ja eine besondere Rolle spielt, wenn es um die Situation vor Ort geht, nämlich, dass die Schulleitung ihre Fürsorgeverpflichtung bezüglich des Kollegiums wahrnimmt, auch gegenüber der Schulleitung ernst nimmt beziehungsweise erst einmal erkennt.“ Was Schulleitungen im Moment auch zeitlich stemmen müssen, sei teilweise äußerst anspruchsvoll.

An der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule sieht der Zeitplan für die Rückkehr der restlichen Jahrgänge so aus:

Jahrgang 9: seit dem 11. Mai wieder in der Schule. Während der Prüfungstermine des zehnten Jahrgangs ist kein anderer Jahrgang im Gebäude.

Jahrgang 8: 18. Mai.

Jahrgang 7: 26. Mai.

Jahrgang 6: 28. Mai.

Jahrgang 5: 29. Mai.

Diese Regeln gelten umso mehr, als auch an die Sekundarschule nach und nach die restlichen Jahrgänge zurückkehren.

Diese Regeln gelten umso mehr, als auch an die Sekundarschule nach und nach die restlichen Jahrgänge zurückkehren. © Arndt Brede (Archiv)

So viele Schüler im Gebäude, wenn auch nicht alle auf einmal. Aber nach wie vor gilt die Coronaschutzverordnung mit ihren Hygiene- und Abstandsregelungen. Aus Gründen des Infektionsschutzes sollen in der Sekundarstufe I feste und permanente Lerngruppen gebildet werden, teilt die Sekundarschule auf ihrer Homepage mit. Laut Ministerium werden die an den Schulen einzuhaltenden Abstandsgebote und Hygienevorschriften in der Regel zur Teilung von Klassen, Kursen und Lerngruppen führen.

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Die Schule schreibt dazu: „Wir setzen diese Vorgaben um, indem jede Klasse einheitlich in drei kleine feste Lerngruppen unterteilt wird. Die räumliche Situation in vielen Klassenräumen hat dieses System erforderlich gemacht. Die Schülerinnen und Schüler erfahren von ihren Klassenleitungen, welcher Lerngruppe sie zugeordnet sein werden. Jede Lerngruppe verbleibt an dem jeweiligen Schultag in einem festen Raum. Zur Einhaltung der Hygienevorschriften können nicht mehrere Lerngruppen nacheinander in demselben Raum unterrichtet werden. Daher findet kein Schichtbetrieb statt. Die Kinder werden also von der ersten bis zur sechsten Stunde beschult werden.“

Gegen den Stimmungsumschwung angehen

Die Lehrer haben nach Auskunft der stellvertretenden Schulleiterin Eva Graß-Marx sehr genau im Blick, ob und wie die Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten werden. „Der zehnte Jahrgang, der ja seit dem 23. April in der Schule ist, hat sich vorbildlich verhalten.“ Allerdings sei zu diesem Zeitpunkt die Akzeptanz der Kontaktverbote in der Bevölkerung hoch gewesen. „Das spiegeln die Schüler ja auch.“

So wie anfangs die Zehntklässler (Foto) werden auch die anderen Jahrgänge wieder zur Sekundarschule gehen. In kleinen Lerngruppen.

So wie anfangs die Zehntklässler (Foto) werden auch die anderen Jahrgänge wieder zur Sekundarschule gehen. In kleinen Lerngruppen. © Arndt Brede (Archiv)

Nun, da vieles sehr viel lockerer gehandhabt werde, müssen die Lehrer umso wachsamer sein, sagt sie. „Es gibt einen Stimmungsumschwung, das merken wir. Das suggeriert jungen Menschen: Das ist alles gar nicht so schlimm. Und wenn das so suggeriert wird, ist für uns der Aufwand natürlich viel größer, dagegen zu halten und die Schüler darauf aufmerksam zu machen, dass Abstand und Hygiene sehr wichtig sind.“ Deshalb werden Klassen in drei und nicht in zwei Gruppen aufgeteilt.

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