Das hat Monika Wesberg als neue Leiterin der Familienbildungsstätte Selm vor

hzNeue FBS-Leiterin

Seit dem 1. Januar hat die Familienbildungsstätte (FBS) Selm eine neue Leiterin. Monika Wesberg hat viel Erfahrung in der Familienbildung. Einiges wird für sie aber neu sein.

Selm

, 12.02.2019 / Lesedauer: 6 min

Monika Wesbergs neue Stelle beinhaltet eine Doppelfunktion. So, wie Doris Krug seit Mitte 2017, wird auch Monika Wesberg die FBS Selm und die FBS Werne leiten. Was das für sie bedeutet, welche Ideen sie schon hat und wo sie herkommt, hat sie im Gespräch verraten.

Frau Wesberg, kommen wir gleich zu einer der wichtigen Fragen: Wann ziehen Sie nach Selm?

Ich lebe mit meiner Familie seit mehr als 20 Jahren in Havixbeck, unser Sohn ist vor acht Jahren nach Berlin gezogen. Ich habe zur Leitung der beiden Familienbildungsstätten ja gesagt, obwohl ich wusste, dass jetzt die langen Fahrzeiten für mich dazu kommen. Ich habe mir vorgenommen, mindestens ein Jahr zu fahren. Wir gucken uns auch die Orte Selm und Werne an und gehen in eine ganz offene Diskussion, ob ein Umzug in Frage kommt oder nicht.

Um Sie mal näher kennenzulernen: Was waren die wichtigsten beruflichen Stationen, bevor Sie die neue Stelle am 1. Januar angetreten haben?

Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und habe auch in dem Beruf gearbeitet, bis ich vor 30 Jahren in Mutterschutz gegangen bin. Mir ist klar geworden, dass ich in den Beruf mit Schichtdienst nicht zurückkehren möchte. Ich bin aber froh, die Ausbildung und auch die Erfahrung als Krankenschwester gemacht zu haben. Mutter zu sein, war der Auslöser, mich noch einmal umzuorientieren. Mit unserem Sohn habe ich damals eine PEKiP-Gruppe (Prager-Eltern-Kind-Programm, Anm. d. Red.) besucht und da habe ich Feuer gefangen. Noch in der Erziehungszeit - so hieß das damals - habe ich die PEKiP-Ausbildung gemacht. Mehr als 27 Jahre habe ich seitdem PEKiP-Kurse gegeben, immer mit Herzblut.

Wie sind Sie dann in die Familienbildung gekommen?

Als unser Sohn in den Kindergarten kam, habe ich mir gesagt „Jetzt oder nie“ und habe ein Studium der Diplom-Sozialpädagogik begonnen und abgeschlossen. Nach dem Studium habe ich als Sozialpädagogin im Schulkindergarten einer Grundschule gearbeitet. Ich bekam dann das Angebot, eine Elternschule als ergänzendes Angebot der Hebammen durch Babymassage und PEKiP in Ahaus mit aufzubauen. Daraus haben wir im Team so etwas wie eine kleine Familienbildungsstätte (heute GKF-Ahaus) entstehen lassen. Nach zehn Jahren wollte ich mich umorientieren und habe eine freie Stelle in der Familienbildungsstätte Coesfeld gesehen und mich beworben. Ich habe die Stelle als pädagogische Mitarbeiterin und Fachbereichsleitung mit dem Schwerpunkt Eltern-Kind-Bereich bekommen. Darüber hinaus war ich im Fachbereich Gesundheit sowie im Bereich Qualifizierung und Fortbildung tätig.

Das war also die Stelle, bevor Sie die FBS-Leitung hier übernommen haben.

Ja, in der FBS Coesfeld war ich über neun Jahre. Im Laufe der Jahre habe ich zudem immer mehr Projekte, durchaus auch kreisweite Projekte begleitet.

Und in all den Jahren haben Sie auch gelernt, zu organisieren, oder?

