Das sind die Förderschulen im Kreis Unna

Karte und Audio

Überkapazitäten, also zu viel Schulraum für zu wenige Schüler: Das war das zentrale Argument, die Förderschullandschaft im Kreis Unna umzukrempeln. Nun ist es soweit: Mit dem neuen Schuljahr stehen alle Förderschulen unter der Trägerschaft des Kreises. Wir geben einen Überblick, wie es jetzt konkret weitergeht.

SELM

, 23.08.2016, 05:40 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eine der Förderschulen im Kreis Unna: die Regenbogenschule in Rünthe

Eine der Förderschulen im Kreis Unna: die Regenbogenschule in Rünthe

„Wir haben reichlich Schulraum in den Kommunen, aber die Schülerzahl geht überall drastisch zurück“: So fasste Wissenschaftler Dr. Heinfried Habeck seine in einem Gutachten 2014 niedergeschriebene Analyse in einem RN-Interview zusammen.

Die demografische Entwicklung auf der einen, vor allem aber Inklusion auf der anderen Seite führten dazu: Eltern melden ihre Kinder heute meist in der Grundschule an, wo sie dann unter dem Stichwort „Gemeinsames Lernen“ mit den anderen Kindern in einer Klasse sitzen. Das ist gewünscht, wenngleich auch nicht unumstritten.

Das ist der Plan zu den Förderschulen im Kreis Unna

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Und nun? Da, wo die Städte Träger der alten Schulen waren, hat nun der Kreis Unna die Trägerschaft übernommen, alles neu sortiert und dem heutigen und künftig prognostizierten Bedarf angepasst: Es gibt zwei große Förderzentren, wobei der für den Nordkreis zwei Standorte hat.

In Bork wurde in den Sommerferien die auslaufende Hauptschule entsprechend umgebaut. „Noch funktioniert hier nicht alles“, sagte Bettina Vorberg, Leiterin der Regenbogenschule, am Montag bei einem Ortstermin mit dem Schuldezernenten des Kreises Unna in Bergkamen. „Wir haben das aber gut hinbekommen“, meinte Detlef Timpe beim Pressegespräch in der Rünther Regenbogenschule. 

Im Audio spricht Detlef Timpe über die neue Förderschullandschaft im Kreis Unna.

Drei Dinge, sagte Timpe, seien für ihn zentral:

  • „Wir erhalten die Wahlfreiheit für Eltern und Kinder und im Kern ein leistungsfähiges Schulangebot, zu dem neben den Förderschulen auch das ‚Gemeinsame Lernen‘ an den Regelschulen zählt.“
  • „Wir erreichen mehr Qualität: Über die pädagogische Qualität an den städtischen Förderschulen konnte sich auch schon niemand beschweren. Aber wir haben künftig an allen Standorten gebundene oder offene Ganztagsangebote – das tut vielen Kindern gut und ist bei den heutigen familiären Verhältnissen gewünscht.“
  • „Der unwichtigste der drei Vorteile: Wenn man auf die Kassen der Städte und des Kreises schaut, dann ist die jetzige Lösung die wirtschaftlich beste – und das bei mehr oder weniger runderneuerten Schulgebäuden. Und bei dieser Rechnung sind die Kosten für das ‚Gemeinsame Lernen‘, also sonderpädagogisches Personal auch an Regelschulen, schon eingerechnet.“

Zwei Standorte für Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung"

Neben den beiden Förderzentren Nord und Unna, die für Kinder der Sekundarstufe als gebundene Ganztagsschule operieren, gibt es die Regenbogenschule mit den Standorten Rünthe und Fröndenberg für die Primarstufe im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung sowie die Sonnenschule, ebenfalls in beiden Orten, mit dem Förderschwerpunkt Sprache.

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So sieht das renovierte Förderzentrum Nord in Lünen aus

