Rolle rückwärts: Berken darf nun doch öffnen - mit Einschränkungen

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Das Kaufhaus Berken ist das einzige Einzelhandelsgeschäft, das in Selm nicht öffnen durfte - es war zu groß. Nun darf es öffnen. Der Inhaber kritisiert aber die NRW-Landesregierung.

Selm

, 23.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hans-Georg Schirmeisen, Inhaber des Kaufhauses Berken an der Kreisstraße will es am Mittwoch, 22. April, zunächst nicht so ganz glauben, dass sein Geschäft nun doch öffnen darf.

Sonderregelung für Möbelhäuser

Rückblick: Vergangene Woche Mittwoch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kampf gegen das Coronavirus von einem „zerbrechlichen Zwischenerfolg“ gesprochen und nach einer Telefonkonferenz mit den Ministern aller Bundesländer einige Lockerungen abgestimmt. Dazu gehört zum Beispiel die schrittweise Öffnung von Schulen und auch die Öffnung von Einzelhandelsgeschäften bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern. Das Kaufhaus Berken ist deutlich größer als 800 Quadratmeter und war somit das einzige Einzelhandelsgeschäft Selms, das nicht öffnen dürfte.

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Ebenfalls am Mittwoch vergangener Woche war Bürgermeister Mario Löhr davon ausgegangen, dass Berken mit einer entsprechenden Abtrennung öffnen dürfte, die die Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter beschränkt hätte. Einen Tag später stand allerdings fest, dass das Land NRW so eine Abtrennung nicht gestatten würde - anders als andere Bundesländer. Besonders für Kritik sorgte dabei auch, dass NRW unter den Bundesländern einen Sonderweg gewählt hatte und für Möbelhäuser eine Ausnahme schuf: Sie durften trotz weitaus größerer Ladenflächen wieder öffnen.

Ungleiche Behandlung

Diesen Mittwoch dann die Rolle rückwärts. Auf der Seite der Landesregierung steht, dass ab Montag auch größere Einzelhandelsgeschäfte öffnen dürfen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf höchstens 800 Quadratmeter begrenzen und „unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen.“

Hans-Georg Schirmeisen ist verärgert. „Weil wir ungleich behandelt werden“, sagt er. Dass zum Beispiel Möbelhäuser öffnen durften, er aber nicht, kann er nach wie vor nicht verstehen. Für ihn ist aber klar: „Wir werden ab Montag die untere Etage aufmachen“, diese werde dann vom restlichen Laden abgetrennt. „Wir haben außerdem einen Desinfektionsmittelspender am Eingang bereit stehen“, sagt Schirmeisen. Außerdem gibt es einen Spuckschutz für die Mitarbeiter und natürlich dann auch vorgeschriebene Masken für seine Mitarbeiter. „Die Kunden müssen dann auf jeden Fall auch Masken tragen“, sagt Schirmeisen. Diese könnten sie zum Preis von 3,50 Euro aber auch bei ihm erwerben.

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Auch Bürgermeister Mario Löhr steht den Entschlüssen der Landesregierung kritisch gegenüber. „Die jetzt getroffene Regelung halte ich für nicht zielführend“, sagt er. Sie sei konträr zu den Beschlüssen, auf die sich der Bund mit den Ländern in der vergangenen Woche geeinigt hat. „Kritisch ist vor allem anzumerken, dass die Landesregierung NRW scheibchenweise eine Auflösung der gemeinsam getroffenen Beschlüsse vornimmt und keine Verlässlichkeit da ist“, so der Bürgermeister gegenüber unserer Redaktion. Ähnlich sei dies auch beim Thema Schutzmasken. „Ich erwarte von der Landesregierung klare und eindeutige Vorgaben auch für das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Schulen oder öffentlichen Verwaltungen“, so Löhr.

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