Ein Arzt bei der Erklärung der Software Somras. Der Kreis Unna möchte die Software erst mal noch nicht einsetzen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Corona-Eindämmung

Corona-Nachverfolgung: Kreis Unna setzt nicht auf Bundes-Software

Eine neue Software soll den Gesundheitsämtern in Deutschland helfen, Corona-Kontakte zurückzuverfolgen, doch nicht alle nutzen sie. Auch das Gesundheitsamt in Unna nicht. Dafür gibt es Gründe.

Im November hatte der Bund bereits die Aufforderung an alle 375 Gesundheitsämter in Deutschland verschickt, eine neue Software zu installieren: „Sormas ÖGD“ heißt sie. Sie wurde vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung gemeinsam mit dem RKI entwickelt, um bei Epidemie-Lagen zu helfen. Mit der Software sollen Kontakte einfacher nachverfolgt werden, außerdem soll es eine direkte Schnittstelle zum Robert-Koch-Institut und zu den Laboren geben. Die Betriebskosten sowie die Schulungskosten werden bis Ende 2022 vom Bund gezahlt.

Kritik an „Steinzeitmethoden“ der Ämter

Direkt auf den Installationsbutton geklickt haben aber nur wenige Ämter. Nur 111 und damit nicht einmal ein Drittel der 375 Gesundheitsämter hatten die Software am 31. Dezember 2020 auf dem Rechner, wie aus einer Antwort des Bundes-Gesundheitsministeriums auf eine aktuelle Anfrage der gesundheitspolitischen Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, hervorgeht.

Klein-Schmeink kritisiert das in einer Mitteilung deutlich: „Bei den aktuellen Infektionszahlen können wir uns Steinzeitmethoden wie die händische Erfassung oder das Abtippen von Excel-Tabellen zur Kontaktnachverfolgung nicht mehr leisten. Es ist mir schleierhaft, wie fast ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie über zwei Drittel der Ämter noch immer nicht über die entsprechende Software verfügen.“

Prüfung, ob die Software eingesetzt werden soll

Auch das Gesundheitsamt des Kreises Unna gehört zu den Behörden, die das Programm aktuell nicht einsetzten, wie Kreissprecher Volker Meier auf Anfrage unserer Redaktion sagt. Ob es eingesetzt werden soll, sei außerdem noch nicht klar. „Wir prüfen das gerade“, sagt Meier. Ein Knackpunkt dabei sei, dass die Mitarbeiter in dem neuen Programm geschult werden müssen. „Für uns ist wesentlich, dass die Mitarbeiter in dem Programm geschult sind und dass wir mit unseren Schnittstellen in Kontakt treten können“, sagt Meier. Das sei mit der aktuellen Variante der Fall. Der Kreis setze auf ein eigenes System. Meier ist dabei wichtig zu betonen: „Wir machen das nicht mit Fax.“

Auch andere Kommunen hatten darauf hingewiesen, dass sie aktuell auf das Programm verzichten möchten. So hatte die Stadt Bochum Mitte Januar beispielsweise auf Twitter mitgeteilt, dass sie die Vorteile von Sormas geprüft habe. Aber: „Unsere eigene Datenbank läuft derzeit aber stabil und erfüllt alle Anforderungen. Während der laufenden Pandemie ist eine Umstellung daher nicht in Planung.“

Auch Gesundheits- und Wirtschaftsminister werben

Mitte Januar gingen in Nordrhein-Westfalen auch Schreiben an die Landrätinnen und Landräte sowie Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister heraus, in denen NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) für die Installation der Software warben. „Wir verstehen noch nicht immer ausreichend, warum in einer Kommune bzw. in einem Kreis die Infektionszahlen besonders hoch sind, während in anderen Kommunen das Infektionsgeschehen kaum ansteigt“, heißt es darin unter anderem. Dafür benötige man Daten über Kreisgrenzen hinaus.

Was die Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten in der aktuellen Situation angeht, wo der Kreis Unna einen Inzidenzwert von 124.33 aufweist und die Neuinfektionen tendenziell sinken, ist Volker Meier gerade entspannter: „Derzeit kommen wir mit der Fallrückverfolgung gut klar“, sagt er. Am Dienstag, 26. Januar, habe es beispielsweise in Kamen keinen einzigen Corona-Fall gegeben. Eine Kommune, bei der in der Übersicht der Fälle eine Null stand. „Das hatten wir schon lange nicht mehr“, sagt Meier.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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