Es ist leer in den Selmer Schulen. Leise ist es auch. Wegen Corona. Das Virus legt den Schulbetrieb lahm. Dass es so leise ist wie am Montag, 16. März, war aber nicht zu erwarten.

Selm, Bork, Cappenberg

, 16.03.2020, 17:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Montag, 17. März: Der erste Tag, an dem auch an den NRW-Schulen kein Unterricht mehr stattfindet. Die NRW-Landesregierung hatte das verfügt, um die Infektionsketten des Coronavirus möglichst zu unterbrechen, mindestens aber zu verzögern. Dieser Montag und der darauf folgende Tag bieten allen Eltern auch in Selm übergangsweise die Möglichkeit, ihre schulpflichtigen Kinder in den Selmer Schulen betreuen zu lassen.

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Wegen der knappen Zeit - erst am Freitag, 13. März, war die Entscheidung, den Unterricht auszusetzen, gefallen - hätte man eigentlich davon ausgehen können, dass viele Eltern mangels Betreuungsalternativen dieses Angebot der Schulen wahrnehmen würden. Wir haben bei den Schulen nachgefragt.

Von null bis zehn Kinder

„Null“, lautet die Antwort von Ulrich Walter, dem Leiter des Städtischen Gymnasiums Selm, auf die Frage, wie viele Kinder am Morgen zum Gymnasium zur Betreuung gebracht wurden. Wie es für Dienstag, 18. März, aussehen werde, sei noch nicht abzusehen.

Die Tür des Gymnasiums steht zwar offen. Aber am Montag kamen keine Schüler zur Betreuung.

Die Tür des Gymnasiums steht zwar offen. Aber am Montag kamen keine Schüler zur Betreuung. © Arndt Brede

Auch an der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule waren am Montag keine Kinder zu betreuen. Die Zahl für Dienstag sei nicht abschätzbar, berichtet Schulleiterin Karin Vogel auf Anfrage.

In der Grundschule Auf den Äckern waren am Standort Bork am Montag zehn Kinder und am Standort Cappenberg drei Kinder zur Betreuung gebracht worden. Wie viele es am Dienstag sein werden, „ist nicht abzuschätzen“, sagt Schulleiterin Anja Knipping.

Zwei Kinder kamen am Montag zur Ludgerischule. Für Dienstag seien drei Kinder angemeldet, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Andrea Dabrowski.

An normalen Schultagen stehen hier am Gymnasium sehr viel mehr Räder.

An normalen Schultagen stehen hier am Gymnasium sehr viel mehr Räder. © Arndt Brede

Vier Kinder hatte die Overbergschule am Montag zu betreuen. Dieselbe Anzahl sei auch für Dienstag abzusehen, berichtet Leiterin Christine Jücker.

Anmeldung für Not-Betreuung

Wenn die beiden Übergangstage vorbei sind, dürfen nur noch Schüler betreut werden, deren Eltern nachweisen, dass sie in kritischen Infrastrukturen arbeiten und durch Bescheinigung den Nachweis erbringen, dass sie unabkömmlich sind und keine private Betreuung möglich ist. So lautet jedenfalls der Erlass der Landesregierung. Für Kinder aus entsprechenden Familien sei die Betreuung in den Schulen ab Mittwoch, 18. März, gewährleistet, sagt Christine Jücker, Leiterin der Overbergschule. „Da gibt es auch schon Anmeldungen“, sagt sie. „Wir sammeln gerade.“ Wo die Schule aber beispielsweise wisse, dass die Eltern, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind, in den entsprechenden Berufen arbeiten, weise sie von sich aus die Eltern auch auf die Möglichkeit der Notbetreuung hin.

Noch keine große Not spürbar

Was ist aber mit Eltern, die nicht in den entsprechenden Berufen arbeiten, für die die Kinder-Notbetreuung ab Mittwoch eingerichtet wird? „Viele organisieren sich gerade, um entsprechende Betreuungsformen zu finden.“ Bis zur Overbergschule sei jedoch noch nicht vorgedrungen, dass bei Eltern die Not, geeignete Betreuungsformen zu finden, groß sei, sagt Christine Jücker.

So leer ist der Schulhof der Overbergschule normalerweise nicht.

So leer ist der Schulhof der Overbergschule normalerweise nicht. © Arndt Brede

Wie gehen die Schulen denn überhaupt mit der neuen Situation, die ja erst seit dem 13. März, von der Landesregierung verfügt worden war, um? „Bei uns stehen die Strukturen“, berichtet Ulrich Walter. Das heißt: „Die Schüler kommen ins Forum, werden dort von Lehrern in Empfang genommen und müssen sich dann namentlich eintragen.“ Danach werden sie in Gruppen mit nicht mehr als fünf Schülern betreut und versorgt. „Wir werden jeden Tag neu auch prüfen, ob es sich um Kindern von Eltern aus den Berufen handelt, die unabkömmlich sind.“

Nun könnte es ja sein, dass am Mittwoch auch Kinder zur Betreuung in die Schule kommen, deren Eltern nicht den Nachweis der Unabkömmlichkeit erbringen können. Was ist mit diesen Kindern? Ulrich Walter, Leiter des Gymnasiums, sagt dazu: „Die werde ich an dem Tag nicht vom Hof jagen. Allerdings dürfen sie am nächsten Tag dann nicht mehr kommen.“

Konferenzen abgesagt

Um auch innerhalb der Schulen mögliche Infektionsketten zu unterbrechen, werden teilweise Konferenzen oder Arbeitsgruppensitzungen abgesagt beziehungsweise die Teamgrößen bei den Sitzungen verkleinert, wie Karin Vogel von der Sekundarschule berichtet.

„Wir fahren alles auf das Notwendigste runter“, bringt Ulrich Walter es auf den Punkt. Das bedeutet auch, dass einige der Lehrer im Homeoffice arbeiten. Allen Schulen ist zudem gemeinsam, dass sie personell sicherstellen, dass alle Kinder, die zur Betreuung kommen, auch angemessen betreut werden. Am Gymnasium sind zum Beispiel die Fachkonferenzen täglich wechselnd für die Betreuung verantwortlich.

Über die Betreuung der Kinder hinaus sind die Lehrer an den Schulen derzeit auch damit beschäftigt, Arbeitsaufträge für die Schüler vorzubereiten, die diese dann zu Hause abarbeiten, wie Christine Jücker von der Overbergschule sagt.

Sehr gute Handreichungen

Eine Situation wie die zurzeit habe sie in ihrer ganzen Zeit als Lehrerin und als Mitglied der Schulleitung noch nicht erlebt, sagt Christine Jücker. „Allerdings bekommen wir sehr gute Handreichungen.“ So versorge die zuständige Dezernentin bei der Bezirksregierung Arnsberg die Schulen mit aktuellen Informationen.

Auch die Schulen veröffentlichen regelmäßig auf ihren Homepages aktuelle Informationen in Sachen Corona-Krise.

Die Stadt Selm hat auf ihrer Homepage unter der Rubrik „Aktuelle Meldungen“ die

Bescheinigung für Angehörige in unverzichtbaren Aufgabenbereichen veröffentlicht. Auf der Homepage gibt es auch weitere Informationen dazu. www.selm.de

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