Der Tag der Wiederöffnung der weiterführenden Schulen für einen Teil der Schüler ist für alle Beteiligten ungewohnt. Hat in Selm alles geklappt? Wir haben uns umgesehen.

Selm

, 23.04.2020, 16:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Selma-Lagerlöf-Sekundarschule am Donnerstagvormittag, 23. April. Seit Kurzem sind die ersten Zehntklässler wieder im Gebäude. „Die ersten zwei Schüler habe ich schon um 7.30 Uhr auf dem Schulhof getroffen“, berichtet Schulleiterin Karin Vogel.

Das Abstandsgebot gilt in allen Bereichen der weiterführenden Schulen.

Das Abstandsgebot gilt in allen Bereichen der weiterführenden Schulen. © Arndt Brede

Nach wochenlanger Zwangspause wegen der Corona-Krise gibt es nun wieder persönliche Begegnungen zwischen Schülern und Lehrern. Mit gebührendem Abstand. Darauf wird überall in der Schule auch sichtbar durch Hinweisschilder gepocht.

Drei Schüler stehen auf dem Schulhof, warten darauf, abgeholt zu werden, um in die Klasse zu gehen. Wie ist es so, am ersten Tag nach der Pause? „Ungewohnt“, sagt ein Schüler. „Komisch“, ergänzt eine Mitschülerin. Warum? „Weil man so viel Abstand halten muss“, sagt sie. „Man wird anders eingeteilt“, erklärt der junge Mann.

Jetzt lesen

Anders eingeteilt? „In unserer Schulform werden die Kernfächer in Kursen unterrichtet“, sagt Karin Vogel. Deshalb werden die Schüler nicht klassenweise unterrichtet. „Das hat unsere Vorbereitungen spannend gemacht. Wir mussten sehen, wie wir diese Kurse aufgliedern.“ Und zwar so, dass die Vorbereitung auf Prüfungen bestmöglich laufen kann, wie Konrektorin Eva Graß-Marx ausführt. Für die Freizeit der Verantwortlichen an der Sekundarschule hat das bedeutet, einen Großteil darauf zu verwenden, den Stundenplan auf die aktuellen Verhältnisse zu aktualisieren. „Osterferien hatten wir nicht“, berichtet Schulleiterin Karin Vogel.

Die aktuelle Aufteilung der Schüler sieht nun so aus: Maximal acht oder neun Schüler sind in einem Raum. Und es werden auch nicht alle 124 Zehntklässler gleichzeitig unterrichtet. „Sie kommen in Blöcken von 40 beziehungsweise etwas über 40 Schülern in die Schule“, so die Schulleiterin. 119 der 124 Schüler waren da. Fünf Schüler fehlten wegen Vorerkrankungen, sagt Karin Vogel.

Das ist Konrektorin Eva Graß-Marx wichtig: "Herzlich willkommen" steht an den Klassenräumen der Sekundarschule.

Das ist Konrektorin Eva Graß-Marx wichtig: "Herzlich willkommen" steht an den Klassenräumen der Sekundarschule. © Arndt Brede

Drei Blöcke kommen so täglich zur Sekundarschule. Wie sieht es da mit der Hygiene aus? Erstens: In den Klassen gibt es neben Seife und Papierhandtüchern an den Waschbecken auch Desinfektionsmittel. Zweitens: Desinfizieren können sich alle auch an Spendern auf Fluren und vor Toiletten. Drittens: Es gibt ein Wegeleitsystem. Zwei Ein- beziehungsweise Ausgänge sind vorgesehen. So dass sich die Gruppen möglichst nicht begegnen.

Ein Lächeln schenken statt Hände zu schütteln: Gute Idee.