Einblicke in den Standort Lünen des Förderzentrums Nord.
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Auf den Gängen stehen teilweise noch Stühle und Tische. Mittwoch zum Schulstart soll alles fertig sein.© Foto: Marc Fröhling
Neue Möbel© Foto: Marc Fröhling
Bis die neue Mensa fertig ist, wird in diesem Raum gegessen.© Foto: Marc Fröhling
Die Tafel im Mensa-Raum© Foto: Marc Fröhling
Ein Klassenraum - in jedem Klassenraum gibt es jetzt einen Internet-Anschluss.© Foto: Marc Fröhling
Hier soll in den kommenden Wochen ein neuer Computer-Raum entstehen - mit multimedialem Whiteboard.© Foto: Marc Fröhling
Kunibert Kampmann (62) ist der Schulleiter des Förderzentrums Nord.© Foto: Marc Fröhling
Das Sekretariat© Foto: Marc Fröhling
Neue Möbel gabs auch für das Lehrerzimmer© Foto: Marc Fröhling
Ein Besprechungsraum© Foto: Marc Fröhling
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Sie sind in beiden Orten jeweils in denselben Gebäuden untergebracht, aber getrennte Schulsysteme – anders als das Förderzentrum Nord das lediglich auf einen Teilstandort in Bork als Zweitstandort ausgelagert ist. Für Kinder mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ gibt es in Bergkamen und Holzwickede jeweils einen Nord- und einen Südstandort: im Norden die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, im Süden die Karl-Brauckmann-Schule.

Kreis zahlt fast 800.000 Euro für Gebäude

Diese Schulen waren bis dato schon Schulen in Kreis-Trägerschaft. Geschlossen wurden Schulen unter anderem in Selm (Pestalozzischule), Werne (Barbaraschule) und die „Schule an der Ruhr“ im Schwerter Ortsteil Ergste. Konkret ist das nun so geregelt: Der Kreis Unna gab Nutzungszusagen in den kommunalen Gebäuden für jeweils zehn Jahre, aber mit der Perspektive auf Verlängerung.

Über diesen Zeitraum refinanziert er die städtischen Ausgaben für die Renovierung und zahlt eine jährliche Miete plus Umbaukosten-Refinanzierung an die Kommunen: 290.000 Euro an die Stadt Lünen, 234.000 Euro an Selm, 136.000 Euro an Bergkamen, 131.000 Euro an Fröndenberg – insgesamt also fast 800.000 Euro. Allein die Miete beträgt dabei 600.000 Euro. In Unna, wo das Förderzentrum Süd ist, wird das Gebäude der Harkortschule nur noch übergangsweise genutzt, weil es extrem sanierungsbedürftig ist. Dort prüft der Kreis Unna gerade zwei Optionen für einen Neubau.

Einige Stellen im Kreis sind noch unbesetzt

Das Förderzentrum Nord wird sich also auf zwei Standorte aufteilen: In Lünen ist die Hauptstelle, Teilstandort ist Bork. 44 Lehrkräfte gehen Stand jetzt hier fürs neue Schuljahr an den Start. Die Stellen-Besetzungsquote liegt allerdings derzeit im gesamten Kreis nur bei rund 93 Prozent. Grundlage für die Stellenberechnung ist laut Cornelia Krois, Schulamts-Direktorin, eine Schülerzahlen-Prognose aus dem April.

„Genauer wissen es die Schulen aber erst am Mittwoch“, sagte sie am Montag auf Anfrage der Ruhr Nachrichten. „Bis Ende August liefern alle Schulleiter die reelle Schülerzahl nach. Am 1. November stehen dann auch neue sonderpädagogische Fachkräfte zur Verfügung: Deren Ausbildung endet am 31. Oktober. Klar ist aber, dass wir im Kreis Unna noch Nachschub brauchen.“

Gute Quote: Sechs Schüler für einen Lehrer

Detlef Timpe sagte: „Wir gehen davon aus, dass die Schülerzahlen auf lange Sicht zurückgehen und sich das Förderschul-Geschehen dann auf Lünen fokussieren wird. Zurzeit gibt der Standort in Lünen aber nicht her, alle Schüler dort unterzubringen. So lange wir mehr als 200 oder 300 Schüler haben, werden wir den Standort Bork erhalten.“ An der Waltroper Straße habe man ja auch „einen Zehn-Jahres-Nutzungsvertrag mit Option auf Verlängerung geschlossen, das sagt ja einiges über die Perspektive aus“, so Timpe.

In den vergangenen Wochen hatten die Bauarbeiter in Bork das Sagen. Ab Mittwoch übernehmen der neue Schulleiter Kunibert Kampmann und Stellvertreterin Doris Kraft das Regiment. Und rund 170 bis 180 Schüler ab der fünften Klasse in Lünen plus 130 Schüler in Bork. Für Kinder im Grundschulalter, die zu einer Förderschule gehen sollen, sind die Sonnenschule und die Regenbogenschule in Rünthe zuständig. An letzterer werden 45 Schüler in vier Klassen an den Start gehen. Die Betreuungsquote liegt etwa bei 1:6, so Schulleiterin Bettina Vorberg: „Das hört sich erst einmal toll an, ist es auch – aber unsere Kinder sind betreuungsintensiv.“

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