Ja, das war schon bei der vorvorletzten Stelle. Wenn man etwas aus wenigen Kursen aufbaut und Neues reinbringt, lernt man auch Teamwork und Netzwerkarbeit. Das gehört zu den Bildungs-Bereichen, in denen wir tätig sind, dazu. Weil ich ja Menschen für Projekte begeistern möchte und weil man so besser jemanden findet, der einen unterstützt, sei es ideell oder finanziell.

Bis wann haben Sie in Coesfeld gearbeitet?

Bis Ende 2018. Vor vier Monaten wusste ich noch nicht, dass wir heute hier sitzen werden und uns unterhalten.

Haben Sie sich beworben?

Als klar war, dass Doris Krug die Leitung abgeben und auf eine halbe Stelle reduzieren möchte, hat die Geschäftsführung des Katholischen Bildungsforums im Kreisdekanat Coesfeld eine neue Leitung gesucht und mich angesprochen. Letztendlich hat mich die Herausforderung gelockt, mich wieder auf etwas Neues einzulassen. Die Erfahrungen, die ich auf den bisherigen Stellen gesammelt habe, gehen ja nicht verloren.

Sie wussten aber schon, dass Sie Werne und Selm leiten werden...

Das war von vornherein klar. Das besteht seit eineinhalb Jahren mit Doris Krug als Leiterin beider Einrichtungen und ist seitdem nicht mehr geändert worden.

In beiden Einrichtungen laufen derzeit die Programmplanungen für den Zeitraum 2019 bis Sommer 2020, Sie kennen aber die Strukturen womöglich noch nicht so genau. Was macht das mit Ihnen?

Da kann ich froh sein, dass wir in beiden Häusern gute Teams haben. Ich komme ja nicht in Familienbildungsstätten, die nicht schon gut laufen. Das erste große Team-Gespräch mit den Mitarbeitern aus beiden Häusern steht an. Wir werden gucken, was da ist, was Bestand haben wird, wo es neue Ideen gibt, wo wir Strukturen angleichen können. Ich komme mit der Haltung, erst zu schauen, was da ist und was gut läuft. Daraus entwickeln sich gute Diskussionspunkte. Insgesamt haben beide Häuser ein gutes und umfangreiches Programm für Menschen jedes Alters.

Wird es erste eigene Ansätze von Ihnen geben?

Auch schon jetzt, wenn wir in der Programmplanung sind, werde ich eigene Sachen einbringen. Ich werde für beide Häuser definitiv den Fortbildungsbereich übernehmen und habe auch für die anderen Fachbereiche ein paar Ideen.

Sie kommen ja, was Familienbildung betrifft, von der Basis und haben einen pädagogischen Anspruch. Sie haben Rahmenbedingungen, in denen Sie jetzt arbeiten müssen. Kommt das irgendwie überkreuz?

An vielen Stellen geht das gut, an manchen zwickt das. Uns allen, und da beziehe ich alle Mitarbeiter ein, ist klar, dass wir auch für Familien, die keinen dicken Geldbeutel haben, Angebote schaffen müssen. Niederschwellige oder kostenfreie Angebote. Da ist die Herausforderung, zu schauen, ob es einen anderen Finanzierungstopf oder ob es Sponsoren gibt.

Wie gut sind Sie darin, Finanzierungstöpfe zu finden?

Gut (lacht). Es gibt ja verschiedene Konzepte/Projekte von Land und Bund, wo man Anträge stellen kann, um Kurse anzubieten (z.B: Elternstart NRW, die Kooperationen mit den Familienzentren). Da muss man sehen, was leistbar ist. Ich weiß, wie viel Organisation und Verwaltung dahinter steckt. Ich kann mich aber auch vor Ort Leuten zuwenden und versuchen, sie als Sponsoren zu gewinnen. Ebenso verfügen beide FBS’en über einen Förderverein, der uns an einigen Stellen gut unterstützt.

Den Mitarbeitern beider Familienbildungsstätten haben Sie sich schon vorgestellt?

Einige MitarbeiterInnen kannten mich schon, da die FBS Coesfeld zum Bildungsforum gehört. Anfang Januar habe ich mich in beiden Einrichtungen vorgestellt. Kursleitungen, Kooperationspartner und so weiter konnten mich bei den Neujahrsempfängen in Werne und Selm kennenlernen. Ich möchte zwei Tage in Selm, zwei Tage in Werne präsent sein, habe aber auch andere Termine im Bildungsforum.

