So schützen Selmer Taxifahrer in Corona-Zeiten sich und ihre Gäste

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Die Corona-Krise hat viele Auswirkungen, vor allem auf die Bewegungsfreiheit der Menschen. Das spürt die Taxibranche in Selm.

Selm

, 07.04.2020, 10:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind keine leichten Zeiten für Taxiunternehmer. Mit der Corona-Krise und ihren Auflagen zum Schutz gegen Infektionen fielen viele Fahrten weg. „Infolge der steigenden Zahl abgesagter Veranstaltungen verzeichnen viele Taxiunternehmer einen Nachfragerückgang und Umsatzeinbußen“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen, Michael Oppermann. Wir haben bei Taxiunternehmen in Selm nachgefragt, wie es läuft.

Es läuft nicht gut. Räder der Taxis stehen still. So auch beim Unternehmen Selmer Taxen. Chef Norbert Simdorn berichtet: „Es hat ganz rapide abgenommen. Meine Mitarbeiter haben alten Urlaub genommen oder bauen Überstunden ab.“ Folge: „Ich fahre zurzeit allein.“ Normalerweise fahren sechs seiner Fahrzeuge auf den Straßen.

Es fallen viele Krankenfahrten weg, sagt Simdorn. Fahrten zu Tagespflegen auch, weil so manche Einrichtung geschlossen sei. Vereinzelt habe er auch Flughafen-Transfers gemacht. Die entfallen auch.

Auch das ist ein Gebot der Stunde im Taxigewerbe: Die Fahrgäste müssen hinten einsteigen.

Auch das ist ein Gebot der Stunde im Taxigewerbe: Die Fahrgäste müssen hinten einsteigen. © Arndt Brede

Wie schützt sich Simdorn denn selbst vor Ansteckung? Mittlerweile habe er sechs Plexiglasscheiben bestellt, mit denen er seine Fahrzeuge ausrüsten werde, berichtet der Taxiunternehmer. Zudem lasse er die Fahrgäste hinten einsteigen. Nach jedem Bargeldvorgang beim Bezahlen desinfiziere er sich die Hände.

„Ich lasse mich auch jedes Jahr gegen Influenza impfen“, berichtet der Selmer. „Das rate ich auch meinen Fahrern immer.“

Lage ist existenzbedrohend

„Es ist natürlich weniger zu tun“, erzählt auch Dirk Unger, Chef der Taxi und Mietwagen Unger GmbH. Was heißt weniger? „Ich habe von 30 Fahrzeugen, die normalerweise auf der Straße fahren, 29 auf dem Hof stehen.“ Es sei existenzbedrohend, „wenn das auch noch nach den Osterferien ein paar Monate so geht wie jetzt“. Kurzarbeit habe er beantragt.

Der Hof der Taxi und Mietwagen GmbH Unger ist voll. Von 30 Fahrzeugen fährt derzeit nur eins, sagt Chef Dirk Unger.

Der Hof der Taxi und Mietwagen GmbH Unger ist voll. Von 30 Fahrzeugen fährt derzeit nur eins, sagt Chef Dirk Unger. © Arndt Brede

Als Schutzmaßnahmen setzt Unger auf Desinfektion und, dass Fahrgäste hinten einsteigen. Fahrer können Schutzmasken tragen, wenn sie wollen.

Folie als Spuckschutz

Auch an der Firma Easy Car ist die Corona-Krise nicht spurlos vorüber gegangen. Chef Karsten Unger erzählt, auch er sei dazu übergegangen, die Fahrgäste nur noch hinten einsteigen zu lassen. Mit Folie, die er um die Kopfstützen der Vordersitze gezogen habe, sei ein Spuckschutz entstanden. Die Folie wechsele er regelmäßig.

Die Fahrzeuge von Easy Car sind mit Folie ausgestattet, die regelmäßig ausgewechselt wird.

Die Fahrzeuge von Easy Car sind mit Folie ausgestattet, die regelmäßig ausgewechselt wird. © Arndt Brede

Von Plexiglasscheiben nehme er derzeit Abstand, weil er nicht sicher sei, dass er mit diesen Scheiben im Fall eines Unfalls versichert sei.

Die Fahrer seines Unternehmens fahren mit Mundschutz. Rund 100 Mundschutze habe er sich extra machen lassen. „Und die meisten Fahrgäste haben ja selber einen Mundschutz.“

„Berührungsängste habe ich nicht. Wenn man gewisse Regeln einhält, ist das kein Problem. Solange einen keiner anspuckt.“
Taxiunternehmer Karsten Unger

Wie ist das eigentlich für jemanden, der in diesen Zeiten hinterm Lenkrad sitzt und andere Menschen von A nach B und zurück fährt. „Berührungsängste habe ich nicht“, sagt Karsten Unger. „Wenn man gewisse Regeln einhält, ist das kein Problem. Solange einen keiner anspuckt.“

Taxi zu fahren, das tue er gern. Allerdings kann er das in diesen Zeiten immer seltener tun. „Das Auftragsvolumen ist um 70 Prozent zurückgegangen“, berichtet Unger. Fahrten für die Seniorenheime fallen weg. Flughafenfahrten ebenfalls. „Es fliegt ja nichts mehr.“ Ältere Kunden hätten abgesagt, „weil sie Angst haben“. Er fahre jetzt „wirklich nur noch die Leute, die zum Arzt müssen, zur Dialyse oder zur Chemobehandlung“.

Fördermittel bekommen und Kurzarbeit angemeldet

Wie lange hält sein Unternehmen noch durch? Die Antwort kommt schnell: „Drei Monate, wenn keine Einnahmen da sind.“ Er habe bereits Fördermittel bekommen. Zwei der fünf Fahrzeuge habe er mittlerweile abgemeldet. Aushilfen habe er abgemeldet. „Ich brauche sie ja zurzeit nicht.“ Und er habe Kurzarbeit für die Festangestellten angemeldet. „Deswegen fahre ich ja jetzt selber mit. Irgendwie muss man das Schiff ja über Wasser halten. Wer weiß, was noch kommt.“

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