Coronafall am Gymnasium Selm: Quarantäne, Befugnisse, harte Regeln

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Am Gymnasium hat es einen Coronafall gegeben. Den ersten in einer Selmer Schule im „Lockdown light“. Der Schulleiter erklärt, warum die Regeln Schulen schnell an ihre Grenzen bringen könnten.

Selm

, 13.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Gymnasium Selm hat es einen Coronafall gegeben. Das bestätigt Schulleiter Ulrich Walter am Freitag (13.11.) auf Anfrage unserer Redaktion. Eine Neuigkeit sei das allerdings nicht, so Walter weiter.

Die Information darüber hatte der Schulleiter am vergangenen Samstag (07.11.) erhalten. Der Klassenlehrer informierte Walter über die Infektion des Schülers. Die Konsequenz: Die betroffene Schulklasse und sechs Lehrer wurden in Quarantäne geschickt. Und: „Es gibt, Stand Freitagmittag, bislang keine weitere Infektion an der Schule“, sagt Walter.

Weil die gesamte Lage um den Fall - nach Informationen unserer Redaktion der erste an einer Selmer Schule seit dem neuen „Lockdown light“ im November - aber schon bis zum 3. November zurückreicht, werden die Quarantäne-Zeiten bis Anfang der kommenden Woche (16./17.11.) wieder vorbei sein.

Korrekte Entscheidung ohne „offizielles“ Wissen

Der zeitlichen Abfolgen und Maßnahmen sind allerdings deutlich komplexer, als diese Meldung.

Noch am Samstagnachmittag, also direkt nachdem Walter von dem positiven Testergebnis erfahren hatte, habe er versucht das Gesundheitsamt in Unna telefonisch zu erreichen. Ohne Erfolg. Zusammen mit der Bezirksregierung Arnsberg habe man dann entschieden, selbst zu handeln. Sprich: Die Klasse und die Lehrer die bis zu zwei Tage vorher in der Klasse unterrichtet hatten blieben ab dem folgenden Montag (09.11.) zu Hause. Dieses Maßnahmen seien von der Konferenz der Schuldezernenten im Kreis Unna in der vergangenen Woche so beschlossen worden.

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Walters Entscheidung bestätigte am Montagnachmittag dann auch das Gesundheitsamt. Allerdings habe die Behörde bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Rückmeldung über das Testergebnis oder über den Arzt vorgelegen. „Offiziell wussten wir also noch von nichts“, so Walter. Der Schulleiter betont: „Das ist nicht optimal, aber das ist nicht dem Gesundheitsamt vorzuwerfen.“ Die Behörde in Unna leiste unter den aktuellen Umständen gute Arbeit.

Quarantänemaßnahmen unterscheiden sich von Ort zu Ort

Im Weiteren habe das Gesundheitsamt allerdings bei den Quarantäne-Maßnahmen an der SGS noch einmal „nachsteuern“ müssen. Denn die Richtlinie besage, dass nicht die Lehrer in Quarantäne müssen, die zwei Tage vor bekanntwerden des Coronafalls, hier der Samstag (07.11.), in der Klasse unterrichtet hätten.

Sondern die Lehrkräfte, die zwei Tage vor dem letzten Unterrichtsbesuchs des betroffenen Schülers in der Klasse unterrichtet haben. Im konkreten Fall war der Schüler zuletzt am Dienstag (03.11.) in der Schule gewesen, sagt Walter.

Und auch damit war das Thema noch nicht abgeschlossen. Denn: Nachdem das Testergebnis des Schülers Anfang dieser Woche vorlag, gingen am Dienstag (10.11.) die Infos an die zuständigen Ordnungsämter in den Wohnorten der Lehrer raus. Die wiederum erließen entsprechende Quarantäne-Anordnungen.

Allerdings auf Grundlage der Corona-Richtlinien im jeweiligen Kreis oder der Stadt, in der der Betroffene seinen Wohnort hat.

Während in Unna die verschärften Regeln für eine Quarantäne gelten, sei das in anderen Kreisen durchaus auch anders geregelt. So sei eine Lehrkraft am Gymnasium Selm auf Anordnung des Ordnungsamts in ihrem Wohnort bereits seit Donnerstag (12.11.) wieder aus der Quarantäne entlassen worden, sprich arbeitsfähig.

Walter als Schulleiter sei hier nicht weisungsbefugt. Das Recht auf Arbeit könne er nicht verwehren. „Unserer Meinung nach kann die Lehrkraft allerdings auch sicher wieder unterrichten“, räumt der Schulleiter ein.

Harte Regeln können Schulen schnell an Grenzen bringen

Und noch etwas sei klar: Die neue Richtlinie könne Schulen sehr schnell an ihre Grenzen bringen. „Wenn wir nicht nur einen Fall haben, sondern drei bis vier, bekommen wir im Kollegium relativ schnell eine Streuung, bei der bis zu 50 Prozent unserer Kollegen ausfallen“, erklärt Walter.

Die Folge wären erneuter Distanzunterricht für die Schüler. Auch eine Notbetreuung müsste wieder eingerichtet werden. Wie schon im ersten Lockdown, was eigentlich verhindert werden sollte.

„Wir befinden uns in einer sehr angespannten Situation. Denn ich habe schon jetzt Vertretungskräfte, die am Rande ihrer Möglichkeiten sind.“

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