Was glauben Sie, wie vielen Menschen Sie sich in beiden Orten vorstellen müssten, um Ihre Ziele zu erreichen? Und das unter der Maßgabe, dass Sie noch ein Jahr pendeln möchten.

Eine Zahl könnte ich jetzt gar nicht nennen. Es geht aber schon los. Mein Terminkalender für die nächsten Wochen ist auch mit Kontakten in Selm gefüllt. Dann gibt es die beiden Fördervereine der Familienbildungsstätten, den engen Partner VHS und so weiter, die ich kennen lernen möchte. Erste Termine mit Netzwerk- und Kooperationspartnern gibt es auch schon. Das ist jetzt meine Aufgabe, neben der, dass ich mich um das interne Geschehen in beiden Häusern kümmern muss. Ich versuche, zwei Tage in der Woche in jeder der beiden Einrichtungen persönlich zu sein.

Jetzt mal nachgerechnet: Pro Fahrt brauchen Sie hin und zurück jeweils eine Dreiviertelstunde. Mindestens. Sie haben die Organisation in Selm und Werne unter sich. Sie haben eigene Fachbereiche in beiden Einrichtungen. Sie haben Teamsitzungen, Gespräche. Wie viele Stunden wird Ihr Tag haben?

Eigentlich sollte ich nicht gleich mit Überstunden anfangen (lacht). Aber tagsüber werde ich zwischen zehn und zwölf Stunden von zuhause weg sein. Das war mir aber vorher klar. Gerade in der Endphase der Programmplanung bleibt man auch schon mal länger.

Wo sehen Sie mögliche Probleme?

Es ist immer ein Problem für Familienbildungsstätten oder ähnliche Einrichtungen, gute, qualifizierte Kursleitungen zu finden.

Was auch an der Bezahlung liegen dürfte...

Keine Frage, aber da ist ja eben die Waage: Möchte ich Kursleitungen richtig gut und adäquat bezahlen, müssten die Kurse so teuer sein, dass sie für junge Familien nicht zu bezahlen wären. Aus meiner Erfahrung sind aber die Kursleitungen nicht nur tätig, um Geld zu verdienen, sondern auch, weil es eine Herzensangelegenheit ist und Spaß macht mit Menschen zu arbeiten.. Natürlich ist es trotzdem wichtig, dass sie einigermaßen angemessen bezahlt werden. Es gehört auch zu einer der großen Aufgaben von Familienbildungsstätten, sich um Kursleitungen und Referenten gut zu kümmern. Wir sorgen dafür, dass sie mit dem Drumherum, wie Verwaltung, nichts zu tun haben. Wir sorgen dafür, dass möglichst gute Räume und Materialien zur Verfügung stehen. Wir bieten Fortbildungen an.

Woran liegt es, dass es so schwer ist, Kursleitungen zu finden?

Das liegt unter anderem auch daran, dass Frauen nach der Elternzeit viel eher in den Beruf zurückkehren als früher. Damals haben viele Frauen, etwa Erzieherinnen, während der Elternzeit den einen oder anderen Kurs gegeben. Der Pool derjenigen, die wir als potenzielle Kursleitungen ansprechen könnten, ist kleiner geworden.

Haben Sie, bezogen auf Ihre neue Stelle, einen Wunsch?

Ich wusste, dass die FBS eine große Bedeutung für Selm hat. Und da ist mein Wunsch, dass das auf jeden Fall bleibt und auch gestärkt wird. Gern können die Leute auf mich und die Familienbildungsstätten zukommen. Ich bitte aber auch um Geduld bei all dem Neuen, das mir begegnet.

Die neue und die scheidende FBS-Leiterin
  • Monika Wesberg, geboren in Ahlen, ist 54 Jahre alt, lebt in Havixbeck in einer Partnerschaft und hat einen Sohn (30).
  • Doris Krug wird nach 20 Jahren als Leiterin der FBS Selm Leiterin des Katholischen Bildungswerkes im Kreisdekanat Coesfeld.
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