Ein Lächeln schenken statt Hände zu schütteln: Gute Idee. © Arndt Brede

So gerüstet werden die Schüler also auf die Abschlussprüfungen vorbereitet. Wobei am ersten Tag ein anderer Aspekt im Vordergrund steht: „Heute ist Klassenlehrerunterricht“, erklärt Karin Vogel. Das heißt: „Alle Schüler werden erstmal begrüßt.“ Klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Aber was dahinter steckt, erklärt die Schulleiterin so: „Wir können nicht einfach sagen: Schule hat wieder angefangen und ab geht es zu den Fachlehrern. Es geht auch um Beziehungsarbeit zwischen Schülern und Lehrern. Und dazu sind Klassenlehrer eben auch da.“

Die Schüler müssten die Chance bekommen, in einer ganz anderen Schulumgebung wieder anzukommen. Partner-und Gruppenarbeit, wie es die Sekundarschüler gewohnt seien, sei eben nicht möglich.

Seife und Desinfektionsmittel gibt es auch in den Klassenräumen, wie hier in der Sekundarschule.

Seife und Desinfektionsmittel gibt es auch in den Klassenräumen, wie hier in der Sekundarschule. © Arndt Brede

Sich unter diesen Umständen, so gut sie auch organisiert sind, auf Abschlussprüfungen vorzubereiten, ist schwierig, oder? „Auf jeden Fall“, sagt ein Schüler. „Weil man auf sich selbst gestellt ist“, berichtet eine Schülerin. Das ist nun also anders. Die Schüler haben wieder die Unterstützung, die sie benötigen. Und irgendwie hat man den Eindruck, dass sich Schüler und Lehrer darauf freuen, dass sie sich in der Schule wieder begegnen.

Vor Schulbeginn versammelten sich die Abiturienten vor dem Gymnasium. In gebührendem Abstand zueinander.

Vor Schulbeginn versammelten sich die Abiturienten vor dem Gymnasium. In gebührendem Abstand zueinander. © Ulrich Walter

Ähnlich lief es am Städtischen Gymnasium. „Die Ersten haben sich ab kurz nach halb acht gesammelt und strömten auf das Schulgebäude zu. Sie haben einen Kreis gebildet und hatten genügend Abstand zueinander“, sagt Schulleiter Ulrich Walter. Was aber auf eine große Freude darauf, jetzt wieder in die Schule gehen zu können, hingewiesen habe, sei, dass sie möglichst schnell wieder in die Klassen gehen, „weil sie den angemessen distanzierten Kontakt zu ihren Mitschülern haben wollten“.

In den Räumen des Gymnasiums werden die Abstände eingehalten.

In den Räumen des Gymnasiums werden die Abstände eingehalten. © Ulrich Walter

So ist am ersten Tag nahezu der komplette Abiturjahrgang in die Schule gekommen. Nur einer der 55 Abiturienten habe gefehlt, weil er eine Vorerkrankung habe, wie der Schulleiter berichtet. Was Mund-Nase-Bedeckungen oder Mundschutze betrifft, habe es sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern uneinheitliche Vorgehensweisen gegeben.

Was an beiden Schulen auffällt: Es ist im Vorfeld der Wieder-Öffnung erstaunlich ruhig geblieben, was Reaktionen von Schülern und Eltern auf die Pläne der Landesregierung, die Schulen zu öffnen betrifft. Das ist in anderen Teilen des Landes NRW anders gewesen. „Das liegt einfach an der Transparenz der Informationen, die die Schule uns als Eltern gegenüber zeigt“, sagt Nicole Scharna, Schulpflegschaftsvorsitzende der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule. Auch Ulrich Walter, Leiter des Gymnasiums, verweist auf die Informationen, die ständig aktualisiert auf der Homepage des Gymnasiums zur Verfügung stehen.

Transparenz, das ist im Grunde der Leitfaden, mit dem Stadt und Schulen das umsetzen, was die Landesregierung ihnen auferlegt hat. „Die Kommunikation mit der Stadt ist wirklich gut, das ist ein Miteinander“, sagt Karin Vogel. „Die Schulen haben im Schulterschluss mit dem Schulträger diesen ersten Schultag in Selm vorbereitet“, ergänzt Ulrich Walter.

Selms Bürgermeister Mario Löhr gibt das Kompliment zurück: „Mein Dank geht an beide Schulleitungen. Von ihnen haben wir eine sehr große Unterstützung erhalten. Darum läuft das auch so reibungslos.“

Lesen Sie jetzt